08.08.2012
Legendärer Defa-Regisseur
Kurt Maetzig ist tot
Kurt Maetzig im November 2010: Linientreu und doch kritisch
Leipzig/Hamburg - Wie die "Leipziger Volkszeitung" unter Berufung auf seine Frau berichtet, starb der Filmemacher Kurt Maetzig am Mittwoch in seinem Haus in Wildkuhl in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Regisseur drehte Dramen wie "Ehe im Schatten" und die Liebesgeschichte "Das Kaninchen bin ich", in der sich der Künstler mit den inneren Problemen der DDR auseinandersetzte und die daher einige politische Sprengkraft enthielt. Das Werk von 1965 wurde auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED mit einem Großteil der Jahresproduktion verboten und erst 1990 bei der Berlinale uraufgeführt. Maetzig drehte aber auch zahlreiche linientreue Filme für den SED-Staat.
Der gebürtige Berliner war Mitbegründer der Defa, des staatlichen Film-Unternehmens der DDR. Insgesamt drehte er 20 Filme. Seine komplette Filmografie ist in Maetzigs Biografie bei der Defa-Stiftung einzusehen, die deren Filme heute verwaltet. Maetzig hob 1954 auch als Gründungsrektor die in Potsdam-Babelsberg angesiedelte Deutsche Hochschule für Filmkunst aus der Taufe. Dort war er bis 1964 als Professor für Filmregie tätig.
Berühmt wurde Maetzig für die Filme "Die Buntkarierten" von 1949 und "Der Rat der Götter" aus dem Jahr 1959. Für die Inszenierung des Breitwandfilms "Das Lied der Matrosen" hatte Maetzig nach SPIEGEL-Informationen als erster ostdeutscher Filmregisseur Gelegenheit, Tausende von Statisten vor den Kameras zu dirigieren - das kolossale Spektakel sollte der aufwendigste und teuerste Film der Defa werden.
Maetzig war viermal verheiratet und Vater dreier Kinder. Zuletzt war er ältestes Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Er wurde 101 Jahre alt.
bos/dpa/dapd