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11.12.2012
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"Hobbit"-Star Martin Freeman

"Das düsterste Telefonat meiner Laufbahn"

Foto: Warner Bros

Er spielt den Hobbit in Peter Jacksons Tolkien-Trilogie: Martin Freeman alias Bilbo Beutlin. Kurz vor der offiziellen Weltpremiere des Films in London verrät der Brite, wie man als Neuling in Mittelerde klarkommt - und wie ihm um ein Haar die Rolle seines Lebens entgangen wäre.

SPIEGEL ONLINE: Sie mussten für Peter Jacksons Tolkien-Verfilmung zwei Jahre lang als Hobbit Bilbo Beutlin rumlaufen. Wie erträgt man das eigentlich?

Freeman: Ich wäre wahnsinnig geworden, wenn ich die ganze Zeit vor einer grünen Leinwand mit imaginären Wesen hätte reden müssen. Doch Jackson lässt nach Möglichkeit kolossale Sets bauen - und wenn dort dauernd Orks, Zauberer oder Elfen deinen Weg kreuzen, wird es selten langweilig. Zudem wirft er einem wöchentlich ein paar Überraschungen zu: neues Material, umgeschriebene Dialoge. Dass daraus nun sogar drei Filme werden, lag schon länger in der Luft und ist beispielhaft für Peters Der-Weg-ist-das-Ziel-Philosophie. Ich vertraue ihm und denke, nach "Herr der Ringe" weiß er genau, was er tut.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Neuling in Mittelerde. Wie groß war der Kulturschock?

Freeman: In den ersten Wochen hielt ich tatsächlich den Kopf unten und lernte von Peter und seinem Team über J.R.R. Tolkien wie von Historikern. Doch sie sind keine Kultisten, sondern Pragmatiker, die eine Geschichte für die Leinwand erzählen wollen. Und so haben sie mir bald gezeigt, dass das Quellenmaterial zwar immer zu respektieren ist - man seinen Kopf aber schleunigst aus dem Tolkien ziehen sollte, der sehr gut für sich allein stehen kann. Sklavische Werktreue verhindert einen guten Film - fruchtbar ist nur, an die eigene Version zu glauben.

SPIEGEL ONLINE: Beschreiben Sie uns mal Ihren Bilbo Beutlin.

Freeman: Etwas pompös, öfter mal perplex und mit zwei linken Füßen in allerlei Abenteuer stolpernd - ich spiele ihn hoffentlich so vergnüglich und lebendig, wie er geschrieben ist. Und ich mag ihn sehr, weil er so unerfahren und verletzlich ist wie die meisten von uns.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie den Part um Haaresbreite nicht bekommen hätten?

Freeman: Ich hatte sogar schon absagen müssen und erinnere mich noch mit Grauen an das düsterste Telefonat meiner Laufbahn. Die Castings waren über Monate gut gelaufen. Peter - genau wie schon Guillermo del Toro als zuvor geplanter Regisseur - hatten mir signalisiert, dass ich ihr Favorit bin. Doch als das Angebot kam, war ich bereits für die zweite Staffel von "Sherlock" gebucht.

SPIEGEL ONLINE: Für das ganz große Kino abzusagen kam Ihnen nicht in den Sinn?

Freeman: Das wäre unanständig gewesen, ich bin lieber vertragstreu und liebe das "Sherlock"-Team und die Show. Zum Glück für mich konnte Jackson den "Hobbit"-Drehplan verschieben und ich bekam die Chance doch noch.

SPIEGEL ONLINE: Hat Sie der "Hobbit"-Job eigentlich verändert?

Freeman: Der Job ist überall identisch, ob in einem Londoner Pub oder beim "Hobbit": Ich muss so tun, als ob Sätze zum ersten Mal aus meinem Mund kommen. Abgesehen von diesem handwerklichen Aspekt hat die Produktion - trotz ihrer Surrealität - einen enormen Wachstumsschub in mir ausgelöst. Große Filme brauche ich schon deshalb nun nicht mehr fürchten, weil ich nie einen größeren drehen werde. Nach dem "Hobbit" kann es nichts Größeres geben.

Das Interview führte Roland Huschke

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insgesamt 20 Beiträge
1. Übersetzung
cornelia_johnson 11.12.2012
"In den ersten Wochen hielt ich tatsächlich den Kopf unten" ist eine extrem wörtliche Übersetzung. Wie wär's stattdessen mit "Ich hielt mich in den ersten Wochen zunächst zurück"?
"In den ersten Wochen hielt ich tatsächlich den Kopf unten" ist eine extrem wörtliche Übersetzung. Wie wär's stattdessen mit "Ich hielt mich in den ersten Wochen zunächst zurück"?
2.
wincel 12.12.2012
Wer hat denn diese fuerchterliche Uebersetzung verbrochen?!?
Wer hat denn diese fuerchterliche Uebersetzung verbrochen?!?
3. ein F für ein B vormachen
saarstudentin 12.12.2012
Ach, SPON! Nach dem schrecklichen Veriss von "Herr der Ringe" in eurer Printausgabe (ja, 11 Jahre her, aber das habe ich mir gemerkt) war mir ja eigentlich klar, dass niemand von euch die Filme gesehen hat. Dann [...]
Zitat von sysopEr spielt den Hobbit in Peter Jacksons Tolkien-Trilogie: Martin Freeman alias Bilbo Beutlin. Kurz vor der offiziellen Weltpremiere des Films in London verrät der Brite, wie man als Neuling in Mittelerde klarkommt - und wie ihm um ein Haar die Rolle seines Lebens entgangen wäre. Interview mit Martin Freeman über "Hobbit" und Bilbo Beutlin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/interview-mit-martin-freeman-ueber-hobbit-und-bilbo-beutlin-a-870213.html)
Ach, SPON! Nach dem schrecklichen Veriss von "Herr der Ringe" in eurer Printausgabe (ja, 11 Jahre her, aber das habe ich mir gemerkt) war mir ja eigentlich klar, dass niemand von euch die Filme gesehen hat. Dann wüsstet ihr nämlich, dass es auf Deutsch "Elben" heißt. Das wurde von Tolkien persönlich angeordnet, weil er das kindische "elves" nicht mochte und das Deutsche ihm da Möglichkeiten bot, die das Englische nicht hergab. Bisschen peinlich, so ein Fehler.
4. Hmm
MartinK. 12.12.2012
Irgendwie bekomme ich durch diese ganzen Berichte und Interviews immer weniger Lust den Film zu sehen. Was von "mega-gehypten" Filmen zu halten ist weiß ich spät. nach Indy4 oder Iron Sky
Irgendwie bekomme ich durch diese ganzen Berichte und Interviews immer weniger Lust den Film zu sehen. Was von "mega-gehypten" Filmen zu halten ist weiß ich spät. nach Indy4 oder Iron Sky
5. Danke für Titeländerung
retourenpaket 12.12.2012
Danke dass der Titel von "Das schlimmste Telefonat meines Lebens" in "Das düsterste Telefonat meiner Laufbahn" geändert wurde. Unter "Das schlimmste Telefonat meines Lebens" wird doch die [...]
Danke dass der Titel von "Das schlimmste Telefonat meines Lebens" in "Das düsterste Telefonat meiner Laufbahn" geändert wurde. Unter "Das schlimmste Telefonat meines Lebens" wird doch die Geschichte der Krankenschwester gehandelt, die von einem Australischen Radiosender hereingelegt wurde und Auskunft über die Royls gab. Sie hat sich daraufhin umgebracht. Die Radiomoderatoren haben den Scherzanruf nun als "Das schlimmste Telefonat meines Lebens" bezeichnet.

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USA/Neuseeland 2012

Regie und Drehbuch: Peter Jackson

Darsteller: Martin Freeman, Richard Armitage, Ian McKellen, Andy Serkis, Aidan Turner, Ken Stott, Graham McTavish

Produktion: New Line Cinema

Verleih: Warner Bros.

Länge: 164 Minuten

Start: 13. Dezember 2012

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