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05.02.2013
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Filme, Stars, Partys

Das große Berlinale-ABC

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Welche Stars kommen? Welche Filme lohnen sich? Wo steigen die Partys? Am Donnerstag beginnt die 63. Berlinale, dann regieren Kino-Künstler und Hollywood-Hysteriker die Hauptstadt. Das müssen Sie über eines der größten Filmfestivals der Welt wissen - von A bis Z.

A - Andrang: Die Berlinale ist ein Festival der Superlative, kein Filmfest weltweit hat mehr Besucher. 2012 wurden fast 300.000 Eintrittskarten verkauft. Mehr als 3.800 Journalisten waren vor Ort, hinzu kamen fast 16.000 akkreditierte Fachbesucher. Entsprechend schwierig ist es, an -> Eintrittskarten zu kommen.

B - Berlinale-Palast: Herzstück des Festivals am Marlene-Dietrich-Platz. Hier wird der rote Teppich für die Stars ausgerollt, hier sind alle Filme des -> Wettbewerbs zu sehen. Und hier feiern die Filmcrews im VIP-Raum bei Champagner - bevor sie zu den After-Show-Partys fahren: ins Borchardt, in die ehemalige jüdische Mädchenschule oder zum Medienboard-Empfang ins Ritz Carlton.

C - Campion, Jane: Neuseeländische Regisseurin und Oscar-Preisträgerin ("Das Piano"), stellt ihre erste Arbeit fürs Fernsehen seit 20 Jahren vor, die Krimi-Serie "Top of the Lake": Eine junge Polizistin, gespielt von Elizabeth Moss aus "Mad Men", begibt sich auf die Suche nach einer schwangeren Zwölfjährigen, die spurlos verschwunden ist. Die siebenteilige Serie wird am Stück gezeigt.

D - Deutsche Filme im Wettbewerb: Unter den Anwärtern auf den -> Goldenen Bären sind auch "Gold" von Thomas Arslan und "Layla Fourie" von der in Berlin lebenden Südafrikanerin Pia Marais. Eine weitere deutsche Produktion, Bille Augusts Verfilmung des Peter-Bieri-Bestsellers "Nachtzug nach Lissabon", läuft außer Konkurrenz.

E - Eintrittskarten: Tickets sind an drei Vorverkaufstellen erhältlich: in den Arkaden am Potsdamer Platz, im Kino International in der Karl-Marx-Allee und im Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße. Nähere Informationen gibt es hier. (-> Online-Tickets)

F - Forum: Älteste Nebensektion der Berlinale, Plattform für Underground-Filme und kontroverse Beiträge. Künstler wie Peter Greenaway stellten hier ihre ersten Filme vor. Immer wieder sorgten Beiträge für Skandale, 1976 wurde Nagisa Oshimas Erotikfilm "Im Reich der Sinne" nach der Premiere von der Berliner Staatsanwaltschaft konfisziert.

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"Im Reich der Sinne": Nagisa Oshimas Skandalfilm
- Fracking: Umstrittene Erdgasfördermethode, bei der chemische Flüssigkeiten ins Bodeninnere gepresst werden, um Druck zu erzeugen. Genau diese Praxis steht im Mittelpunkt von Gus Van Sants neuem Politthriller "Promised Land" (-> Wettbewerb). Matt Damon verkörpert darin einen Energiekonzern-Vertreter, der die Einwohner einer Kleinstadt überzeugen soll, ihr Farmland zu verkaufen.

- Frauen: Anders als 2012 beim Filmfestival von Cannes, als keine einzige Regisseurin im Wettbewerb vertreten war und die Branche zu Recht protestierte, kämpfen in Berlin drei Frauen um den -> Goldenen Bären. Insgesamt laufen 87 Filme, die von Frauen gedreht wurden - 20 davon im Panorama, 14 im -> Forum. Das macht bei 404 Beiträgen eine Quote von 21,5 Prozent.

G - Goldener Bär: Wichtigste Auszeichnung der Berlinale. 2012 ging sie an "Cäsar muss sterben" von den Gebrüdern Taviani. Am häufigsten gewannen bisher Filme aus den USA (13), gefolgt von Frankreich (8) und Großbritannien (7). Deutschland landet gemeinsam mit Spanien und Italien auf Platz vier mit je sechs Goldenen Bären - der letzte Deutsche, der sich über einen freuen durfte, war 2004 Fatih Akin ("Gegen die Wand").

H - Hysterie: Dürfte sich am roten Teppich vorm -> Berlinale-Palast breit machen: Aus Hollywood werden unter anderem Jude Law, Nicolas Cage, Jeremy Irons, Anne Hathaway und Emma Stone erwartet. Fans deutscher Schauspieler können sich auf Martina Gedeck, Nina Hoss und Til Schweiger freuen (siehe Bildergalerie).

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Berlinale: Diese Stars kommen nach Berlin
I - Independent-Kino aus den USA: Ist auf dem Vormarsch - sagt Festivalleiter Dieter Kosslick (-> roter Schal und Filzhut). Vier Filme der erstarkten US-Indie-Szene sind als Special in der Sektion Panorama zu sehen (-> Queere Filme). Schauspieler Joseph Gordon-Levitt stellt sein Regiedebüt "Don Jon's Addiction" vor - über einen pornosüchtigen Barkeeper. Noah Baumbach kommt mit "Frances Ha", der Geschichte einer 27-jährigen Träumerin (Greta Gerwig), nach Berlin. In "Maladies" spielt James Franco einen Serienstar, der sich nach einer psychischen Erkrankung in ein Strandhaus zurückzieht. Und die Erfolgsdokumentarfilmer Rob Epstein und Jeffrey Friedman widmen ihr Biopic "Lovelace" dem ersten großen Pornostar der USA: Linda Lovelace.

- Iran - Regimekritische Filmemacher müssen in Iran ein Berufsverbot fürchten. Jafar Panahi, dessen Fußballfan-Film "Offside" 2006 den Regiepreis erhielt, ist davon betroffen. Die Berlinale zeigte sich 2011 solidarisch mit dem Regisseur und lud ihn als Jurymitglied ein - erfolglos. Jetzt gelang es Panahi, trotz Hausarrests einen neuen Film zu drehen: "Closed Curtain", die Geschichte eines alten Mannes und einer jungen Frau, die sich in einer Strandvilla vor der Polizei verstecken, wird im -> Wettbewerb gezeigt.

J - Jury: In den Anfangsjahren der Berlinale durfte das Publikum den Gewinnerfilm wählen, seit 1956 entscheidet eine internationale Jury. Diese wird 2013 vom chinesischen Regisseur Wong Kar-wai geleitet. Vier Filmemacher, ein Schauspieler und eine Kamerafrau komplettieren das Team (siehe Bildergalerie).

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Berlinale: Das ist die Jury
K - Kiez: Die Berlinale will nicht nur ein Festival für Connaisseure sein. Um Berührungsängste abzubauen ist vor vier Jahren die Aktion "Berlinale Goes Kiez" gestartet, die Filme jenseits des Festivalzentrums Potsdamer Platz zeigt. An sieben Abenden wird der rote Teppich jeweils vor einem anderen Programmkino ausgerollt. Nähere Informationen gibt es hier.

L - Lanzmann, Claude: Der französische Dokumentarfilmer, bekannt für seine Arbeiten zum Holocaust ("Shoah", "Pourquoi Israel"), erhält den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk. Außerdem ist ihm eine Hommage gewidmet, bei der alle seine sechs Filme in digitalen Überarbeitungen zu sehen sind (siehe Bildergalerie).

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Berlinale: Goldener Ehrenbär für Claude Lanzmann
M - "Mammas": Neuester Kurzfilm der italienischen Schauspielerin und Regisseurin Isabella Rossellini. Darin verkleidet sie sich als Spinne, Beutelratte oder Fisch, um über Mutterliebe im Tierreich zu reden. Rossellini erhält zudem die Berlinale Kamera, eine Auszeichnung für Personen, mit denen sich die Festspiele in besonderer Weise verbunden fühlen. Sie war 2011 Jurypräsidentin, außerdem stellte sie 2008 ihr experimentelles Regiedebüt "Green Porno" im -> Forum vor.

N - Nachwuchspreise: Sind hoch dotiert: 50.000 Euro beträgt der "Preis für den besten Erstlingsfilm". Außerdem werden zehn vielversprechende Nachwuchsschauspieler als "European Shooting Stars 2013" ausgezeichnet, darunter auch die Deutsche Saskia Rosendahl ("Lore").

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Jung, talentiert, europäisch: European Shooting Stars 2013
- NativE: Neue Sonderreihe, die sich dem filmischen Schaffen indigener Völker widmet. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf vier Regionen - Ozeanien, Australien, Nordamerika und der Arktis -, aus denen insgesamt 24 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme zu sehen sind.

O - Online-Tickets: Gibt es auch - allerdings in kleinen Kontingenten, weshalb sie schnell vergriffen sind. Drei Tage vorher wird in der Regel für jeden Film auf der Programmseite ein entsprechendes Icon freigegeben.

P - Paralympics in London: Sind Thema von zwei Dokumentarfilmen, die als Special gezeigt werden: Niko von Glasows "Mein Weg nach Olympia" und Michael Hammons "Gold - Du kannst mehr als du denkst". Beide Regisseure haben Sportler bei ihren aufreibenden Vorbereitungen für die Paralympischen Spiele begleitet.

- Perspektive Deutsches Kino: Schaufenster für den deutschen Film, von Festivalleiter Dieter Kosslick (-> Roter Schal und Filzhut) 2002 ins Leben gerufen. Hier können sich vor allem junge Filmemacher präsentieren. In diesem Jahr werden elf Arbeiten gezeigt, den Anfang macht "Freier Fall" von Stephan Lacant über einen Polizisten, der sich in seinen Kollegen verliebt und überlegt, seine schwangere Freundin zu verlassen.

DPA

Berlinale-Chef Dieter Kosslick mit seinen Standard-Accessoires

- Politik: Ihren Ruf als politisches Festival verdankt die Berlinale dem Austragungsort. Das geteilte Berlin stand seit Beginn 1951 für die weltpolitischen Machtkämpfe im Kalten Krieg. Immer wieder protestierten Delegierte eines Landes gegen Wettbewerbsbeiträge. Legendär ist der Rücktritt des Festivalpräsidenten George Stevens im Jahre 1970. Der US-Amerikaner wollte den Vietnamfilm "O.K." von Michael Verhoeven aus dem Programm nehmen, weil darin vier GIs ein vietnamesisches Mädchen vergewaltigen. Die Festivalleitung lehnte die Forderung ab, Stevens verließ die Jury. 1979 sorgte erneut ein Vietnamfilm, Michael Ciminos "The Deer Hunter", für einen Eklat. Diesmal protestierten Vertreter des Ostblocks, da der Film in ihren Augen das vietnamesische Volk beleidigte. Auch nach dem Mauerfall versucht die Berlinale, Debatten anzustoßen. Der Arabische Frühling war 2012 Thema. Dieses Jahr liegt der Fokus im Wettbewerb auf Osteuropa: Beiträge aus Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Kasachstan, Polen und Russland befassen sich mit den gesellschaftlichen Umbrüchen in den ehemaligen sozialistischen Ländern.

Q - Queere Filme: Inoffizieller Schwerpunkt des Panoramas, des zweitwichtigsten Zweiges der Berlinale. Die Sieger dieser Sektion wählt das Publikum. Zudem erhalten zwei queere Filme die schwul-lesbischen Sonderpreise: die Teddy Awards. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Pedro Almodóvar und Todd Haynes.

R - "Rosakinder": Eine Hommage an Rosa von Praunheim, gedreht von fünf seiner ehemaligen Schüler, die heute ebenfalls erfolgreiche Regisseure sind - unter ihnen Tom Tykwer und Chris Kraus. Von Praunheim, Ikone der deutschen Schwulenbewegung ("Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt"), wird gleichzeitig mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet (-> Mammas).

Basis-Film Verleih

Dokumentarfilmer Rosa von Praunheim erhält die Berlinale Kamera

- Roter Schal und Filzhut: Erkennungszeichen des Festivalleiters Dieter Kosslick. Der gebürtige Pforzheimer ist seit 2001 Chef der Berlinale. Davor arbeitete er als Kulturredakteur bei der Zeitschrift "konkret" und leitete zwei Filmförderungsanstalten - zuerst in Hamburg, dann in Nordrhein-Westfalen. Der -> Vegetarier ist für seine gute Laune bekannt - und für Kontakte nach Hollywood, weshalb er viele Stars an die Spree bringen konnte (-> Hysterie).

S - Shorts: Sektion für Kurzfilme aus aller Welt. Wie im -> Wettbewerb kämpfen die 27 Spiel- und Dokumentarfilme um einen -> Goldenen Bären.

T - Talent Campus: Treffpunkt im Theater "Hebbel am Ufer" für junge Filmschaffende (-> Nachwuchspreise). An sechs Tagen halten Stars wie Schauspielerin Anita Ekberg oder Regisseur Ken Loach Vorträge und Workshops.

- Trilogien: Finden in zwei Wettbewerbsfilmen ihren Abschluss. Richard Linklater spinnt in "Before Midnight" die Liebesgeschichte zwischen dem US-Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) und der Französin Celine (Julie Delpy) weiter, die in "Before Sunrise" und "Before Sunset" begann. Der Österreicher Ulrich Seidl kommt mit dem letzten Teil seiner "Paradies"-Reihe nach Berlin. "Paradies: Hoffnung" erzählt von einer 13-Jährigen, die sich in einem Diät-Camp in den viel älteren Klinikleiter verliebt. Seidl hat es damit geschafft, seine gesamte Trilogie auf die A-Festivals zu verteilen: "Paradies: Liebe" war in Cannes, "Paradies: Glaube" in Venedig.

U - "Unter Menschen": Dokumentarfilm von Christian Rost und Claus Strigel über Laboraffen aus Sierra Leone, an denen illegal Impfstoffe gegen HIV und Hepatitis getestet wurden. "Unter Menschen" ist einer von elf Filmen, die in der Sonderreihe "Berlinale Special" gezeigt werden. Andere Highlights dieser Sektion sind Tom Hoopers Musical "Les Misérables" und Michael Winterbottoms "The Look of Love".

V - Vegetarier: Wie übersteht man zehn Tage Dauerkino? Festivalleiter Dieter Kosslick schwört auf gesundes Essen. Der strenge Vegetarier und Slow-Food-Fan hat deswegen 2007 das "Kulinarische Kino" ins Leben gerufen. Die Sektion zeigt Filme zum Thema Essen, danach erwartet die Besucher ein Buffet im Spiegelzelt am Martin-Gropius-Bau. In diesem Jahr stehen unter anderem "The Fruit Hunters" aus Kanada und der holländisch-belgische Film "L'amour des Moules" auf dem Programm.

W - Weimar Touch: Motto der Retrospektive, die erläutert, wie das Weimarer Kino Filmschaffende aus aller Welt beeinflusst hat. Neben Arbeiten der deutschen Expressionisten Fritz Lang oder Friedrich Wilhelm Murnau sind Hollywoodklassiker wie "Casablanca" zu sehen, an denen deutsche Exilanten mitgewirkt haben.

- Wettbewerb: 24 Filme aus 22 Ländern umfasst der Wettbewerb, 19 davon sind im Rennen um den -> Goldenen Bären. Die Filme werden im -> Berlinale-Palast gezeigt. Hier findet auch am vorletzten Tag des Festivals die Preisverleihung statt (siehe Bildergalerie).

X - XS : Auch für die kleinen und kleinsten Kinogänger bietet die Berlinale ein Programm: In der Sektion "Generation" laufen 60 Filme, verteilt auf eine Kinder- und eine Jugendsparte.

Y - "Yi dai zong shi": Neues Werk des -> Jury-Präsidenten Wong Kar-wai und wohl nicht ganz zufällig auch Eröffnungsfilm. Das Martial-Arts-Epos erzählt die Lebensgeschichte des Kung-Fu-Meisters Ip Man, der auch Mentor von Leinwandlegende Bruce Lee war.

Z - Zubehör: Andenken gibt's im Berlinale-Shop in den Potsdamer Platz Arkaden. Dort erhält man auch die begehrten Festival-Taschen, die seit 2010 "ökologisch korrekt" aus Biobaumwolle hergestellt werden.

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