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08.02.2013
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Fracking-Film "Promised Land"

Um Schiefergas und Scholle

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Braucht der Bauer Geld, lockt der Energieriese mit dem Reibach: "Promised Land" mit Matt Damon erzählt vom Elend im ländlichen Amerika - und davon, wie die umstrittene Fracking-Methode zur Gasgewinnung die USA spaltet. Das ist schön sozialromantisch. Und patriotischer Kitsch.

Erst mal landfein machen: Wenn Steve Butler (Matt Damon) und seine Kollegin Sue Thomason (Frances MacDormand) einfallen, ist ihre erste Station ein Autohändler, bei dem ein nicht zu neuer, nicht zu alter Pick-up-Truck gekauft wird. Danach decken sich die beiden Angestellten eines US-Energiekonzerns mit Klamotten ein, die nicht nach Großstadt aussehen: Flanellhemd statt Maßanzug. Derart ruralisiert wird nun Farm um Farm abgeklappert, um den verarmten Bauern, zum Beispiel im Nordwesten Pennsylvanias, wo "Promised Land" spielt, ihr Weide- und Ackerland abzupachten. Der Konzern will nach Flüssiggas bohren - und bedient sich dabei der höchst umstrittenen Fracking-Methode: Wasser, Sand und ein giftiger Chemikalien-Cocktail wird dabei mit Bohrtürmen in tiefliegende Schieferschichten gespült, um darin enthaltenes Gas herauszulösen und abzubauen.

Fracking und die patriotisch unterfütterte Verheißung, dadurch riesige, bisher unerschlossene Brennstoffvorräte auf eigener Scholle zu gewinnen, also unabhängig von den Ölstaaten im Nahen Osten zu werden, beflügelt die US-Wirtschaft. Doch sowohl über die erschließbare Menge des effektiv förderbaren Gases, als auch über die Kosten für die Umwelt, tobt eine erhitzte Debatte: Umwelt-Organisationen warnen vor Gift im Grundwasser und verödeten Landstrichen, während die Energieriesen betonen, dass Fracking in den USA bereits seit dem späten 19. Jahrhundert angewendet werde, man also die Risiken kenne und beherrsche. Und außerdem: Wer könne denn etwas gegen die Abkehr von Kohle und Öl durch Verbrennung umweltfreundlicher und natürlicher Gasvorkommen haben?

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Berlinale-Film "Promised Land": Ökos im Heimatfilm
In diese brenzlige Gemengelage platzte mit dem US-Start von "Promised Land" Anfang Januar ein vom Hollywood-Studio Universal vertriebener Mainstream-Film mit Starbesetzung, der das Dilemma zwischen Energieautonomie und Umweltrisiko, zwischen Festhalten am traditionellen Farming und den Verlockungen des großen Geldes behandelt. Die Farmer werden als Verpächter nämlich am Gasgewinn ihres Landes beteiligt. Vielen, gerade in den strukturschwachen Agrarregionen und einstigen Industriezentren, gilt das als vielleicht letzte Chance auf ein Leben im Wohlstand.

Steve Butler ist einer der Besten, wenn es darum geht, genau diese Chancen auszumalen, er steht kurz vor einer Beförderung in die Firmenzentrale. Warum er so gut ist? Er glaubt die Geschichte von der sauberen, besseren Welt, die er den Farmern erzählt, er glaubt an seinen Job. Zunächst läuft auch alles nach Plan, Steve und Sue haben bereits 60 Prozent des Farmlands in ihrer Zielregion in der Tasche, als plötzlich der junge Umweltaktivist Dustin Noble (John Krasinski) auftaucht, und mit einer spektakulären Karaokeeinlage als Möchtegern-Bruce-Springsteen in der örtlichen Kneipe Stimmung gegen die Erdgasgewinnung macht, was Steve zur Raserei treibt. Gleichzeitig vereitelt der pensionierte Boeing-Ingenieur und MIT-Abgänger Frank Yates (Hal Holbrook) eine für Steve wichtige Abstimmung im Gemeinderat des Städtchens - und schließlich verguckt sich Steve auch noch in die Lehrerin Alice (Rosemarie De Witt), die ihr Leben als Städterin aufgab, um die Farm ihrer Familie zu erhalten.

Man kennt Moralstücke dieser Machart ziemlich gut: Bill Forsyths "Local Hero", die Läuterung eines Öl-Managers im schottischen Idyll, fällt einem als Blaupause ein, oder jüngst "Thank You For Smoking", in dem sich Aaron Eckhart sehr amüsant vom Tabak-Lobbyisten zum Zigarettengegner wandelt. Diesen sympathischen und aufrechten Filmen ist aber leider immer eine verkitschte Hoffnung auf das Gute im Menschen zu eigen - das sich am Ende dann auch durchsetzt.

Erbauungs- oder Wohlfühlkino nennt man das. Und leider gehört auch der schön fotografierte, anrührende und durchaus unterhaltsame "Promised Land" in diese Kategorie, den Matt Damon, der zusammen mit Krasinski ("The Office") das Drehbuch schrieb, selbst inszenieren wollte, aus Zeitgründen aber seinen guten Bekannten Gus Van Sant ("Good Will Hunting", "Milk") in den Regiestuhl bat.

Die geballte PR-Macht der Gaslobby

Van Sants Stärken liegen darin, aus den Dialogszenen, dem Zwischenmenschlichen das Beste herauszuholen. Und so gehören die Szenen, in denen sich Damon und MacDormand als routinierte Fracking-Verführer die Bälle zuwerfen, zu den Höhepunkten. Matt Damon liefert eine der besten Performances seiner angestammten Junge-von-Nebenan-Rolle ab und tut viel dafür, das allmähliche Umdenken seiner Figur, den langsam wachsenden Zweifel an der eigenen Integrität, glaubhaft zu machen - bis hin zu einer überraschenden Plot-Wendung am Ende des Films. Es ist bemerkenswert, wie ausgewogen der Film mit seinem kontroversen Thema umgeht, wie geschickt er es schafft, die eigentlich Bösen (Butler und Thomason) zu Identifikationsfiguren werden zu lassen, während man den draufgängerischen Umwelt-Heini eher unsympathisch findet. "I'm not a bad guy", schwört Butler denn auch gleich mehrmals.

Das Fracking-Thema sei erst sehr spät Teil des Films geworden, sagte Matt Damon auf der Berlinale nach der Pressevorführung am Freitagnachmittag. Es sei ihm und Krasinski vorrangig darum gegangen, einen Film über Amerikas Identitätssuche zu drehen. Angeblich, so schrieb die "New York Times", sei in einer frühen Drehbuchphase das Konfliktthema die Errichtung von Windräder-Parks im Bundesstaat New York gewesen.

Entsprechend wenig erfährt man über die Gefahren des Frackings, weil es lediglich den Anlass für eine Betrachtung der verzwickten Lage im ländlichen Amerika gibt. Das ist schön sozialromantisch und unverhohlen patriotisch verkitscht, wenn überall verblichene Sternenbanner malerisch an den Holzwänden der Farmhäuser hängen - der ernsthaften Debatte über das dringliche Umweltthema wird "Promised Land" durch das Fehlen einer klaren Position und so etwas wie einem Happy End nicht gerecht.

Aber fiktionale Propaganda-Filme will ja auch niemand sehen. Und Damon ist schlau genug, sich diesem Vorwurf zu entziehen. Wer sich wirklich informieren will, dem sei die spannende Dokumentation "GasLand" von Josh Fox empfohlen, der sich bereits 2010 mit dem Fracking-Boom in den USA auseinandersetzte. Über Fox' Film regte sich die amerikanische Energiebranche richtig auf. Auch zum US-Start von "Promised Land" rüstete sich die Gaslobby mit geballter PR-Macht für einen Shitstorm, ging aber schnell wieder zum Tagesgeschäft über, als sich herausstellte, dass der für 18 Millionen Dollar unabhängig produzierte Film kein Kassenerfolg werden würde: Nur rund 7,5 Millionen Dollar Umsatz seit dem 4. Januar. In den USA viel zu wenig, um das Thema in den Mainstream zu tragen. Übernehmen Sie, Michael Moore!

"Promised Land" läuft im Berlinale-Wettbewerb um den Goldenen Bären und wird am Freitagabend als Deutschland-Premiere gezeigt. Ein Kinostart ist für den 13. Juni geplant.

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insgesamt 130 Beiträge
1. Wie einfach es schlauen Deutschen Bauern gemacht wird, EEG-Suventionen abzusahnen,
Privatier 08.02.2013
und privaten Stromverbrauchern mit höchststaatlicher Unterstützung explosionsartig wachsende Milliardenbeträge zwangsweise aus den Taschen zu ziehen, bietet gewiß auch genügend Stoff für einen zu Tränen rührenden [...]
Zitat von sysopUniversal Pictures/ Scott Green Braucht der Bauer Geld, lockt der Energieriese mit dem Reibach: "Promised Land" mit Matt Damon erzählt vom Elend im ländlichen Amerika - und davon, wie die umstrittene Fracking-Methode zur Gasgewinnung die USA spaltet. Das ist schön sozialromantisch. Und patriotischer Kitsch. http://www.spiegel.de/kultur/kino/berlinale-film-promised-land-fracking-drama-mit-matt-damon-a-882346.html
und privaten Stromverbrauchern mit höchststaatlicher Unterstützung explosionsartig wachsende Milliardenbeträge zwangsweise aus den Taschen zu ziehen, bietet gewiß auch genügend Stoff für einen zu Tränen rührenden Propaganda-Film. MfG
2. redneck-Hölle
systemfeind 08.02.2013
mir doch egal ob in den us&a die Kühe umkippen .
Zitat von sysopUniversal Pictures/ Scott Green Braucht der Bauer Geld, lockt der Energieriese mit dem Reibach: "Promised Land" mit Matt Damon erzählt vom Elend im ländlichen Amerika - und davon, wie die umstrittene Fracking-Methode zur Gasgewinnung die USA spaltet. Das ist schön sozialromantisch. Und patriotischer Kitsch. http://www.spiegel.de/kultur/kino/berlinale-film-promised-land-fracking-drama-mit-matt-damon-a-882346.html
mir doch egal ob in den us&a die Kühe umkippen .
3. der übliche Öko-Lügen-Schwachsinn
besso 08.02.2013
Da ist weder was giftig, noch sonst irgendwas schädlich. Den Ökos geht es nur darum, billige Energie zu verhindern. Damit sollen Windkraft und Solarenergie wttbewerbsfähig gemacht werden. Das die Bevölkerung sich den [...]
Da ist weder was giftig, noch sonst irgendwas schädlich. Den Ökos geht es nur darum, billige Energie zu verhindern. Damit sollen Windkraft und Solarenergie wttbewerbsfähig gemacht werden. Das die Bevölkerung sich den feuchten Öko-Traum sich nicht leisten kann und will, interessiert diese feinen Kreise nicht.
4. Zusatzinfo
tacker8 08.02.2013
Habe mal ein bisschen geschaut, was fracking überhaupt ist. Empfehle allen, das auch zu tun - siehe ZDF und WDR-Dokus schon ab 2011. Leider fallen die Kühe nicht nur in USA um - in Deutschland gibt es ebenfalls schon [...]
Habe mal ein bisschen geschaut, was fracking überhaupt ist. Empfehle allen, das auch zu tun - siehe ZDF und WDR-Dokus schon ab 2011. Leider fallen die Kühe nicht nur in USA um - in Deutschland gibt es ebenfalls schon Bohrlöcher, Probebohrungen und Versenkbohrungen Bevor man also erleichternder Weise glaubt, dass das "nicht unser Problem ist" - einfach mal kucken und staunen!
5.
deepfritz 08.02.2013
Ganz richtig, Fracking ist ein Segen, besonders für die USA! Dank Fracking werden die USA auch in Zukunft Welt und Wirtschaftsmacht bleiben. Es ist sehr traurig dass darüber nicht rational berichtet wird. Wie auch immer, [...]
Zitat von bessoDa ist weder was giftig, noch sonst irgendwas schädlich. Den Ökos geht es nur darum, billige Energie zu verhindern. Damit sollen Windkraft und Solarenergie wttbewerbsfähig gemacht werden. Das die Bevölkerung sich den feuchten Öko-Traum sich nicht leisten kann und will, interessiert diese feinen Kreise nicht.
Ganz richtig, Fracking ist ein Segen, besonders für die USA! Dank Fracking werden die USA auch in Zukunft Welt und Wirtschaftsmacht bleiben. Es ist sehr traurig dass darüber nicht rational berichtet wird. Wie auch immer, die Zukunft wird zeigen wie sinnvoll Fracking ist.

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