26.02.2013
"Zero Dark Thirty"
US-Senat lässt Vorwürfe gegen Film fallen
Washington - Das wirkt fast wie abgesprochen: Am Sonntag hat der Film "Zero Dark Thirty" über die Jagd nach Osama Bin Laden noch bei den Oscars versagt und keinen der Hauptpreise gewonnen. Ein Umstand, den viele Brancheninsider der politischen Kontroverse, die um den Film entbrannt ist, zuschreiben. Unter anderem war den Filmemachern Kathryn Bigelow (Regie) und Mark Boal (Drehbuch) vorgeworfen worden, sie hätten unlauter mit der CIA zusammengearbeitet und die Rolle von Folter bei der Suche verzerrt dargestellt. Der für die Nachrichtendienste zuständige Ausschuss des US-Senat ordnete daraufhin sogar eine Untersuchung an. Am Montag, einen Tag nach den Oscars, ist nun bekannt geworden, dass der Ausschuss die Untersuchung ergebnislos eingestellt ht.
Ein Mitarbeiter des US-Kongresses teilte der Nachrichtenagentur Reuters mit, der Ausschuss habe sich bei der CIA informiert und werde nun keine weiteren Schritte in der Sache unternehmen. Der Filmverleih Sony Pictures Entertainment, der den Film in den USA vertreibt, sagte, man sei in Kontakt mit den Filmemachern, wolle aber aktuell nichts kommentieren. Auch Drehbuchautor Boal lehnte einen Kommentar ab.
Eine Quelle der Nachrichtenagentur, die nach eigenen Angaben mit dem Austausch zwischen CIA und Filmemachern vertraut ist, sagte, die CIA hätte nicht behauptet, dass Folter zu Bin Laden geführt habe. Vielmehr hätte der Nachrichtendienst bei der Entwicklung der Filmcharaktere von "Zero Dark Thirty" geholfen.
"Zero Dark Thirty" erzählt eine dramatisierte Version der Ereignisse, die zur Entdeckung und Tötung Bin Ladens führten. In den USA war der Film für die Darstellung speziell der Foltermethoden der CIA stark in die Kritik geraten. Zu den lautstärksten Kritikern zählte die Vorsitzende des Senatsausschusses Dianne Feinstein. Sie monierte, der Film würde fälschlicherweise nahelegen, dass bei der Folterung von Gefangen entscheidende Informationen über Bin Ladens Versteck gewonnen worden wären. Neben Feinstein kritisierten auch prominente Politiker wie der Vorsitzende des Militärausschusses, Carl Levin, und Senator John McCain die Folterszenen in "Zero Dark Thirty".
Bigelow schrieb als Reaktion auf die Vorwürfe ein Meinungstück für die "Los Angeles Times": "Was mich persönlich betrifft: Ich glaube - und dieser Glaube ist Gegenstand von Untersuchungen, Vorwürfen und Spekulationen gewesen -, dass Osama Bin Laden aufgrund herausragender kriminalistischer Arbeit aufgespürt wurde. Folter wurde aber, soweit wir das wissen können, in den ersten Jahren der Jagd angewandt. Das heißt nicht, dass sie entscheidend für das Aufspüren war. Das heißt, dass sie ein Teil der Geschichte ist, den wir nicht ignorieren können."
Bei den Oscars war "Zero Dark Thirty" unter anderem als bester Film nominiert worden. In dieser Kategorie setzte sich letztlich der Politthriller "Argo" von Ben Affleck durch, der sich ebenfalls mit der Arbeit der CIA beschäftigt, allerdings während der Geiselkrise in Iran um 1980. Insidern zufolge arbeitete das Team um Affleck mindestens so eng wie die Macher von "Zero Dark Thirty" mit der CIA zusammen. Unter anderem durfte die Crew von "Argo" im Empfangsbereich des CIA-Gebäudes in Langley, Virginia, drehen.
hpi/rts