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Kultur

Filmfestspiele

Das sind die Gewinner in Cannes

Das asiatische Kino zeigte sich bei den Filmfestspielen von Cannes besonders stark: Ein japanischer Film erhielt die Goldene Palme, ein koreanischer die besten Kritikerbewertungen. Der Überblick.

AFP
Samstag, 19.05.2018   21:40 Uhr

Kore-eda Hirokazu hat mit seinem anrührenden Drama "Shoplifters"(japanisch: "Manbiki Kazoku") die Goldene Palme 2018 gewonnen. Das hat die Jury unter Vorsitz der Schauspielerin und doppelten Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett am Samstagabend im Rahmen der Abschlussgala von Cannes bekanntgegeben.

In "Shoplifters" bilden Menschen unterschiedlichster Lebensumstände ein fragiles Familiengebilde - aneinander gebunden durch Mitgefühl und Liebe statt Biologie. Wahlverwandtschaften sind schon lang ein zentrales Thema von Kore-eda, nun krönt die Goldene Palme das vielfach geschätzte Werk des Japaners.

Das asiatische Kino zeigte sich in diesem Jahr besonders stark bei dem Festival: Der Koreaner Lee Chang-dong erhielt für "Burning" seinen mit schneidenden Beobachtungen über gesellschaftliche Spaltung in Korea durchwobenen Psychothriller, sogar die besten Kritikerbewertungen aller Zeiten - noch vor dem bisherigen Rekordhalter "Toni Erdmann". Am Ende ging die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami nur mit dem Preis der Kritikervereinigung FIPRESCI für den besten Film im Wettbewerb nach Hause - exakt so wie "Toni Erdmann" 2016.

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Goldene Palme in Cannes: Am Rande der Gesellschaft

Den Preis der Jury, gewissermaßen die Bronzemedaille des Festivals, gewann die Libanesin Nadine Labaki für "Carphanaüm". Das eindrückliche, in den Slums von Beirut angesiedelte Sozialdrama, hatten viele auch als Anwärter für die Goldene Palme erachtet, zumal damit nach Jane Campion zum zweiten Mal in der 71-jährigen Geschichte von Cannes eine Frau mit dem Hauptpreis hätte ausgezeichnet werden können.

Doch die Ausbeute für die drei Regisseurinnen im Wettbewerb hielt sich in Grenzen: Auch "Lazzaro Felice", das poetische Werk von Alice Rohrwacher über einen Heiligen unter Ausgebeuteten, musste sich mit einem nachrangigen Preis zufriedengeben.

Die Italienerin Rohrwacher teilte sich den Preis für das beste Drehbuch mit Nader Saeivar für Jafar Panahis "Se Rokh" ("Three Faces"). Der Grand Prix du Jury ging an "BlacKkKlansman" von Spike Lee, der damit nach seinem furiosen Debütfilm "Do The Right Thing" wieder nicht in Cannes siegen konnte. Die unterhaltsame Politfarce dürfte allerdings der Film aus dem Wettbewerb sein, der weltweit das größte Publikum findet - ein guter Trost für einen Film, der ein möglichst breites Bewusstsein für die Wurzeln und die Folgen von Rassismus schaffen will.

Erstmalig Sonderpalme verliehen

Dem Dilemma, wie man ein Werk des Übergroßmeisters Jean-Luc Godard mit anderen Filmen vergleichen könnte, entzog sich die Jury, in dem sie Godards Essayfilm "Le livre d'image" eine Sonderpalme verlieh. Pawel Pawlikowski wurde als bester Regisseur für "Zimna Wojna" ("Cold War") ausgezeichnet, ein schmerzhaft genaues Porträt der stürmischen Ehe seiner künstlerisch ambitionierten Eltern, die im Kampf der Systeme aufgerieben werden.

Für das beste Schauspiel wurden Samal Yesyamova in "Ayka" von Sergey Dvortsevoy sowie Marcello Fonte in "Dogman" von Matteo Garone mit Silbernen Palmen bedacht.

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Barfuß in Cannes: Kristen Stewart ohne High Heels

Die Jury bestand in diesem Jahr außerdem aus den SchauspielerInnen Chang Chen, Kristen Stewart und Léa Seydoux, den RegisseurInnen Ava DuVernay ("Das Zeiträtsel"), Robert Guédiguian ("Der Schnee am Kilimandscharo"), Denis Villeneuve ("Blade Runner 2049") und Andrey Zvyagintsev ("Loveless") sowie der Musikerin Khadja Nin.

In der Nebenreihe "Un Certain Regard" hatte sich am Freitag bereits der schwedische Film "Gräns" ("Border") durchgesetzt. Wie die Kritik, die den Fantasyfilm seit seiner Premiere am Anfang des Festivals wie kaum einen zweiten feierte, zeigte sich die Jury unter Vorsitz von Benicio del Toro angetan von der wunderbar eigensinnigen Geschichte um eine Frau, die die Gesichtszüge einer Neandertalerin aufweist und durch ihren besonders ausgeprägten Geruchssinn bald sehr nützlich für Ermittlungsarbeiten der Polizei wird. Der gebürtige Ukrainer Sergei Loznitsa, seit Langem Wahlberliner, wurde als bester Regisseur für "Donbass", seine wütende Anklage gegen die russische Intervention in der Ostukraine, ausgezeichnet.

Die wichtigsten Preise im Überblick:

hpi

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