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Kultur

Golden-Globes-Gala in Los Angeles

"Argo" räumt ab, Spielberg schwächelt

Ein CIA-Geiselthriller von Ben Affleck und ein Musical sind die Gewinner der Golden Globes: "Argo" und "Les Misérables" setzten sich in L.A. gegen Favoriten wie Spielbergs "Lincoln" durch. Christoph Waltz errang den Nebendarsteller-Preis, Michael Hanekes "Liebe" wurde bester fremdsprachiger Film.

Montag, 14.01.2013   06:50 Uhr

Los Angeles - Große Überraschung bei den 70. Golden Globe Awards in Los Angeles. Ein kleiner Geiselfilm besiegt das Historienepos über Präsident Abraham Lincoln. Ben Afflecks Agentengeschichte "Argo", die eine gelungene Geiselbefreiung in Iran schildert, wurde zum besten Drama gewählt. Affleck selbst erhielt den Globe für die beste Regie.

Die meisten Auszeichnungen des Abends gingen an ein Musical: Tom Hoopers "Les Misérables" nach dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo gewann in der Kategorie "Beste Komödie oder Musical". Weitere Preise gingen an Hauptdarsteller Hugh Jackman und an Nebendarstellerin Anne Hathaway. "Ich werde den Preis als Waffe nutzen gegen meine Selbstzweifel", sagte die 30-Jährige zu ihrem ersten Golden Globe.

Preise für Haneke und Waltz

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Golden Globes 2013: Das sind die Gewinner
Zu den weiteren Gewinnern der Gala zählten gleich zwei Österreicher. Christoph Waltz wurde zum besten Nebendarsteller gekürt. Er erhielt den Preis für seine Rolle als Kopfgeldjäger Dr. Schultz in Quentin Tarantinos Italowestern "Django Unchained". Es ist sein zweiter Globe: 2010 hatte er die goldene Weltkugel für seine Darstellung von SS-Oberst Hans Landa in "Inglourious Basterds" bekommen, auch ein Tarantino-Film. "Quentin, du weißt, dass meine Schuld dir gegenüber und meine Dankbarkeit nicht in Worte zu fassen sind", bedankte sich Waltz am Sonntagabend bei seinem Regisseur, der auch das Drehbuch verfasst hat. Dafür erhielt Tarantino einen eigenen Globe.

Michael Hanekes "Liebe" wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Damit setzte das berührende Drama über Alter und Tod seine Erfolgsgeschichte fort, die es mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Europäischen Filmpreis in Malta einleitete. Der Österreicher Haneke erhielt die Auszeichnung von seinem Landsmann Arnold Schwarzenegger. In seiner Dankesrede widmete er den Globe seinen Stars Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant.

Großer Verlierer des Abends war Steven Spielbergs Historienfilm "Lincoln". Die Präsidentenbiografie ging mit sieben Nominierungen ins Rennen, doch nur Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis konnte den Preis entgegennehmen. Regisseur Steven Spielberg, Nebendarsteller Tommy Lee Jones und Nebendarstellerin Sally Field gingen leer aus. Mehr Glück könnte dem Film in der Oscar-Nacht beschert sein: Beim wichtigsten Filmpreis der Welt führt "Lincoln" die Kandidatenliste an - und Regisseur Ben Affleck ist nicht einmal nominiert.

Weitaus schlechter als erwartet verlief die Show auch für David O. Russell und seinen Film "Silver Linings". Die Dramödie, die sich in sechs Kategorien Hoffnungen auf einen Oscar machen darf, konnte ihren Favoritenstatus bei den Golden Globes nicht bestätigen. Nur Jennifer Lawrence bekam den Preis - als beste Hauptdarstellerin in einer Filmkomödie. Ihr Kollege Bradley Cooper musste sich Hugh Jackman geschlagen geben. Als beste Hauptdarstellerin in einem Drama siegte Jessica Chastain, die für ihre Rolle der CIA-Agentin Mia in Kathryn Bigelows Osama-Bin-Laden-Jagdfilm "Zero Dark Thirty" ausgezeichnet wurde. Chastain kämpfte gegen Tränen an, als sie sich bei Regisseurin Bigelow bedankte.

Sichtlich gerührt war auch die Sängerin Adele, die einen Globe für ihren Bond-Titelsong "Skyfall" entgegennehmen durfte. "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich hier stehen würde", sagte die neunfache Grammy-Gewinnerin. Der Preis für die beste Filmmusik ging an den Kanadier Mychael Danna und dessen Arbeit an Ang Lees märchenhafter Erzählung "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger". Als bester Animationsfilm wurde "Merida - Legende der Highlands" ausgezeichnet. Er setzte sich gegen "Frankenweenie", "Hotel Transsilvanien", "Die Hüter des Lichts" und "Ralph reicht's" durch.

Sieger im TV: Politische Filme und "Girls"

In den Fernsehsparten, die ein fester Bestandteil der Golden-Globe-Verleihung sind, setzten sich zeitgenössische politische Werke durch. So wurde das Drama "Game Change" über die letzten Wochen des Präsidentschaftswahlkampfs 2008 als bester TV-Film ausgezeichnet. Julianne Moore, die Vize-Kandidatin Sarah Palin verkörpert, erhielt einen Globe als beste Hauptdarstellerin. Ed Harris wurde bester Nebendarsteller für seine Rolle als republikanischer Kandidat John McCain.

Bei den Serien erhielt "Homeland" zum zweiten Mal in Folge den Globe als bestes Drama. Damien Lewis spielt darin einen US-Soldaten, der nach Jahren der Gefangenschaft aus dem Irak zurückkehrt. Weil er während seiner Haft zum Islam konvertiert ist, glaubt eine CIA-Agentin (Claire Danes), dass er ein Terrorist sein könnte. Sowohl Lewis als auch Danes erhielten Darstellerpreise überreicht. Weitere Auszeichnungen gingen an Don Cheadle für seine Rolle des Unternehmensberaters Marty Kaan in "House of Lies" und Kevin Costner in "Hatfields & McCoys". Maggie Smith wurde als beste Nebendarstellerin geehrt, sie spielt die Witwe Violet Crowley in der Serie "Downton Abbey".

Damit setzten sich viele Neuproduktionen gegen erfolgsverwöhnte Klassiker wie "Breaking Bad" oder "The Big Bang Theory" durch. Auch "Modern Family", im letzten Jahr als beste Comedy-Serie ausgezeichnet, hatte das Nachsehen. Stattdessen gewann die Serie "Girls" von Lena Dunham, eine unglamouröse Version von "Sex and the City" über das Liebesleben von Mittzwanzigern in New York.

Mit Frauenpower durch den Abend

Die Golden Globes werden von der Hollywood Foreign Press Association vergeben, die Verleihung findet im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles statt. Erstmalig wurde die Gala von zwei Frauen geleitet. Tina Fey und Amy Poehler übernahmen die Moderation von Ricky Gervais, der die letzten drei Jahre als Gastgeber aufgetreten war und mit seinen Sprüchen die Zuschauer schockierte. Das weibliche Duett verzichtete auf derben Humor, setzte dennoch starke Akzente. Über die Folter-Debatte rund um Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty" sagte Fey: "Ich habe den Film nicht gesehen, aber wenn es um Folter geht, vertraue ich der Frau, die drei Jahre mit James Cameron verheiratet war." Und ihre Kollegin Poehler meinte zu Anne Hathaways Darbietung in "Les Misérables": "Ich habe niemanden so verloren gesehen seit der Zeit, als du mit James Franco die Oscars moderiert hast."

Fey und Poehler waren beide als beste Hauptdarstellerinnen in einer TV-Comedy-Serie nominiert, mussten sich aber der New Yorkerin Lena Dunham geschlagen geben. Die 26-Jährige erhielt den Preis für ihre Hauptrolle in der Gewinnerserie "Girls". Die Moderatorinnen nahmen ihre Niederlage mit Humor und kamen mit Whiskeygläsern auf die Bühne. Im Vorfeld hatten sie im Spaß angekündigt, auf die Hilfe von Alkohol zu setzen, um eine gute Show liefern zu können.

Golden Globe Gewinner 2013

Bestes Drama: "Argo"
Beste Hauptdarstellerin Drama: Jessica Chastain, "Zero Dark Thirty"
Bester Hauptdarsteller Drama: Daniel Day-Lewis, "Lincoln"
Beste Komödie oder Musical: "Les Misérables"
Beste Hauptdarstellerin Komödie oder Musical: Jennifer Lawrence, "Silver Linings"
Bester Hauptdarsteller Komödie oder Musical: Hugh Jackman, "Les Misérables"
Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway, "Les Misérables"
Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz, "Django Unchained"
Beste Regie: Ben Affleck, "Argo"
Bester fremdsprachiger Film: "Liebe" (Österreich)
Bester Animationsfilm: "Merida - Legende der Highlands"
Bestes Drehbuch: Quentin Tarantino, "Django Unchained"
Beste Filmmusik: Mychael Danna, "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger"
Bester Filmsong: Adele, "Skyfall"
Beste TV-Serie, Drama: "Homeland"
Beste Hauptdarstellerin TV-Serie, Drama: Claire Danes, "Homeland"
Bester Hauptdarsteller TV-Serie, Drama: Damian Lewis, "Homeland"
Beste TV-Serie, Komödie oder Musical: "Girls"
Beste Hauptdarstellerin, Komödie oder Musical: Lena Dunham, "Girls"
Bester Hauptdarsteller, Komödie oder Musical: Don Cheadle, "House of Lies"
Beste Miniserie oder TV-Film: "Game Change"
Beste Hauptdarstellerin, Miniserie oder TV-Film: Julianne Moore, "Game Change"
Bester Hauptdarsteller, Miniserie oder TV-Film: Kevin Costner, "Hatfields & McCoys"
Beste Nebendarstellerin: Maggie Smith, "Downton Abbey"
Bester Nebendarsteller: Ed Harris, "Game Change"

sbr/dpa/AFP/dapd

insgesamt 16 Beiträge
Krakz 14.01.2013
1. Enttäuschendes
Stück - war des Lesens nicht wert
Stück - war des Lesens nicht wert
stevenspielberg 14.01.2013
2.
Dieser Satz kann aber sehr leicht falsch verstanden werden!!! Ich habe mir die Verleihung ab 3 Uhr angeschaut und habe ich mich gefragt wozu eigentlich die beiden Moderatorinnen da sind. Mehr als ein paar One-Line um einen [...]
Zitat von sysopAFPEin Geiseldrama von Ben Affleck und ein Musical sind die Gewinner der Golden Globes: "Argo" und "Les Misérables setzten sich gegen Favoriten wie Steven Spielbergs "Lincoln" durch. Christoph Waltz errang den Nebendarsteller-Preis, Michael Hanekes "Liebe" wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. http://www.spiegel.de/kultur/kino/geiseldrama-argo-und-musical-les-miserables-siegen-bei-golden-globes-a-877292.html
Dieser Satz kann aber sehr leicht falsch verstanden werden!!! Ich habe mir die Verleihung ab 3 Uhr angeschaut und habe ich mich gefragt wozu eigentlich die beiden Moderatorinnen da sind. Mehr als ein paar One-Line um einen Laudator anzukündigen habe ich von denen nicht gehört. Evtl. durften sie ja zu Beginn mehr sagen. Aber die Verleihung war interessant, denn da gab‘s ja einige Überraschungen, die vor allem hinsichtlich der Oscars mehr Spannung als Klarheit bringen: Film: Les Miserables war zu erwarten, Argo ist eine kleine Überraschung. Ich glaube trotzdem nicht dass einer der beiden den Oscar holen wird. Lincoln ist weiterhin der Favorit. Regie: Letzte Woche die Überraschung das Affleck nicht für den Oscar nominiert wird, und nun gewinnt er hier. Damit hat dieser Sieger für den Oscar keine Aussagekraft, außer dass es keinen eindeutigen Favoriten gibt. Es wird wohl auf einen Zweikampf zwischen Spielberg und Lee werden. Hauptdarsteller: Beide Sieger wie erwartet, und das Daniel Day-Lewis seinen dritten Oscar gewinnen wird, sollte nun auch jedem klar sein. Hauptdarstellerin: Auch hier waren beides Favoritensiege, und Jessica Chastain bleibt Favorit für den Oscar. Nebendarsteller: Der Sieg von Waltz ist schon eine große Überraschung, aber den Oscar bringt ihm das noch lange nicht. Hier sehe ich weiterhin Tommy Lee Jones knapp vorne. Nebendarstellerin: Anne Hathaway untermauert ihre Favoritenstellung. Lediglich Saily Fields ist hier noch eine kleine Konkurrenz, falls die Academy „Lincoln“ komplett verfällt. Drehbuch: Freue mich für Tarantino. Damit dürfte er auch beim Oscar in der Original-Drehbuch-Kategorie die Favoritenrolle übernommen haben. Bei der Drehbuch-Adaption bleibt Argo der Favorit.
stevenspielberg 14.01.2013
3. Silver Linings
Es scheint als wäre die SPON-Redakteure Fans von Silver Linings. Da wird die höhere Anzahl der Oscar-Nominierungen erwähnt, anstatt der für gestern Abend relevanten Globe-Nomineirungen, was ja nur vier waren. Und dann [...]
Zitat von sysopAFPEin Geiseldrama von Ben Affleck und ein Musical sind die Gewinner der Golden Globes: "Argo" und "Les Misérables setzten sich gegen Favoriten wie Steven Spielbergs "Lincoln" durch. Christoph Waltz errang den Nebendarsteller-Preis, Michael Hanekes "Liebe" wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. http://www.spiegel.de/kultur/kino/geiseldrama-argo-und-musical-les-miserables-siegen-bei-golden-globes-a-877292.html
Es scheint als wäre die SPON-Redakteure Fans von Silver Linings. Da wird die höhere Anzahl der Oscar-Nominierungen erwähnt, anstatt der für gestern Abend relevanten Globe-Nomineirungen, was ja nur vier waren. Und dann wird dem Film auch noch eine nicht vorhandene Favoritenrolle angedichtet. Weder war er in der Kategorie Beste Komödie/Musical favorisiert, noch Bradley Copper gegenüber Hugh Jackman, dessen Leistung die SPON-Redaktion ja schon letzte Woche runtergespielt hat. Ebenso wenig war Russels Drehbuch favorisiert. Es gab nur eine Kategorie in der Silver Linging favorisiert war, und das die in der er auch gewonnen hat. Etwas mehr Objektivität und Hintergrundrecherche wäre wünschenswert.
monzaman 14.01.2013
4. ..
Nix für ungut....aber das sind keine Gewinner, sondern Käufer. Jeder Depp weiß eigentlich, daß Filmstudios und Produktionsgesellschaften für diese albernen Statuen bezahlen um ihre Produkte zu promoten!
Nix für ungut....aber das sind keine Gewinner, sondern Käufer. Jeder Depp weiß eigentlich, daß Filmstudios und Produktionsgesellschaften für diese albernen Statuen bezahlen um ihre Produkte zu promoten!
monzaman 14.01.2013
5.
ähm...haben Sie sonst nix besseres mit Ihrer Lebenszeit zu tun? Schlafen zum Beispiel ????
Zitat von stevenspielbergDieser Satz kann aber sehr leicht falsch verstanden werden!!! Ich habe mir die Verleihung ab 3 Uhr angeschaut und habe ich mich gefragt wozu eigentlich die beiden Moderatorinnen da sind. Mehr als ein paar One-Line um einen Laudator anzukündigen habe ich von denen nicht gehört. Evtl. durften sie ja zu Beginn mehr sagen. Aber die Verleihung war interessant, denn da gab‘s ja einige Überraschungen, die vor allem hinsichtlich der Oscars mehr Spannung als Klarheit bringen: Film: Les Miserables war zu erwarten, Argo ist eine kleine Überraschung. Ich glaube trotzdem nicht dass einer der beiden den Oscar holen wird. Lincoln ist weiterhin der Favorit. Regie: Letzte Woche die Überraschung das Affleck nicht für den Oscar nominiert wird, und nun gewinnt er hier. Damit hat dieser Sieger für den Oscar keine Aussagekraft, außer dass es keinen eindeutigen Favoriten gibt. Es wird wohl auf einen Zweikampf zwischen Spielberg und Lee werden. Hauptdarsteller: Beide Sieger wie erwartet, und das Daniel Day-Lewis seinen dritten Oscar gewinnen wird, sollte nun auch jedem klar sein. Hauptdarstellerin: Auch hier waren beides Favoritensiege, und Jessica Chastain bleibt Favorit für den Oscar. Nebendarsteller: Der Sieg von Waltz ist schon eine große Überraschung, aber den Oscar bringt ihm das noch lange nicht. Hier sehe ich weiterhin Tommy Lee Jones knapp vorne. Nebendarstellerin: Anne Hathaway untermauert ihre Favoritenstellung. Lediglich Saily Fields ist hier noch eine kleine Konkurrenz, falls die Academy „Lincoln“ komplett verfällt. Drehbuch: Freue mich für Tarantino. Damit dürfte er auch beim Oscar in der Original-Drehbuch-Kategorie die Favoritenrolle übernommen haben. Bei der Drehbuch-Adaption bleibt Argo der Favorit.
ähm...haben Sie sonst nix besseres mit Ihrer Lebenszeit zu tun? Schlafen zum Beispiel ????

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