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Kultur

Ende eines Filmstudios

Die Weinstein Company wird verkauft

Hollywood-Stars wie George Clooney und Brad Pitt hatten sich dagegen gewehrt, aber nun ist es offiziell: Am Freitag wechselt die Filmfirma, die Harvey Weinstein gründete, endgültig den Besitzer.

AFP

Harvey Weinstein vor Gericht

Donnerstag, 12.07.2018   12:44 Uhr

Der Absturz war rasant und unaufhaltsam: Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass mittlerweile über 70 Frauen Harvey Weinstein sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorwerfen - im Februar 2018 meldete die Firma des Filmmoguls Insolvenz an. Jetzt wird die Weinstein Company endgültig verkauft.

Am Freitag wird sie für 289 Millionen Dollar in die neu gegründete Firma Lantern Entertainment übergehen. Mehrere Versuche, die Weinstein Company zu veräußern, waren zuvor geplatzt, weil das Unternehmen immer neue Schulden offenbart hatte. Auch die Private-Equity-Firma Lantern Capital, die hinter dem Deal steht, hatte noch im Juni gedroht, diesen deswegen platzen zu lassen. Sie drückte den ursprünglichen Kaufpreis von 310 Millionen Dollar.

Die Weinstein Company schuldet einer langen Reihe von Konzernen und Künstlern Geld, darunter Brad Pitt, Jake Gyllenhaal, George Clooney, Julia Roberts und Quentin Tarantino. Die nicht bezahlten Lizenzgebühren sollen sich auf insgesamt 4,3 Millionen Dollar belaufen.

Logo der Weinstein Company

Die Hollywood-Stars hatten deshalb vor Gericht darauf gedrängt, der Verkauf dürfe nicht über die Bühne gehen, bis geklärt ist, wer die Schulden bezahlt. Ein Richter schmetterte die Klage am Mittwoch allerdings ab und machte den Weg für den Verkauf frei. Wer für die ausstehenden Zahlungen aufkommt, soll danach geklärt werden.

Nach dem Gerichtsurteil gab die Weinstein Company die Entlassung weiterer 20 Mitarbeiter bekannt. Die Firma war schon in den letzten Monaten von ursprünglich 140 Angestellten auf 70 geschrumpft. Der Mitgründer Harvey Weinstein war schon im Oktober 2017 gefeuert worden.

Jetzt ist das Ende der Weinstein Company endgültig besiegelt. Sie wird mit ihrer Filmbibliothek in der neuen Filmproduktionsfirma Lantern Entertainment aufgehen. Die Gründer von Lantern Capital, Andy Mitchell und Milos Brajovic, haben keinerlei Erfahrungen im Showgeschäft. Sie engagierten drei Hollywood-Produzenten, die dabei helfen sollen, ihre neue Firma auf Kurs zu bringen.

Die 2005 von Harvey Weinstein und seinem Bruder Bob gegründete Weinstein Company produzierte Filme wie "Der Vorleser", "Inglorious Basterds" und "Silver Linings".

kae

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