Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

Jack Nicholson wird 80

Der Manfred Krug von Hollywood

Mit zwölf Nominierungen und drei Auszeichnungen hält Jack Nicholson den Rekord unter den Schauspielern im Wettbewerb um den Oscar. Inzwischen ist es um das Leinwandgenie ruhiger geworden. Jetzt feiert er 80. Geburtstag.

DPA
Samstag, 22.04.2017   18:48 Uhr

Könnte Toni Erdmann mit seinem Spaß-Gebiss den Hollywood-Veteranen Jack Nicholson aus dem Ruhestand locken? Der dreifache Oscar-Preisträger, der an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag feiert, stand zuletzt 2010 für die Liebeskomödie "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" mit Reese Witherspoon vor der Kamera, allerdings nur in einer kleinen Nebenrolle. Umso mehr horchten Nicholsons Fans auf, als im Februar Berichte über ein geplantes US-Remake von Maren Ades Hit-Komödie "Toni Erdmann" durch Hollywood kursierten.

Nicholson könnte die schräge Vaterrolle von Peter Simonischek in der deutschen Vorlage übernehmen, schrieb das renommierte Filmblatt "Variety". Offiziell ist noch nichts bestätigt, aber mit Maren Ade hätte der Hollywood-Star schon einen Fan sicher. Er sei einer der besten Schauspieler überhaupt, sagte die deutsche Regisseurin Ende Februar vor der Presse in Santa Monica nach ihrem "Spirit Award"-Gewinn für "Toni Erdmann". "Es gibt so viele Filme mit ihm, die ich sehr liebe." Sie würde sicher Spaß daran haben, sich ein Remake ihres Films anzuschauen, wollte selbst bei einer Neuverfilmung aber nicht mitmischen, betonte Ade.

Fotostrecke

Jack Nicholson wird 80: Exzentrischer und genialer Leinwand-Star

Um den exzentrischen, unberechenbaren und genialen Leinwand-Star ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Ein bisschen ist es wie bei jenem Schauspieler, den die Kritiker gern als deutsches Pendant sahen: Manfred Krug. Auch er wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden, auch er galt als Raubein, auch er war schwierig im Umgang, einer, der nichts ausgelassen hat in seinem Leben. Zuletzt zog er sich - wie Nicholson -zurück, und betrachtete sein Metier eher aus der Distanz.

Nicholsons letzter großer Auftritt auf der Oscar-Bühne liegt vier Jahre zurück. 2013 präsentierte er die Anwärter in der Top-Sparte "Bester Film". Aus Washington wurde First Lady Michelle Obama hinzu geschaltet, um "Argo" als Gewinner zu verlesen. Nicholson gab sein charmantes "Killer-Lächeln" zum Besten und flirtete auch noch ungeniert mit der damals 22-jährigen Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence.

Lawrence war sichtlich überrascht, als Nicholson mitten in ein Live-Interview hineinplatzte und die junge Gewinnerin mit Komplimenten überfiel. "Sie sehen aus wie eine frühere Freundin von mir", schwärmte der Altstar. Und pirschte sich dann noch einmal - jetzt mit Sonnenbrille - an Lawrence heran. Die schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. Das Video sorgte im Netz für Lacher, der Leinwand-Macho wurde mit Spott bedacht.

Schwieriger Start ins Leben

Nicholson hat wenig ausgelassen in seinem Leben. Er hat fünf Kinder von vier Frauen, die Ehe probierte er nur einmal aus, 1962 bis 1968 mit Schauspielkollegin Sandra Knight. Mit Anjelica Huston, Tochter von US-Regisseur John Huston, führte er 13 Jahre lang eine stürmische Beziehung. Sie zerbrach endgültig, als er die beste Freundin seiner Tochter Jennifer, das Model Rebecca Broussard, schwängerte.

Nicholson war 1937 als uneheliches Kind einer 18-jährigen Tänzerin in New Jersey zur Welt gekommen. Er wuchs bei ihren Eltern auf und erfuhr erst mit 37 Jahren, dass seine ältere "Schwester" June in Wahrheit seine Mutter war.

Seine große Hollywood-Karriere fing klein an, mit Botenjobs in der Trickfilmabteilung von Metro-Goldwyn-Mayer. Eine seiner ersten Filmrollen verdankte er dem Trash-Meister Roger Corman in dem Gruselstreifen "Little Shop of Horrors" ("Der kleine Horrorladen"). Seinen Durchbruch feierte er als alkoholsüchtiger Rechtsanwalt George Hanson in dem Road-Movie "Easy Rider" (1969). Der Film mit Peter Fonda und Dennis Hopper als Motorradfahrer auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer wurde zum Kult. Nicholson brachte er die erste von zwölf Oscar-Nominierungen ein.

Mit einer Serie großer Rollen zementierte Nicholson seinen Ruf als einer der talentiertesten Schauspieler seiner Generation. Er brillierte als driftender Gelegenheitsarbeiter in "Ein Mann sucht seinen Weg" und in Roman Polanskis Krimiklassiker "Chinatown", um schließlich mit "Einer flog über das Kuckucksnest" seinen ersten Oscar zu gewinnen.

Leben im Hier und Jetzt

Viele seiner Filme genießen bis heute Kultstatus - so auch Stanley Kubricks Horrorklassiker "Shining", im dem Nicholson als wahnsinnig gewordener Schriftsteller mit der Axt die eigene Familie jagt, oder Tim Burtons "Batman"-Adaption mit Nicholson in der Rolle des sadistischen Joker.

Eine neue Seite offenbarte der Altmeister 2002 in Alexander Paynes Tragikomödie "About Schmidt", in der er ohne jede Eitelkeit auch die hässlichen Spuren des Alterns zeigt. In "Was das Herz begehrt" (2003) mit Diane Keaton war Nicholson in einem wenig kleidsamen Krankenhaushemd und mit blankem Po zu sehen. In "Das Beste kommt zum Schluss" spielt er einen schwer krebskranken Mann mit kahlem Schädel und zerfurchten Gesichtszügen.

"Ich wollte immer ein Charakterschauspieler sein", sagte Nicholson 2008 bei der Deutschlandpremiere der Tragikomödie in Berlin. "Ich habe bislang kaum einen Schauspieler mit weniger Eitelkeit gesehen", pflichtete Regisseur Rob Reiner ("Harry und Sally") bei. "Aber in Wirklichkeit halte ich mich natürlich für den schönsten Menschen der Welt", fügte Nicholson scherzhaft hinzu.

In seiner letzten Hauptrolle spielt er den todkranken Millionär Edward, der im Krankenhaus mit seinem Bettnachbarn Carter (Morgan Freeman) eine Liste mit all den Dingen verfasst, die sie noch vor ihrem Tod erleben wollen. Er selbst habe anders als die Filmfiguren keine derartige Liste, erzählte Nicholson bei der Premiere. Die einzige Möglichkeit, der Angst vor dem Tod zu entkommen sei, ganz im Hier und Jetzt zu leben. Mit seinem bisherigen Leben sei er zufrieden, versicherte der Star. "Ich würde alles wieder genauso machen."

mik/dpa/AFP

insgesamt 24 Beiträge
HarleyDavidSonOfABitch 22.04.2017
1. ...
... Tja, was für ein Paar, damals in "Easy Rider". HENRY Fonda und seine Captain America ...
... Tja, was für ein Paar, damals in "Easy Rider". HENRY Fonda und seine Captain America ...
AlBundee 22.04.2017
2. Wieso nicht Dieter Hallervorden?
Die Kritiker sahen ihn als Manfred Krug-Pendant? Also ich mag beide Schauspieler, aber wo, beim heiligen Optiker, soll hier irgendeine entfernte Form von Ähnlichkeit oder gar Vergleichbarkeit bestehen? Die Tags [...]
Die Kritiker sahen ihn als Manfred Krug-Pendant? Also ich mag beide Schauspieler, aber wo, beim heiligen Optiker, soll hier irgendeine entfernte Form von Ähnlichkeit oder gar Vergleichbarkeit bestehen? Die Tags "exzentrisch", "schwer im Umgang", "raubein" , "Rückzug im Alter", kann man wahrscheinlich auf halb Hollywood anwenden.
Papazaca 22.04.2017
3. Kein
Ich habe so ziemlich alle Filme mit JN gesehen. Fast immer gut. Besonders interessant (nicht gut!) fand ich "Das Beste kommt zum Schluss". Weil das Thema Sterben zum wirklich wichtigen Thema führt: Wie hat man gelebt [...]
Ich habe so ziemlich alle Filme mit JN gesehen. Fast immer gut. Besonders interessant (nicht gut!) fand ich "Das Beste kommt zum Schluss". Weil das Thema Sterben zum wirklich wichtigen Thema führt: Wie hat man gelebt und was würde man noch gerne machen. Der Film ist jetzt nicht super, die Thematik schon. Das Thema hat JN jetzt in seinem Interview eingeholt, zu mindestens dementiert er, eine Löffelliste gemacht zu haben. Dieses Dementi für sich hört sich ein wenig verdächtig an. Klar ist es wichtig, im Hier und jetzt zu leben .. ...
kunibertus 22.04.2017
4. Mir ist der Vergleich
mit Manfred Krug nicht ganz verständlich. Krug war z.B. auch ein hervorragender Jazzsänger. Kann Nicholson auch auf diesem Gebiet mit Krug konkurrieren?
mit Manfred Krug nicht ganz verständlich. Krug war z.B. auch ein hervorragender Jazzsänger. Kann Nicholson auch auf diesem Gebiet mit Krug konkurrieren?
marcus_tullius 22.04.2017
5. Urban legend
Dass Jake den "Earthman" (Erdmann) geben würde, habe ich keine Sekunde geglaubt. Warum sollte er ausgerechnet deswegen aus dem Retiro zurückkehren? Ein nettes Gerücht, in die Welt gesetzt, um den Film bei den Oscars [...]
Dass Jake den "Earthman" (Erdmann) geben würde, habe ich keine Sekunde geglaubt. Warum sollte er ausgerechnet deswegen aus dem Retiro zurückkehren? Ein nettes Gerücht, in die Welt gesetzt, um den Film bei den Oscars zu pushen - was aber dem wirren Werk zum Glück nichts genützt hat.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP