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Kultur

Belästigungsvorwürfe gegen James Franco

Backlash nach den Golden Globes

Eben wurde James Franco noch bei den Golden Globes gefeiert. Nun machen dem Schauspieler alte, aber auch neue Vorwürfe der Nötigung zu schaffen. Die "New York Times" sagte bereits eine Veranstaltung mit ihm ab.

AP

James Franco (links) mit seinem Bruder David bei den Golden Globes 2018

Mittwoch, 10.01.2018   15:10 Uhr

Noch am Sonntag war James Franco bei der Golden-Globe-Verleihung mit einem "Time's Up"-Anstecker erschienen, um Solidarität mit der #MeToo-Bewegung zu zeigen, die sexuelle Übergriffe anprangert. Da er für "The Disaster Artist" als bester Hauptdarsteller in einer Komödie oder Musical ausgezeichnet wurde, stand er zusätzlich im Rampenlicht. Nun haben ihn sowohl alte als auch neue Vorwürfe der Nötigung und Belästigung eingeholt und dafür gesorgt, dass die "New York Times" am Dienstag eine Veranstaltung abgesagt hat, bei der Franco über "The Disaster Artist" sprechen sollte.

Die Schauspielerinnen Violet Paley und Sarah Tither-Kaplan haben Franco auf Twitter vorgeworfen, seinen Status als Star ausgenutzt und sie genötigt zu haben. Paley schrieb auf Twitter: "Süßer Time's Up-Anstecker, James Franco. Weißt du noch, wie du in einem Auto meinen Kopf in Richtung deines entblößten Penis gedrückt hast & das andere Mal, als du meine Freundin auf dein Hotelzimmer gebeten hast, als sie 17 war? Nachdem du bereits dabei erwischt worden warst, das einer anderen 17-Jährigen anzutun?"

Franco war 2014 in einen kleinen Skandal verwickelt, als er eine 17-jährige Schülerin aus Schottland, die mit ihrer Mutter zu Besuch in New York war, zu einem Date zu überreden versuchte. Der Austausch über SMS und Instagram-Nachrichten war damals öffentlich geworden. Franco zeigte sich danach "beschämt": Er habe nicht nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Dass er kurze Zeit später in dem Film "Palo Alto", einer Verfilmung seines eigenen Kurzgeschichtenbandes, einen Lehrer spielte, der eine Schülerin verführt, sorgte in der Filmbranche für weitere Irritationen.

Franco weist Vorwürfe zurück

Tither-Kaplan, die an Francos Kurzfilmreihe "Making A Scene with James Franco" mitwirkte, schrieb auf Twitter: "Hey James Franco, schicker Time's Up-Anstecker bei den Golden Globes, erinnerst du dich noch, wie du mir vor ein paar Wochen gesagt hast, dass es kein Fall von Ausbeutung sei, dass ich in zwei Filmen von dir komplett nackt für 100 Dollar am Tag auftreten soll, weil ich einen entsprechenden Vertrag unterschrieben habe? Die Zeit für sowas ist abgelaufen!"

Franco hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie seien "nicht korrekt", sagte Franco am Dienstagabend in Stephen Colberts "The Late Show". Sollte er etwas falsch gemacht haben, wolle er es aber wiedergutmachen, erklärte er. Er unterstütze Menschen, die Missstände ansprechen, und wolle sie "in keinster Weise zum Schweigen bringen".

"The Disaster Artist", bei dem Franco sowohl Regie führt als auch die Hauptrolle spielt, startet in Deutschland am 1. Februar. Durch seinen Gewinn bei den Golden Globes sahen Experten zunächst Francos Chancen auf eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller gestärkt. Die Abstimmung über die Nominierungen läuft derzeit. Durch die Kontroverse könnten die Mitglieder der Academy nun davon abgeschreckt werden, für Franco zu stimmen. Die Oscar-Nominierungen werden am 23. Januar bekannt gegeben.

hpi/dpa

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