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Kultur

"Ocean's 8"

Das Schaulaufen glamouröser Gaunerinnen

Mit gutem Willen ließe sich der weibliche Reboot der "Oceans"-Reihe als Akt der Gleichberechtigung sehen. Stimmt, die Damen stehen ihren männlichen Pendants in ihrer Holzschnitthaftigkeit in nix nach.

Foto: Warner Bros.
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Mittwoch, 20.06.2018   12:33 Uhr

Bekanntlich erledigen Frauen so ziemlich jeden Job effizienter als Männer. Das erklärt vielleicht, warum "Ocean's 8" als weiblich besetzter Reboot der Komödienreihe um eine Gaunerbande weniger Personal braucht als seine Vorläufer.

In denen ließ Regisseur Steven Soderbergh mindestens elf Gentleman-Gangster mit nonchalanter Leichtigkeit spektakuläre Coups landen, wobei es allerdings vorrangig darum ging, eine prominente Darstellerriege um George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon möglichst lässig in Szene zu setzen.

Diesem Grundprinzip folgt auch die Neuauflage unter der Regie von Gary Ross ("Pleasantville", "The Hunger Games") mit schon fast sklavischer Treue, und führt Sandra Bullock als Debbie Ocean ein. Die Schwester des angeblich verstorbenen (zuvor von Clooney gespielten), kriminellen Masterminds Danny Ocean kommt zum Auftakt auf Bewährung aus dem Gefängnis, wo sie fünf Jahre wegen Betrugs einsaß.

Keineswegs geläutert hat Debbie die Haftzeit zur Planung eines verwegenen Raubzugs genutzt: Auf der jährlichen Gala des Metropolitan Museum of Art in New York will sie direkt vor den makellosen Nasen der versammelten Schönen und Reichen ein auf 150 Millionen Dollar geschätztes Diamantcollier von Cartier entwenden.

Nur die allererste von vielen auftretenden Herausforderungen dabei: Dafür zu sorgen, dass das Schmuckstück überhaupt erst vom Safe des Juweliers an den Hals der blasierten Schauspielerin und Galamoderatorin Daphne Kluger (Anne Hathaway) gelangt. Niemand schafft das allein, weshalb Debbie das Vorbild ihres Bruders feministisch ummünzt, und ein schillerndes Team aus Frauen mit verschiedenen Fertigkeiten rekrutiert.

Schaulaufen der Stars

Von der Trickdiebin über die unvermeidliche Hackerin bis hin zur exzentrischen Modedesignerin sind schließlich allerhand Talente gefunden, wobei die einzelnen Rollen allenfalls knapp umrissen werden. Aber für das Selbstverständnis des Films ist die Besetzung ohnehin wichtiger als eine detaillierte Figurenzeichnung, schließlich ist das Schaulaufen der Stars das eigentliche Kapital im "Oceans"-Konzept.

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"Ocean's 8": Altbekanntes in glitzernden Gewändern

So haben neben Sandra Bullock und Anne Hathaway auch Cate Blanchett, Mindy Kaling, Sarah Paulson, Awkwafina, Rihanna und Helena Bonham Carter ihre bisweilen durchaus amüsanten Minutenauftritte in einem strikt funktionalen Plot. Der versucht gar nicht erst, seine Herkunft von Reißbrett mit vorgeschobener Originalität zu kaschieren: Der Konvention des heist movie folgend geht es bei der kriminellen Operation nicht um das Ob, geschweige denn um das Warum, sondern um das möglichst raffinierte Wie.


"Ocean's 8"
USA 2018
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Olivia Milch, Gary Ross

Darsteller: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Mindy Kaling, Awkwafina, Sarah Paulson, Rihanna, Helena Bonham Carter
Produktion: Village Roadshow Pictures
Verleih: Warner Bros.
Länge: 110 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Start: 21. Juni 2018


"Ocean's 8" erfüllt diese Vorgabe routiniert und ist somit kein bisschen schlechter als seine männerbündelnden Vorläufer. Nur leider waren schon die nicht besonders herausragend, weshalb das Gefühl einer verpassten Gelegenheit vorherrscht: Wo vorher Männer Casinos ausraubten, stehlen nun Frauen Juwelen, ansonsten begnügt sich der Film damit, Altbekanntes in neuen Gewändern zu präsentieren. Und einige sanft-ironische Spitzen gegen überkommene Geschlechterrollen sind letztlich zu wenig, um dem Glanz auch etwas Substanz zu verleihen.

Auf Nummer sicher

Brav eingehegt zwischen den Erwartungen des Publikums an das vertraute Format und dem jeweils eigenen, populären Image spielen die Damen um Sandra Bullock so auf Nummer sicher. Denn genau wie vor ihnen die männliche "Ocean"-Besetzung, so stellen sich auch die weiblichen Stars vornehmlich selbst dar. Das ist natürlich legitim, rührt aber eben auch nicht an geschlechtsspezifischen Rollenbildern wie es etwa eine weibliche Variante von James Bond tun würde.

Ein reaktionärer Shitstorm, wie er über die Hauptdarstellerinnen des "Ghostbusters"-Reboot hereinbrach, dürfte den Stars von "Ocean's 8" daher erspart bleiben. Doch die Glasdecke im Genrekino, das abseits der romantischen Komödie immer noch von männlichen Figuren dominiert wird, können und wollen die glamourösen Gaunerinnen nicht knacken.

Ein perfektes Verbrechen hinterlässt keine Spuren, und auch in "Ocean's 8" lässt sich nach dem Abspann nichts von echtem Belang finden.

Im Video: Der Trailer zu "Ocean's 8":

Foto: Warner Bros.
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