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Kultur

Filmprojekt "Rub and Tug"

Scarlett Johansson verzichtet auf Transgender-Rolle

In "Rub and Tug" sollte Scarlett Johansson einen Transmann spielen. An der Besetzung für den Part gab es Kritik aus der Transgender-Gemeinde. Nun hat sich die Schauspielerin aus dem Projekt zurückgezogen.

REUTERS

Scarlett Johansson

Samstag, 14.07.2018   08:40 Uhr

Regisseur Rupert Sanders muss in seinem Film "Rub and Tug" die zentrale Rolle neu besetzen. Nach anhaltender Kritik hat Scarlett Johansson ihren Rückzug aus dem Projekt mitgeteilt, in dem sie einen Transgender-Mann spielen sollte.

Sie habe aufgrund der "jüngsten moralischen Zweifel", die ihre Besetzung ausgelöst habe, entschieden, "respektvoll meine Teilnahme an dem Projekt zurückzuziehen", sagte die 33-Jährige der Zeitschrift "Out". Sie verstehe die Kritik von Aktivisten, dass seltene Rollen wie diese an einen Trans-Schauspieler gehen sollten. Es sei wichtig, über Inklusion zu sprechen, sagte Johansson weiter. Sie habe "große Bewunderung und Liebe für die Trans-Community".

"Rub and Tug" erzählt die Geschichte von Dante "Tex" Gill, einer zentralen Figur der Unterwelt Pittsburghs in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Gill war Betreiber von Massagesalons und Zuhälter. Geboren als Lois Jean Gill, identifizierte sich Gill als Mann.

Sie hätte Gill gern gespielt, sagte Johansson. Aber sie verstehe, warum viele der Ansicht seien, die Figur solle von einer Transgenderperson verkörpert werden. Sie sei dankbar, dass die Debatte über die Besetzung, obgleich sie kontrovers gewesen sei, das Gespräch über Vielfalt und Repräsentation in Filmen belebt habe.

Zunächst hatte Johansson auf die Kritik noch entgegnet, ihre Schauspielkollegen Jeffrey Tambor, Jared Leto und Felicity Huffman hätten auch erfolgreich Transgender-Rollen gespielt. Nun vollzog sie eine Kehrtwende. Sie habe seitdem "viel von der Transgender-Gemeinde gelernt" und wisse nun, dass ihre Aussage unsensibel gewesen sei.

Schicksal des Films ungewiss

Die Auswahl Johanssons für die Rolle hatte unter anderem in sozialen Medien Kritik ausgelöst, weil kein Transgender berücksichtigt worden war. Die Schauspielerin Trace Lysette ("Transparent") zählte zu einer Reihe von Leuten, die die Rollenbesetzung kritisierten.

Die Besetzung Johanssons sei nur ein weiteres Indiz dafür, wie schwer es für Transgender-Schauspieler sei, Rollen zu bekommen. "Transgender-Schauspieler bekommen ohnehin nur die Chance, vorzusprechen, wenn es um Transfiguren geht", sagte Jamie Clayton, eine Transgender-Schauspielerin, die in der Netflix-Serie "Sense8" mitspielt. "Das ist das wahre Problem."

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Laut GLAAD, einer Nonprofit-Organisation, die sich für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgenderpersonen einsetzt, kam in keinem der 109 Filme, die 2017 von den sieben größten Hollywoodstudios veröffentlicht wurden, eine Transgenderfigur vor.

Die Dreharbeiten zu "Rub and Tug" haben noch nicht begonnen. Bislang ist unklar, wie es nun mit dem Film weitergeht - so formulierte es ein Sprecher der Produktionsfirma New Regency. Johansson war auch als Produzentin vorgesehen.

Hollywoodproduktionen wird oft vorgeworfen, Rollen und Figuren aus anderen Kulturen durch Whitewashing auf ein weißes Publikum zuzuschneiden. Ein ähnlicher Streit entbrannte zuletzt um den Film "Ghost in the Shell", in dem Johansson mit schwarzer Perücke einen japanischen Cyborg spielte.

ulz/dpa/AFP/AP/Reuters

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