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Kultur

"Solo: A Star Wars Story"

Eine richtig schlechte Idee

Nach turbulenten Dreharbeiten kommt der nächste "Star Wars"-Film in die Kinos. Doch nicht die ausgetauschte Regie war das Problem bei dieser Produktion.

Disney
Von
Mittwoch, 16.05.2018   19:10 Uhr

Ein neuer "Star Wars"-Film ist solange eine schlechte Idee, bis jemand einen guten Film daraus macht. Drei Filme lang hat Disney, der neue Rechteinhaber des lukrativsten Franchise aller Zeiten, die richtigen Leute und die richtigen Stoffe zusammengebracht, um das Unbehagen auszuräumen, dass hier nur zur Erschließung einer neuen Käuferschaft Prequels und Sequels zu den bestehenden zwei Trilogien gedreht werden.

Mit "Solo: A Star Wars Story" endet dieser kleine Lauf - weil ein eigenständiger Film über das Vorleben des legendären Schmugglers, der in Episode IV unverhofft zwischen die Fronten von Rebellion und Imperium gerät, nicht nur eine schlechte, sondern eine richtig schlechte Idee ist.

Video: Trailer zu "Solo: A Star Wars Story"

Foto: Walt Disney Pictures/Lucasfilm

"Solo" beginnt auf dem Schrottplaneten Corellia, auf dem eine despotische Herrscherin namens Lady Proxima Kinder und Jugendliche als Leibeigene hält, die für sie stehlen müssen. In diesen Charles-Dickens-haften Umständen haben Han (Alden Ehrenreich) und Qi'ra (Emilia Clarke) trotzdem ein kleines Glück gefunden: die Liebe zueinander. Als Han eine kleine Menge des überaus wertvollen Treibstoffs Coaxium stiehlt, scheint die Chance gekommen zu sein, gemeinsam aus Corellia zu fliehen.

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"Solo: A Star Wars Story": Smoothe Action

Mit dem Treibstoff als Bestechungsgeld schafft es das junge Paar fast bis zum rettenden Transporter, doch vor der letzten Tür werden sie getrennt: Qi'ra wird von den imperialen Truppen gefasst, während Han fliehen kann. Um Qi'ra zu befreien, plant Han jedoch, sobald wie möglich nach Corellia zurückzukehren. Vorher muss er nur genug Geld und ein Raumschiff zusammenkriegen - und heuert deshalb beim imperialen Militär für die Pilotenausbildung an.


"Solo: A Star Wars Story"
USA 2018
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Jon Kasdan, Lawrence Kasdan
Darsteller: Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Joonas Suotamo, Donald Glover, Thandie Newton
Produktion: Lucasfilm, Walt Disney Pictures, Allison Shearmur Productions
Verleih: Walt Disney Company
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 24. Mai 2018


Han Solo als Teil des Imperiums? Verliebt in jemand anderen als Prinzessin Leia? Es ist die Art von Gedankenspiel, mit der "Solo" die Fans verblüffen und unterhalten will. Im Gegensatz zum ersten "Stand Alone"-Film "Rogue One", der erklärte, wie die Rebellen in Besitz des Bauplans für den Todesstern kamen, hat "Solo" noch nicht mal vorgeblich vor, eine Erzähllücke im großen "Star Wars"-Epos zu füllen.

Man könnte das als eine Chance auf kreatives Freidrehen verstehen - auf ein Spiel, womöglich ein subversives, mit den Motiven und Figuren des Franchise. Dem Vernehmen nach hatten die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Christopher Miller ("The Lego Movie") etwas Ähnliches vor, bis "Star Wars"-Chefproduzentin Kathleen Kennedy sie mitten während der Dreharbeiten absägte und Veteran Ron Howard ("Rush") installierte.

Rauer Charme

Welches Material in dem fertigen Film von Lord und Miller oder Howard stammt, lässt sich nicht entscheiden. Ein überaus dunkles Licht und eine reduzierte Farbgebung, die die verschiedenen Spielorte wahlweise in flächiges Blau, Gelb oder Braun tüncht, geben dem Film zumindest vom Look her eine nahtlose Geschlossenheit. Und bei den vielen Actionszenen, unter anderem mit einem Zug, der ein freihängendes Gleis sowohl von oben als auch unten befährt, brauchte es eh keinen Autorenfilmer, um sie gut zu inszenieren.

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Die Regie ist also nicht das Problem von "Solo" - und auch Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der im Zuge des Regisseur-Austauschs auch noch als Schwachstelle in der Produktion kolportiert wurde, ist es nicht. Nicht so souverän wie in "Hail, Cesar!" oder "Regeln gelten nicht" macht Ehrenreich seine Sache dennoch leidlich gut und überzeugt durch rauen Charme und smoothe Action. Das Problem mit "Solo" ist schlicht die Grundidee: Han Solo ist nicht nur eine Figur, die keine Vorgeschichte braucht, im Gegensatz zu Darth Vader gibt es kein großes Rätsel aus seiner Vergangenheit, das gelöst werden müsste. Han Solo ist sogar eine Figur, bei der zu viel Vorgeschichte schadet.

Zutiefst dröge und fantasieraubend

Der entwaffnende Charme der ersten "Star Wars"-Trilogie bestand darin, dass man in ein vollständig entwickeltes Universum mit seinen eigenen Dynastien, Spezies und Konflikten geworfen wurde. Nicht umsonst begann die Reihe mit ihrem vierten Teil und musste eine laufende Schriftbahn darüber aufklären, was gerade Stand im Kampf zwischen Rebellion und Imperium war.

Sofort war man in dieser Welt unterwegs - und genauso abrupt und selbstverständlich traten die Figuren auf den Plan. Dass Han Solo einen Wookie zum Kumpan hat, sein Raumschiff einen legendären Ruf genießt und er offene Rechnungen mit einem Halunken namens Lando Calrissian hat, musste man so staunend hinnehmen und sich selbst ausmalen, wie sich das alles so ergeben haben könnte.

"Solo", geschrieben von Lawrence Kasdan und seinem Sohn Jonathan, buchstabiert das alles nun aus, erzählt, wie sich Han und Chewbacca getroffen haben, wie Han zum Millennium Falcon gekommen ist und worin sein Beef mit Lando besteht. Hätten sie das alles doch nur im Bereich der Fan Fiction belassen, statt diesen zutiefst drögen, fantasieraubenden Film zu machen. Hoffentlich wird zumindest insofern seinem Titel gerecht, als dass er das einzige Spin-off zu Han Solo bleibt.


"Solo: A Star Wars Story" kommt am 24. Mai in die deutschen Kinos.

insgesamt 85 Beiträge
quantumkosh 16.05.2018
1. Han Solo als Teil des Imperiums...
...ist keinesfalls so verblüffend, immerhin trägt er schon im alten "Extended Universe" die Correlianischen Blutstreifen an seiner Hose, diese werden "üblicherweise" im Militärdienst verliehen.
...ist keinesfalls so verblüffend, immerhin trägt er schon im alten "Extended Universe" die Correlianischen Blutstreifen an seiner Hose, diese werden "üblicherweise" im Militärdienst verliehen.
Atheist_Crusader 16.05.2018
2.
Über die Qualität des Filmes mag man streiten, aber dass man die Idee kritisiert dass Han Solo eine Vorgeschichte haben könnte, ist absolut absurd. Da gibt es jede Menge Star Wars Romane zu dem Thema. Man musste nichts [...]
Über die Qualität des Filmes mag man streiten, aber dass man die Idee kritisiert dass Han Solo eine Vorgeschichte haben könnte, ist absolut absurd. Da gibt es jede Menge Star Wars Romane zu dem Thema. Man musste nichts erfinden, nichts erklären - nur verfilmen. Und was soll eigentlich dieser "Verliebt in jemand anderen als Prinzessin Leia?"-Schwachsinn? Glaubt der Autor wirklich, dass Fans annehmen dass der Mann bis in seine Dreißiger zölibatär gelebt hat? Ruiniert das irgendwie den Charakter wenn er eine romantische/sexuelle Vergangenheit hat? Sind wir hier in einer Liebeskomödie für Erzkonservative, wo die Heldin bis zur Ehe Jungfrau bleiben muss, weil das ja sonst unerwünschte Moralvorstellungen transportieren würde? Dass der Autor nebenbei noch erwähnt, dass ausgerechnet Darth Vader eine Vorgeschichte gebraucht hat, lässt mich wirklich an dessen Filmkompetenz zweifeln. Vaders Vorgeschichte wurde in Episode IV erklärt: ein Jedi der von der dunklen Seite verführt wurde. Als man dann versucht hat diese in den komplett überflüssigen Prequels zu erklären, wurde diese völlig ausreichende Geschichte dann so verdreht, dass absolut alle Beteiligten mit Ausnahme Palpatines als komplett blinde Vollidioten herüberkamen. Schlussendlich hat der Autor noch nicht einmal eine vernünftige und fundierte Bewertung geliefert - er schwadroniert nur darüber warum der Film aus seiner Sicht unnötig gewesen wäre. Da überzeuge ich mich doch lieber selbst von.
metzelkater 16.05.2018
3. Eine der typischen nichtssagenden Filmkritiken
Ich finde es eine sehr gute Idee, die vielen Andeutungen über Han Solos Vergangenheit nach 35 Jahren endlich mal in einem Film zu zeigen. Vor allem in "Das Imperium schlägt zurück" wurden dazu ja viele Andeutungen [...]
Ich finde es eine sehr gute Idee, die vielen Andeutungen über Han Solos Vergangenheit nach 35 Jahren endlich mal in einem Film zu zeigen. Vor allem in "Das Imperium schlägt zurück" wurden dazu ja viele Andeutungen gemacht und mich interessiert es einfach, das mal im Detail erzählt zu sehen. Wie üblich also eine der typischen Filmkritiken, die niemand braucht weil sie nicht einmal ansatzweise versuchen, ein wenig objektiv zu bleiben. Wie sieht es denn mit der Tricktechnik aus? Ist diese gut und stimmig umgesetzt, wirkt das alles physikalisch halbwegs glaubhaft? Ist die Story in sich logisch oder voller Widersprüche? Handeln die Figuren intelligent und logisch? Ist die ganze Story stimmig umgesetzt? Ob der Film was taugt oder nicht, wird man wohl erst sagen können, wenn die Bluray raus ist. Ich gehe zumindest nicht davon aus, das das Kino hier vor Ort den Film auch in 2D zeigen wird. Diese Kritik aber ist definitiv überflüssig. Star Wars ist ein Teil der Nerdkultur, man sollte daher vielleicht auch Nerds darüber schreiben lassen und nicht jemand, der sich ansonsten wohl eher mit Autorenfilmen auskennt.
mentor01 16.05.2018
4. Ahnungslos
"Han Solo als Teil des Imperiums? Verliebt in jemand anderen als Prinzessin Leia? Es ist die Art von Gedankenspiel, mit der "Solo" die Fans verblüffen und unterhalten will. " Mit dieser Aussage überführt [...]
"Han Solo als Teil des Imperiums? Verliebt in jemand anderen als Prinzessin Leia? Es ist die Art von Gedankenspiel, mit der "Solo" die Fans verblüffen und unterhalten will. " Mit dieser Aussage überführt sich die Autorin der Unwissenheit. Es ist keines Falls verblüffend, dass Han Solo Teil des Imperiums ist, da seine abgebrochene Ausbildung zum Imperialen sehr gut dokumentiert ist. Die zweite Frage wirft irgendwie ein komisches Licht auf die Autorin, was soll der leibe Han denn sonst gemacht haben bis zur Episode IV? Hat er kein Recht auf ein eigenständiges Leben? "Han Solo ist sogar eine Figur, bei der zu viel Vorgeschichte schadet." Das ist pure Ansichtssache, es gibt mehr als genügend Leute die gerne wissen wollen wie Han zu diesem Zyniker in Episode IV wurde. " Nicht umsonst begann die Reihe mit ihrem vierten Teil..." Damit offenbart die Autorin wieder Ihre Unwissenheit, dass es sich um den vierten Teil handelt, wurde erst mit Episode V offensichtlich. Im Original Release hieß der Film nur "Star Wars" und wurde erst mit "Das Imperium schlägt zurück" zu "Star Wars - Episode IV - Eine neue Hoffnung". Alles in allem eine recht einfältige Rezension.
peacepiratex 16.05.2018
5. In welchem Universum lebt die Autorin eigentlich?
„Drei Filme lang hat Disney, der neue Rechteinhaber des lukrativsten Franchise aller Zeiten, die richtigen Leute und die richtigen Stoffe zusammengebracht, um das Unbehagen auszuräumen, dass hier nur zur Erschließung einer [...]
„Drei Filme lang hat Disney, der neue Rechteinhaber des lukrativsten Franchise aller Zeiten, die richtigen Leute und die richtigen Stoffe zusammengebracht, um das Unbehagen auszuräumen, dass hier nur zur Erschließung einer neuen Käuferschaft Prequels und Sequels zu den bestehenden zwei Trilogien gedreht werden.“ In der Realität ist das genaue Gegenteil der Fall. In unzähligen Beiträgen auf Fansites und nOch mehr YouTube Seiten lassen sich die Fans und Kinobesucher darüber aus, wie abgrundtief schlecht die aktuellen Disneyfilne sind, wie die alten Charaktäre von Disney vergewaltigt worden sind und wie Kathleen Kennedy mit ihren SJWAnsatz das komplette Franchise kaputt gemacht hat, nur um die Cash Cow zu melken(was wirtschaftlich nachvollziehbar ist) und die Autorin faselt etwas von richtigen Leuten und richtigenStoffen. Schreiben Sie besser über etwas, von dem Sie etwas verstehen oder recherchieren Sie gründlicher. Danke
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