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Kultur

Schwarzer Schwergewichts-Champion

Sylvester Stallone dreht Biopic über Jack Johnson

Sylvester Stallone plant den nächsten Boxfilm. Diesmal soll es um einen Weltmeister aus dem echten Leben gehen: Jack Johnson, der schwarze Kämpfer, den US-Präsident Trump kürzlich rehabilitierte.

Getty Images

Jack Johnson (r.) im Ring

Donnerstag, 31.05.2018   11:36 Uhr

Sylvester Stallone hat nicht vor, den Ring so bald zu verlassen. Gerade erst drehte er "Creed 2" ab, die Fortsetzung seines Spin-offs zur Boxersaga um Rocky Balboa. Jetzt plant er schon den nächsten Boxerfilm. Diesmal allerdings steht eine geschichtlich verbriefte Figur im Mittelpunkt.

Es soll um Jack Johnson gehen, den ersten schwarzen Champion im Schwergewicht. Der Boxer aus Texas wurde 1914 in einer rassistisch motivierten Gerichtsverhandlung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. US-Präsident Trump rehabilitierte ihn am 25. Mai., nachdem Stallone sich dafür eingesetzt hatte.

AP

US-Präsident Donald Trump unter anderem mit Sylvester Stallone

Der 1878 geborene Johnson besiegte 1908 in Sydney den Schwergewichts-Champion Tommy Burns und wurde als erster Schwarzer Weltmeister. Bei dem Kampf brach ihm der unterlegene Burns zwei Rippen, hatte aber nicht den Hauch einer Chance.

Zwei Jahre später verteidigte Johnson seinen Titel gegen James Jeffries, der für den Kampf aus dem Ruhestand zurückkam und von der Presse als "große weiße Hoffnung" hochgespielt worden war. Der Kampf in Nevada fand vor fast ausschließlich weißem Publikum statt. Jeffries musste in Runde 14 aufgeben, bevor Johnson ihn K.o. schlug.

In der Folge kam es zu rassistischen Ausschreitungen, bei denen 20 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. Das weiße Establishment rächte sich auch an Johnson selbst: 1914 wurde er verurteilt, weil er mit der Weißen Lucile Cameron liiert war. Den Vorwand gab der sogenannte Mann Act, der es verbietet, Frauen über die Grenzen von Bundesstaaten hinweg zu befördern und eigentlich Prostitution verhindern sollte.

Flucht nach Europa

Obwohl das Gesetz ausdrücklich nicht auf die Beziehung zweier Privatpersonen angewendet werden durfte, verurteilte ihn eine ausschließlich mit Weißen besetzte Jury zu einem Jahr Gefängnis. Johnson floh nach Europa, kehrte aber 1920 in die USA zurück und trat seine Strafe an. Seine Karriere war zerstört. Johnson starb 1946 bei einem Autounfall.

Wer die Hauptrolle bei der Verfilmung seines Lebens übernimmt, ist noch nicht bekannt. Auch nicht, ob Sylvester Stallone selbst Regie führen wird. Der Film wird das erste Projekt seiner neu gegründeten Produktionsfirma Balboa Productions, mit der Stallone Kino- und Fernsehfilme realisieren will.

kae

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