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Kultur

Österreichischer Pistolenhersteller

"Glock Glock Glock - all get shot"

Die Glock gilt weltweit als die Pistole. Doch über das gleichnamige österreichische Rüstungsunternehmen, heute ein Milliardenkonzern, ist nur wenig bekannt. Ein Dokumentarfilm ändert das jetzt.

Foto: Friedrich Ofner Filmproduktion
Von , Wien
Donnerstag, 30.11.2017   15:02 Uhr

Die Glock ist eine Pistole. Weltweit wird sie von Sicherheitskräften geschätzt und von Waffennarren, aber auch von Gangmitgliedern und Terroristen kultisch verehrt. Sie ist ein österreichisches Produkt, aber in Österreich weiß die Öffentlichkeit sehr wenig darüber. Deshalb haben sich die beiden Filmemacher Fritz Ofner und Eva Hausberger vor fünf Jahren auf den Weg gemacht, mehr über das Unternehmen Glock herauszufinden.

Herausgekommen ist dabei der Dokumentarfilm "Weapon of Choice", "Waffe der Wahl", den sie an diesem Donnerstag in Wien vorstellen. Er dürfte einiges an Aufsehen erregen, allein schon, weil die Firma Glock jegliche Öffentlichkeit scheut. Eine Öffentlichkeitsabteilung hat der Pistolenhersteller nicht, die Pressearbeit übernehmen gleich die Anwälte. Das Unternehmen weigerte sich, mit den Machern des Films zu sprechen. Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und sprachen nicht vor der Kamera, Firmenpatriarch Gaston Glock lehnte ein Interview ab. Im Gegenteil, das Unternehmen droht Ofner und Hausberger mit einer Klage: Die Glock-Manager wollten den Film vorher sehen und verlangten sogar eine Liste mit den Namen aller am Film Beteiligten.

Die Dokumentarfilmer haben sich nicht einschüchtern lassen. Sie reisten an die Orte, an denen die Waffe ihre Wirkung zeigt, in die USA, in den Irak, dorthin, wo Menschen mit Hilfe einer Glock getötet werden. Entstanden ist ein gründlich recherchierter, kritischer, unaufgeregter Film, der den bemerkenswerten Aufstieg einer Firma nachzeichnet: vom Hersteller von Gardinenstangen, Spaten und Messern in Deutsch-Wagram, vor den Toren Wiens, zu einem der größten Pistolenhersteller der Welt.

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"Weapon of Choice": Von der Gardinenstange zur Pistole

Der Ingenieur Gaston Glock, Jahrgang 1929, fühlte sich Anfang der Achtzigerjahre durch eine Ausschreibung des österreichischen Bundesheers für neue Pistolen ermutigt, eine entsprechende Waffe zu konstruieren. Ohne große Kenntnisse von Pistolen machte er sich an die Entwicklung - und entwarf eine Waffe, die als Revolution in die Geschichte einging: robust, schlicht, einfach zu zerlegen, zuverlässig, nie Ladehemmungen, dabei größtenteils aus Kunststoff und daher relativ leicht und preiswert. "Man könnte sagen, die Glock ist das iPhone unter den Pistolen", sagt Ofner. Experten sprachen damals von der "Superpistole aus Österreich".

Glock wurde durch den Deal mit dem österreichischen Militär zu einem der reichsten Männer des Landes. Aber den weltweiten Durchbruch und den Aufstieg vom Familienbetrieb zur Weltmarke verdankt Glock den USA. Dort überzeugte Glock Mitte der Achtziger die Sicherheitsbehörden, auf Pistolen der Firma zu setzen. Später kamen auch Gangster auf Glock.

Glock bot der Polizei daraufhin Waffen mit größerem Kaliber an - und die Kriminellen zogen nach. Es sei, heißt es in dem Film, ein "tödlicher Kreislauf". Und in Wahrheit habe Glock von vornherein nicht auf die Polizeibehörden, sondern auf den viel größeren, lukrativeren Privatmarkt gesetzt.

Die Marke fand Eingang in die Rap- und Hip-Hop-Kultur und ist dort seit bald drei Jahrzenten verankert. Das liege auch daran, dass Glock sich so gut reime, wie der Waffenexperte und Autor Christian Pearce sagt. In einem Song heißt es: "Glock Glock Glock, all get shot". Ein ehemaliger Drogendealer meint, die Pistole sei "die Waffe der Wahl".

Versuchter Mord an Gaston Glock

Zu Wort kommt auch eine Schießtrainerin, die ganz normalen Leuten den Umgang mit der Schusswaffe beibringt. Auf ihrem Handy ist eine Glock vor der Verfassung der USA zu sehen. Die garantiere Rede- und Religionsfreiheit - und eben das Recht, eine Waffe zu tragen. "Das schützt uns vor Tyrannei", sagt sie.

Die Filmemacher schneiden am Beispiel Chicago dagegen, wie viele Opfer diese Waffenkultur fordert. Sie beobachten eine Familie, die einen versehentlich erschossenen Siebenjährigen betrauert. Ihm, Amari Brown, ist der Film gewidmet. Sie sprechen mit dem Soldaten, der Saddam Hussein im Irak in seinem Erdlochversteck gefangen nahm - Hussein hatte eine Glock dabei, die US-Präsident George W. Bush überreicht wurde und die heute in einem Museum ausgestellt ist.

Und sie sprechen mit Paul Jannuzzo, dem ehemaligen USA-Chef von Glock, der die Marke dort groß machte, später wegen Unterschlagung verurteilt wurde, Jahre im Gefängnis verbrachte und sich als Opfer einer Verschwörung von Glock sieht.

Ebenso schildern sie den versuchten Mord an Gaston Glock - verurteilt wurde ein ehemaliger Mitarbeiter und Wegbegleiter, der für das weitläufige Finanznetzwerk des Unternehmens zuständig war. Er wurde anhand von Indizien verurteilt und sitzt seit nunmehr 13 Jahren in Haft.

Hilfe von Jörg Haider

Einerseits spendet Glock den Filmemachern zufolge "für behinderte Kinder, syrische Flüchtlinge, arme Kärntner und Tiere". Andererseits steht jener ehemalige Mitarbeiter, der für den Mordversuch an Glock verurteilt wurde, im Verdacht der Steuerhinterziehung. Ein Steuerverfahren, bei dem es um viele Millionen Euro ging, "verebbte", wie es in der Dokumentation heißt. Der damalige FPÖ-Politiker Jörg Haider ergriff damals öffentlich Partei für Glock.

Der Film beschreibt auch, wie Glock nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 Pistolen an die Polizei im Irak verkaufen wollte, was eine hitzige Debatte in Österreich auslöste - durfte ein neutrales Land Waffen in ein Kriegsgebiet liefern? Glock drohte damit, die Produktion aus Österreich abzuziehen - der Waffenexport wurde dann doch von der Regierung in Wien genehmigt. Oder wie ein Terrorist des "Islamischen Staats" seine Glock zerlegt, wieder zusammensetzt, damit in den Himmel schießt und so um dschihadistischen Nachwuchs wirbt. Beamte und Bösewichte schätzen diese Pistole gleichermaßen.

In Österreich weiß man von alldem wenig. Vielleicht will man das alles auch nicht so genau wissen. Denn am Ende ist es ein Geschäft mit dem Tod. Und dann steht die Frage im Raum, welche Mitverantwortung Glock, seine Mitarbeiter und letztlich Österreich tragen. Die Antwort darauf scheut man offensichtlich. Der Film "Weapon of Choice" zwingt dazu, wenigstens mal darüber nachzudenken.


"Weapon of Choice" eröffnet das Filmfestival This Human World am 30.11.2017 in Wien.

insgesamt 26 Beiträge
pizzerino 30.11.2017
1. sorry, nichts neues.....
ich glaube kaum, dass der Artikel besonderes offenbart. Das meiste scheint mir mit anderen Waffenmarken beliebig austauschbar.
ich glaube kaum, dass der Artikel besonderes offenbart. Das meiste scheint mir mit anderen Waffenmarken beliebig austauschbar.
huger56 30.11.2017
2. Welchen Zweck hat der Film?
Weshalb ein Film über ein Produkt eines bestimmten Waffenherstellers? "Die Glock" ist zwar tatsächlich sehr bekannt, aber nur eine von vielen beliebten Waffen. Soll der Film den Umgang mit Waffen kritisch beleuchten? [...]
Weshalb ein Film über ein Produkt eines bestimmten Waffenherstellers? "Die Glock" ist zwar tatsächlich sehr bekannt, aber nur eine von vielen beliebten Waffen. Soll der Film den Umgang mit Waffen kritisch beleuchten? Dann sollte er nicht ein einzelnes Produkt betreffen. Und er sollte es schon gar nicht als "DIE" Waffe bezeichnen, die billig und zuverlässig ist und keine Ladehemmungen hat (was ohnehin nicht stimmt) und damit eigentlich noch mehr Marketing-Argumente liefern und faktisch noch gratis Werbung dafür machen. Es wird ohnehin zwei Gruppen geben: Die einen sehen ihn aufgrund ihrer negativen, die anderen aufgrund ihrer positiven Einstellung zu Waffen, die einen als Abschreckung, die anderen als Informationsmaterial über den Hersteller, die Geschichte, etc.
dani216 30.11.2017
3. Na ja, der Artikel ist schon ein wenig plakativ.
Letztendlich stimmt die so oft genannte amerikanische Aussage, dass Menschen Menschen töten und nicht die Waffe, weil eben sie abdrücken. Der Hersteller Glock ist in dieser Hinsicht daher auch beliebig austauschbar mit Heckler [...]
Letztendlich stimmt die so oft genannte amerikanische Aussage, dass Menschen Menschen töten und nicht die Waffe, weil eben sie abdrücken. Der Hersteller Glock ist in dieser Hinsicht daher auch beliebig austauschbar mit Heckler & Koch, Walther, Smith & Wesson, Colt, Winchester, Sig Sauer und wie sie nicht alle heißen. Für denjenigen, der erschossen wurde, wird der Hersteller der verwendeten Waffe keinen Unterschied machen.
Sozialist76 30.11.2017
4. Vielen Dank für diese Dokumentation!
Von allen Großkonzernen, sind die Rüstungs- und Waffenschmieden die schlimmsten. Kommen ihre "Produkte" zum Einsatz, sterben Menschen unnatürlich und verfrüht. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dabei ist [...]
Von allen Großkonzernen, sind die Rüstungs- und Waffenschmieden die schlimmsten. Kommen ihre "Produkte" zum Einsatz, sterben Menschen unnatürlich und verfrüht. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dabei ist die Marktmacht, auch im Weltmarkt, enorm. Steuerhinterziehung ist beim Großkapital ja ohnehin eher die Regel, als die Ausnahme.
vox veritas 30.11.2017
5. Das Geschäft mit dem Tod
Man sollte mal vergleichen, wie viele Menschen jährlich durch eine Glock getötet werden und wie viele durch Abtreibungen ums Leben kommen. Das Eine ist anscheinend ein Skandal und moralisch anrüchig und das Andere legitim und [...]
Man sollte mal vergleichen, wie viele Menschen jährlich durch eine Glock getötet werden und wie viele durch Abtreibungen ums Leben kommen. Das Eine ist anscheinend ein Skandal und moralisch anrüchig und das Andere legitim und in Ordnung!?

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