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Kultur

SPIEGEL-Gespräch

"Mit der Sorge kommt die Blindheit"

Die Publizistin Carolin Emcke bekommt den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ihr humanistisches Programm: gegen den Hass. Aber wie?

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Carolin Emcke

Ein SPIEGEL-Gespräch von Romain Leick
Freitag, 14.10.2016   18:01 Uhr

Zur Person

Carolin Emcke, 49, studierte Philosophie, Politik und Geschichte in Frankfurt, London und an der Harvard-Universität. Von 1998 bis 2006 berichtete sie für den SPIEGEL aus Krisen- und Kriegsregionen, danach bis 2014 für die "Zeit". Seitdem ist sie als freie Publizistin tätig und engagiert sich gegen Gewalt und für den gesellschaftlichen Dialog. In ihrem 2012 erschienenen autobiografischen Buch "Wie wir begehren" beschrieb sie die Entdeckung ihrer Homosexualität und die Folgen ihres Outings. Ihr neues Buch "Gegen den Hass" (S. Fischer; 240 Seiten; 20 Euro) ist eine Anleitung zur Mobilisierung gegen den Fanatismus und ein Plädoyer für die Freiheit des Individuellen. Am 23. Oktober erhält sie in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

SPIEGEL: Frau Emcke, etwas hat sich verändert in Deutschland: Es wird offen und hemmungslos gehasst. Wie ist das möglich? Hatten wir nicht den kollektiven Hass in die Geschichtsbücher verbannt und die individuelle Bosheit an die Psychologen überwiesen?

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Heft 42/2016
Der Terrorist
Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Emcke: Vielleicht waren wir etwas zu naiv. Ich jedenfalls hätte es in meiner Lebzeit nicht für möglich gehalten, dass jemals wieder öffentlich so entgrenzt gehasst werden könnte. Ich bin durch das Nachdenken über die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Schoah sozialisiert worden. Diese Reflexion prägt mein Verständnis von der Selbstverortung einer Gesellschaft, in der Menschen niemals wieder aufgrund ihrer zugeschriebenen oder selbst gewählten Zugehörigkeit, der Art, wie sie aussehen, glauben, denken oder lieben, ausgegrenzt werden dürfen.

SPIEGEL: Die Geschichtslektionen enthielten immer auch eine Warnung. Gibt es Hass als solchen, ist er Bestandteil des menschlichen Denkens und Handelns? Oder bricht er nur als Ergebnis äußerer Faktoren wie Unglück und Frustration aus?

Emcke: Ich halte nichts davon, den Hass als eine anthropologische Konstante zu beschreiben. Als müsse es Hass geben wie ein Naturgesetz. Als sei Hass authentischer als Achtung. Es hat in der Bundesrepublik immer einen stabilen Pegel von Ressentiments gegeben, ein Sediment von Rassismus und von Antisemitismus auch. Aber lange glaubten wir diese Menschenverachtung doch eingehegt durch einen moralischen Firnis, ein Tabu, eine soziale Konvention, eine Scham, die sie eher an die gesellschaftlichen Ränder drängte. Jetzt beobachten wir: Die Hemmungen fallen - und zwar auch in der Mitte.

SPIEGEL: Und das Erschrecken ist groß. Aber vor der Empörung der Mehrheit weicht der Hass nicht zurück.

Emcke: Empörung allein ist da so nutzlos wie reflexhafte Aggression in die andere Richtung. Mir liegt es nicht, Menschen zu dämonisieren. Es ist wichtig, aus diesem Zirkel der Verachtung herauszutreten. Sich nicht anstecken zu lassen. In meinem Buch versuche ich deswegen, den Hass zu analysieren und zu zeigen, wie er entsteht und operiert. Hass ist nicht einfach da. Er wird geformt. Er braucht Vorlagen, Raster der Wahrnehmung, in denen der Hass sich seine Opfer zurechtlegt. Wenn Sie sich die Szene von Clausnitz noch einmal vorstellen - da steht eine Gruppe vor einem Bus, durch die Windschutzscheibe sieht man zwei verängstigte Frauen und ein weinendes Kind. Und doch sehen die Demonstranten das nicht. Sie sehen weder die Angst noch die Menschen. Wie geht das? Mich interessieren diese Mechanismen, die bestimmte Menschen unsichtbar machen, die es ermöglichen, dass manche Menschen als "abartig", "gefährlich", "kriminell", "krank", als monströse andere gesehen oder schlicht übersehen werden.

SPIEGEL: Individueller Hass kann spontan und zufällig ausbrechen. Kollektiver Hass dagegen ist gezüchtet?

Emcke: Genau. Der Hass ist nicht einfach nur ein persönliches Gefühl, sondern er wird vorbereitet durch Filme, Bilder, Texte, Begriffe, die wieder und wieder zitiert werden, bis sie bestimmte Menschen oder Gruppen nur noch als etwas Gefährliches oder Krankes oder Böses vorstellbar machen. Die ideologischen Vorlagen werden nicht von denen geprägt, die da auf der Straße agieren. Die Schreihälse, die ihre Hassparolen brüllen, sind in gewisser Weise Marionetten, die an den Strippen eines Diskurses hängen, der woanders geführt wird - in Reden, Talkshows, Publikationen, in den sozialen Medien. Dort sitzen die Zulieferer des Hasses.

SPIEGEL: Ursache und Gegenstand des Hasses sind nicht unbedingt kausal miteinander verbunden?

Emcke: Sie fallen jedenfalls nicht immer zusammen. Manchmal scheint mir, dass der Hass auf Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ironischerweise mit einer inneren Heimatlosigkeit zu tun hat. Dieser völkische Nationalismus sucht sich ein Objekt für seinen Zorn - und leidet doch offensichtlich an der eigenen Instabilität.

SPIEGEL: Empfindet der Hassende sich als Opfer?

Emcke: Na ja. Das ist natürlich die erzählerische Strategie, die menschenverachtendes Verhalten legitimieren soll. Natürlich gibt es eine Vielzahl an politischen oder sozialen Missständen. Aber das sind nicht die Sorgen, die sich zurzeit in populistischen Bewegungen artikulieren.

SPIEGEL: Verlustängste und soziale Verunsicherung führen zu Radikalisierung. Wer das Gefühl hat, ein Opfer zu sein von Umständen, die sich seiner Macht entziehen, der möchte diejenigen benennen und haftbar machen, die ihn in seinen Augen zum Opfer gemacht haben. Migranten als sichtbare Fremde erfüllen diese Rolle bestens, denn sie haben ein erkennbares Gesicht. Sind sie die Strohpuppen, die man verbrennt?

Emcke: Viele Menschen leben in prekären Verhältnissen. Viele Menschen arbeiten und müssen sich trotzdem um ihre Altersversorgung Sorgen machen. Sie haben Anlass, sich unterrepräsentiert zu fühlen oder Angst zu haben - und doch kämen sie nie auf die Idee, eine Geflüchtete aus Eritrea oder Afghanistan dafür verantwortlich zu machen. Der Hass, den wir zurzeit erleben, beantwortet ja nicht die sozialen oder politischen Sorgen, die es real geben kann. Er operiert als Ablenkung, als Projektion, als kurzfristiges Machtgefühl - und beschädigt und versehrt doch alle.

SPIEGEL: Gewiss, aber setzt diese Art der enttarnenden Aufklärung nicht voraus, die Ängste ernst zu nehmen, statt nur immer wieder ihre zerstörerischen Ausdrucksformen moralisch zu verurteilen?

Emcke: Ich muss schon auch fragen, wessen Ängste mir zurzeit berechtigter erscheinen. Wenn Jüdinnen und Juden, Migrantinnen und Migranten, Schwule, Lesben und Transpersonen fürchten müssen, auf der Straße angegriffen zu werden, wenn Politikerinnen und Politiker bedroht und verletzt werden, wenn Geflüchtete in ihren Unterkünften Polizeischutz brauchen, dann gilt zunächst einmal mein Nachdenken und meine Sorge diesem Klima des Fanatismus. Trotzdem weiß ich auch, wonach Sie fragen: Es stimmt, dass viele Menschen unter einem Gefühl von Überforderung leiden und unter der Angst vor dem Absturz. Sie sind verloren und einsam in einer Welt, die sie nicht mehr ganz verstehen. Die Globalisierung, viel mehr noch die Finanzkrise von 2008 haben viele Gewissheiten zertrümmert. Die Nachwehen dieser Haltlosigkeit erleben wir nun mit.

SPIEGEL: Erzeugt extreme Individualisierung das übersteigerte Bedürfnis nach einer nationalen Solidargemeinschaft?

Emcke: Es gibt unterschiedliche Gefühle, die in gewisser Hinsicht die Wirklichkeit ausblenden: die Liebe, die Hoffnung und auch die Sorge. Im zweiten Teil von Goethes Faust besucht die Figur der Sorge den alternden Faust. Er will sie abwehren, denn er weiß, dass sie ihm alles verdüstert. Die Sorge kriecht zu ihm ins Zimmer, und als er sie sieht, erblindet Faust. Das ist ein berührendes Bild. Mit der Sorge kommt die Blindheit. Die Welt um einen herum verschwindet. Es regieren nur noch die inneren Dämonen. Die Sorge funktioniert wie ein rhetorischer Schutzschild, sie ummantelt den Rassismus. Wenn als Sorge ausgegeben wird, was gleichwohl menschenfeindliche und -verachtende Affekte birgt, verschieben sich die Schwellen des Akzeptablen.

SPIEGEL: Jedenfalls scheint der Rassismus besonders gut zu gedeihen, wenn die sozialen Grundlagen gesellschaftlicher Solidarität untergraben werden. Das Grundgesetz garantiert die Unantastbarkeit der Menschenwürde aber nicht nur für ethnische Deutsche.

Emcke: Menschenrechte gelten universal, aber sie bedürfen immer einer Institution oder eines Staates, der sie auch tatsächlich garantiert und umsetzt. Auf dieses Paradox der Menschenrechte hat schon Hannah Arendt hingewiesen, die jahrelang selbst staatenlos war: Mit dem Verlust der Staatsbürgerschaft steht für die Einzelnen keine Instanz für die Menschenrechte mehr ein. Entscheidend ist also nicht nur die Frage: Welche Menschen werden aufgenommen, sondern, wie werden sie angenommen, wenn sie einmal da sind?

SPIEGEL: Der Flüchtling erinnert durch seine Anwesenheit die Ansässigen daran, wie verletzlich ihre eigene vertraute Sicherheit sein kann.

Emcke: Ja, aber das kann auch zu unterschiedlichen Reaktionen führen. Die Verwundbarkeit als condition humaine anzuerkennen, als etwas, das uns alle als Menschen ausmacht, kann ja auch zu Respekt und zu Hilfsbereitschaft führen. Die zahllosen Menschen, die sich im letzten Jahr engagierten, die haben gezeigt, dass sie verstehen, wie leicht eine Heimat zerstört werden kann, dass sie verstehen, was jemand da verliert: nicht nur das eigene Haus, sondern eben auch den Zitronenbaum davor, nicht nur den vertrauten Fluss, sondern auch das Geräusch, das er macht, nicht nur die Gemeinschaft, in der man aufgewachsen ist, sondern auch die Sprache, in der es sich miteinander verständigen lässt. Das Berührende an diesem privaten Engagement war doch, was es als selbstverständlich voraussetzte: eine gemeinsame Menschlichkeit. Der Hass will nichts Gemeinsames erkennen.

SPIEGEL: Der Hass bedroht die Gesellschaft als Ganzes, denn er will vernichten, nicht überzeugen. Argumente und Ideen spielen keine große Rolle.

Emcke: Die Aggressivität und Missachtung betreffen nicht nur diejenigen, auf die Brandanschläge verübt werden, vor deren Moscheen oder Synagogen Schweinsköpfe abgelegt werden. Sie betreffen nicht nur Homosexuelle oder Transpersonen, die sich fürchten müssen, auf der Straße angegriffen zu werden. Alle, die in einer liberalen, zivilen Gesellschaft leben wollen, sind betroffen. Es darf nicht sein, dass es allein Jüdinnen und Juden überlassen wird, sich gegen Antisemitismus zu wehren, es darf nicht sein, dass es allein Muslimen aufgetragen wird, sich gegen Islamfeindlichkeit zu verteidigen, es darf nicht sein, dass nur queere Menschen sich gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transpersonen wenden. So selbstverständlich es für mich ist, mich dafür einzusetzen, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Kopfbedeckung oder ihrer Hautfarbe ausgegrenzt werden, so sehr hoffe ich, dass es anderen genauso selbstverständlich ist, sich dafür einzusetzen, dass Menschen, die so lieben wie ich, dieselben Rechte erhalten.

SPIEGEL: Was man den Aufstand der Anständigen nennt, findet ja durchaus statt. Aber jeder Versuch, den Hass zu verunglimpfen, befeuert ihn. Wie stellt man sich einer derart hermetischen Leidenschaft entgegen?

Emcke: Jedenfalls nicht, indem man Hass und Gewalt mit Hass und Gewalt begegnet. Ich sehe nicht ein, warum ich mich intellektuell und emotional verstümmeln lassen sollte durch diesen Hass. Ich denke, es braucht Einspruch, Widerspruch, aber einen, der all das mobilisiert, was den Fanatikern der "Reinheit", den Dogmatikern des Homogenen und angeblich Ursprünglichen abgeht: nämlich die nicht nachlassende Bereitschaft zu differenzieren und das, was Hannah Arendt einmal "lachenden Mut" nannte. Eine gewisse heitere, mutige Freude daran, auch mal Ambivalenzen auszuhalten, Selbstzweifel zuzulassen, auch ein Zutrauen in die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln.

SPIEGEL: Kann man dem Fanatismus der Straße den Rigorismus der Aufklärung entgegensetzen?

Emcke: Ich plädiere für keinen Rigorismus der Aufklärung. Im Gegenteil. Es geht darum, dieser eng geführten Weltsicht der Fanatiker, diesen Rastern des Hasses, die bestimmte Menschen nur noch in Kollektiven, nur noch als monströse oder "unreine" andere wahrnehmen, etwas entgegenzusetzen. Es müssen wieder die Vorstellungsräume erweitert, die Bilder vervielfältigt, die Perspektiven geöffnet werden.

SPIEGEL: Niemand darf abseitsstehen, weil jeder betroffen ist? Toleranz darf nicht zur Gleichgültigkeit verkümmern?

Emcke: Als Homosexuelle und als Publizistin gehöre ich selbst zu zwei Gruppen, die zurzeit besonders verhasst sind. Das ist so mittelgünstig. Nun bin ich weiß und nichtmuslimisch und besitze einen deutschen Pass - insofern ergeht es mir noch besser als vielen anderen. Der Hass richtet sich bei Personen wie mir auf etwas, das wir tun: wie wir lieben und schreiben. Das ist ja fast schon ein Privileg. Als Publizistin ist mir immerhin gegeben, die Erfahrung der Missachtung zu beschreiben, der eigenen Trauer und auch der Melancholie, die viele Ausgegrenzte empfinden, eine Sprache zu geben. Aber die Trauer bleibt trotzdem da. Es braucht andere, die zeigen und sagen: Das, was hier geschieht, ist nicht recht. Sonst werden die sozialen und politischen Räume immer enger.

SPIEGEL: Was hat die offene Gesellschaft an Abwehrkräften aufzubieten? Reicht das humanistische Vertrauen in die Macht der Vernunft, in die Kultur des Dialogs wirklich aus?

Emcke: Sie klingen so pessimistisch. Wir dürfen uns als Gesellschaft doch nicht zurückziehen, nur weil wir die Aggressiven auf der Straße nicht erreichen. Für die gewaltbereiten Fanatiker sind die Polizei und die Staatsanwaltschaften zuständig. Aber für all die kleinen, schäbigen Gesten und Gewohnheiten des Ausgrenzens sind alle zuständig. Es würde auch schon helfen, wenn manche Parteien sich nicht darin überbieten würden, einer politisch radikalen Minderheit die Arbeit abzunehmen. Durch Anbiederung verschwindet Populismus nicht.

SPIEGEL: Wenn die liberale Gesellschaft sich verteidigen will, kann sie das letztlich nur, indem sie liberal, offen und säkular bleibt, ein gelebtes Zeugnis für ihre Werte abgibt?

Emcke: Mir würde es ja schon reichen, wenn von Rechten und nicht von Werten gesprochen würde. Es wird darauf ankommen, kulturelle, religiöse und sexuelle Vielfalt in der Gesellschaft nicht nur zu dulden, sondern zu feiern.

SPIEGEL: Sie beschließen Ihr Buch mit einem ironisch-provokanten "Lob des Unreinen", einem Plädoyer gegen den Wahn des Homogenen und Identitären.

Emcke: Das ist keineswegs provokant, sondern leidenschaftlich und ernst gemeint. Reinheit ist der Fetisch der Fanatiker. Darin ähneln sich die radikalen Islamisten und die völkischen Nationalisten. Ich plädiere dagegen für eine liberale, offene Gesellschaft, die das Unreine, also die Pluralität, feiert. Pluralität in einer Gesellschaft bedeutet nicht den Verlust der individuellen Freiheit, sondern sie garantiert sie erst. Nur in der Vielfalt kann sich der oder die Einzelne mit all seinen Eigenschaften und Bedürfnissen, all seinen Bezügen und Überzeugungen entfalten. Mich persönlich beruhigt es, als Spaziergängerin in Berlin die gelebte Vielfalt im öffentlichen Raum der Großstadt zu sehen. Ich fühle mich weniger verletzbar, wenn ich spüre, dass die Gesellschaft, in der ich lebe, verschiedene religiöse oder politische Überzeugungen, verschiedene Lebensentwürfe und Ausdrucksformen zulässt und aushält - auch solche, die mir persönlich fernliegen. Nicht die Vielfalt, die Gleichheit macht mir Angst.

SPIEGEL: Frau Emcke, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Mehr zu Carolin Emcke finden Sie auf Ihrer Homepage.

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Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 42/2016
Der Terrorist
Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Das Gespräch führte Romain Leick

insgesamt 5 Beiträge
horstu 23.10.2016
1. Was ist Hass, was ist kein Hass?
Was ist eigentlich Hass? Alle reden über Hass, doch niemand will darüber reden, was dies eigentlich ist. So wird Hass zur leeren Projektionsfläche, zum Sammelbegriff. Wenn alles Hass ist, wird die Frage zunehmend wichtiger, was [...]
Was ist eigentlich Hass? Alle reden über Hass, doch niemand will darüber reden, was dies eigentlich ist. So wird Hass zur leeren Projektionsfläche, zum Sammelbegriff. Wenn alles Hass ist, wird die Frage zunehmend wichtiger, was eigentlich kein Hass ist. Anders gefragt: Ist es Hass, gegen Freihandelsabkommen zu sein? Ist es Hass, gegen Merkel zu stimmen? Ist es Hass, für Einhaltung von Art. 16a Abs. 2 GG zu bestehen? Ist das Eintreten für Meinungspluralität Hass? Sind also Kernelemente der Demokratie "Hass"? Meine Vermutung: "Hass" verkommt zum Regenschirmbegriff, der je nach Belieben gefüllt und instrumentalisiert werden kann.
bayernohnecsu 23.10.2016
2. Danke, Frau Emcke!
Ihre scharfe Analyse und Ihre immer offene und wertschätzende Beobachtung auch der absonderlichsten Menschen sind ein echter Lichtblick in unserer marktschreierischen Zeit. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, den ein oder anderen [...]
Ihre scharfe Analyse und Ihre immer offene und wertschätzende Beobachtung auch der absonderlichsten Menschen sind ein echter Lichtblick in unserer marktschreierischen Zeit. Vielleicht gelingt es Ihnen ja, den ein oder anderen noch umzustimmen und wie Sie für eine offene und demokratische Gesellschaft einzutreten, die von Wertschätzung geprägt ist und nicht von Angst.
io_gbg 23.10.2016
3.
Wer sagt denn, dass alles Hass sei? "Anders gefragt: Ist es Hass, gegen Freihandelsabkommen zu sein? Ist es Hass, gegen Merkel zu stimmen? Ist es Hass, für Einhaltung von Art. 16a Abs. 2 GG zu bestehen? Ist das [...]
Zitat von horstuWas ist eigentlich Hass? Alle reden über Hass, doch niemand will darüber reden, was dies eigentlich ist. So wird Hass zur leeren Projektionsfläche, zum Sammelbegriff. Wenn alles Hass ist, wird die Frage zunehmend wichtiger, was eigentlich kein Hass ist. Anders gefragt: Ist es Hass, gegen Freihandelsabkommen zu sein? Ist es Hass, gegen Merkel zu stimmen? Ist es Hass, für Einhaltung von Art. 16a Abs. 2 GG zu bestehen? Ist das Eintreten für Meinungspluralität Hass? Sind also Kernelemente der Demokratie "Hass"? Meine Vermutung: "Hass" verkommt zum Regenschirmbegriff, der je nach Belieben gefüllt und instrumentalisiert werden kann.
Wer sagt denn, dass alles Hass sei? "Anders gefragt: Ist es Hass, gegen Freihandelsabkommen zu sein? Ist es Hass, gegen Merkel zu stimmen? Ist es Hass, für Einhaltung von Art. 16a Abs. 2 GG zu bestehen? Ist das Eintreten für Meinungspluralität Hass? Sind also Kernelemente der Demokratie "Hass"? Nein, das ist alles kein Hass. Und das wissen Sie ja auch. Wozu also die falschen Fragen? "Meine Vermutung: "Hass" verkommt zum Regenschirmbegriff, der je nach Belieben gefüllt und instrumentalisiert werden kann." Ihre Vermutung ist falsch.
swerd 23.10.2016
4. Hass
und Wut gehoeren fuer mich als Gegenteil zu Liebe und Zuneigung zum Menschsein. Nur seltsam, dass man letztere fast unkritisiert ausdruecken darf und Hass und Wut tunlichst nicht. P.S. Die Abneigung gegen Homosexualitaet und [...]
und Wut gehoeren fuer mich als Gegenteil zu Liebe und Zuneigung zum Menschsein. Nur seltsam, dass man letztere fast unkritisiert ausdruecken darf und Hass und Wut tunlichst nicht. P.S. Die Abneigung gegen Homosexualitaet und Fremdenhass in Verbindung zu bringen, halte ich zumindest fuer gewagt.
GinaBe 24.10.2016
5. Gratulation und Dankeschön!
Wohltuend, wenn Frauen wie Sie geehrt werden für Ihr Engagement! Der begriff: hass jedoch gefällt mir nicht, ihn für einige Formen von Abwehr zu benutzen. Ist nicht das soziale Klima AUCH Resultat der radikal [...]
Wohltuend, wenn Frauen wie Sie geehrt werden für Ihr Engagement! Der begriff: hass jedoch gefällt mir nicht, ihn für einige Formen von Abwehr zu benutzen. Ist nicht das soziale Klima AUCH Resultat der radikal leistungsbezogenen Politelite, die Forderungen der Wirtschaft nach jüngeren Studienabsolventen und billigeren Arbeitskräften immer mehr nachgibt und in die Gesellschaft projiziert? Das Individuum ist überfordert, womit ich keines verteidigen möchte, welches sich aggressiv gegen ärmere und schwächere wendet und diese verantwortlich macht für möglicherweise die eigene Position in der großen Gemeinschaft, die sich Familie, Staat, EU und Welt nennt. Es bleibt zu hoffen, daß weniger Intellektuelle und überhaupt Menschen bereit sind, mit den Wölfen zu heulen...

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