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Kultur

Buchpreis-Shortlist

Debütantin Sasha Salzmann unter den letzten Sechs

Die Jury hat entschieden: Zwei Frauen und vier Männer stehen mit ihren Romanen auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2017. Unter ihnen Robert Menasse, Thomas Lehr, aber nicht Sven Regener.

DPA
Von
Dienstag, 12.09.2017   12:42 Uhr

Sechs Autorinnen und Autoren können sich noch Hoffnung machen auf den Deutschen Buchpreis 2017. Die Jury gab am Dienstagmorgen bekannt, welche Titel sie aus einer im August veröffentlichten Longlist von 20 Büchern für die Literaturauszeichnung ausgewählt hat.

Die sechs Romane, die für 2017 noch Chancen

haben, sind (in alphabetischer Reihenfolge) :

· Gerhard Falkner: "Romeo oder Julia" (Berlin Verlag, September 2017, 272 Seiten, 22 Euro)

· Franzobel: "Das Floß der Medusa" (Paul Zsolnay, Januar 2017, 592 Seiten, 26 Euro)

· Thomas Lehr: "Schlafende Sonne" (Carl Hanser, August 2017, 640 Seiten, 28 Euro)

· Robert Menasse: "Die Hauptstadt" (Suhrkamp, September 2017, 459 Seiten, 24 Euro)

· Marion Poschmann: "Die Kieferninseln" (Suhrkamp, September 2017, 168 Seiten, 20 Euro)

· Sasha Marianna Salzmann: "Außer sich" (Suhrkamp, September 2017, 366 Seiten, 22 Euro)

Mit Franzobel und Menasse haben es zwei österreichische Autoren unter die letzten Sechs geschafft, drei Nominierte sind in Deutschland geboren, Sasha Marianna Salzmann kam in Wolgograd zur Welt und emigrierte 1995 mit ihrer Familie nach Deutschland. Der am stärksten vertretene Verlag ist eindeutig Suhrkamp, doch auch Hanser kann mit zwei Titeln (einer bei der Wiener Verlagstochter Zsolnay erschienen) zufrieden sein. Die Kleinverlage gingen diesmal leer aus.

Routinier Lehr, Debütantin Salzmann

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Literaturauszeichnung: Das sind die sechs Shortlist-Autoren

Fast schon Routine ist die Shortlist-Nominierung für Thomas Lehr: Der 1957 in Speyer geborene Autor kam auch schon 2005 (mit "42") und 2010 (mit "September. Fata Morgana") in die engere Auswahl für den Deutschen Buchpreis. Sein ambitionierter Roman "Schlafende Sonne" blickt mit Hilfe der Werke einer Künstlerin namens Milena Sonntag auf das 20. Jahrhundert zurück. Es ist der erste Teil einer angekündigten Trilogie.

Ebenfalls im Favoritenkreis: "Die Hauptstadt", der EU-Roman des Wieners Robert Menasse, Jahrgang 1954. (Lesen Sie hier eine Rezension.) Auf ihn besonders passt, was Jurysprecherin Katja Gasser auf die gesamte Auswahl gemünzt sagte: Es bestehe "nach der Lektüre kein Zweifel: die Idee Europa, sie steht immer, im Besonderen gegenwärtig, auf dem Spiel, und es ist an uns Zeitgenossen, verantwortlich, und das heißt auch kühn, zu handeln". Menasse stand bereits einmal auf der Longlist, unter die letzten Sechs kam er bisher nicht.

Anders ist dies bei Marion Poschmann: Die 1969 in Essen geborene Autorin war bereits 2013 für "Die Sonnenposition" auf der Shortlist, ihr "Schwarzweißroman" stand zudem 2005 auf der Longlist der ersten Auslobung des Deutschen Buchpreises. Zuletzt war sie beim Leipziger Buchpreis mit dem Lyrikband "Geliehene Landschaften" nominiert. Ein Gedicht daraus steht in engem Zusammenhang mit dem in Japan spielenden neuen Roman "Die Kieferninseln" um zwei ungleiche Gefährten, die den Reisebeschreibungen des Dichters Basho nachfolgen.

Einen historischen Hintergrund hat der Roman "Das Floß der Medusa" des 1967 in Vöcklabruck geborenen Franzobel: den Überlebenskampf der Schiffbrüchigen von der Fregatte Medusa, die 1816 vor Afrika gesunken war. Der Autor war bisher ebenfalls einmal auf der Buchpreis-Longlist (2005 mit "Das Fest der Steine"), er hielt in diesem Jahr die Eröffnungsrede zu den Klagenfurter Bachmannpreis-Lesungen.

Auf einer Vorstellung zahlreicher Longlistkandidaten in der Freien Akademie der Künste Ende August in Hamburg hatte Gerhard Falkner seinen 2016 erschienen Roman "Apollokalypse" als Hauptwerk bezeichnet. Doch dieser kam bei der Buchpreisjury nicht über die Longlist hinaus - anders als "Romeo oder Julia", der vergleichsweise kurze Roman mit der krimiartigen Handlung, die mit dem autobiografischen Erlebnis eines Diebstahls aus dem Hotelzimmer des 1951 im fränkischen Schwabach geborenen Autors einsetzt.

Mit Abstand die jüngste Shortlist-Nominierte ist Sasha Marianna Salzmann, 32, die bisher vor allem als Dramatikerin Furore machte, insbesondere als Hausautorin des Berliner Maxim Gorki Theaters. Ihr erster Roman "Außer sich" erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, die von Moskau nach Berlin auswandert - und bündelt das Thema Identität in einer Trans-Person. (Lesen Sie hier eine Rezension.)

Preisverleihung am 9. Oktober

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt den besten deutschsprachigen Roman des Jahres. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Prominente Autoren wie Sven Regener ("Wiener Straße"), Ingo Schulze ("Peter Holtz") oder Feridun Zaimoglu ("Evangelio") waren auf der Longlist, schafften es aber nicht unter die letzten Sechs.

Über den Sieger entscheidet eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt. Ihre Sprecherin ist in diesem Jahr die Österreicherin Gasser. Der Sieger wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben, diesmal am 9. Oktober. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten haben bereits jeweils 2500 Euro sicher.

Der Deutsche Buchpreis hat unter den vielen literarischen Auszeichnungen inzwischen die höchste Publikumsresonanz. Oft schaffen es die Sieger auf die Bestsellerliste. Im vergangenen Jahr wurde Bodo Kirchhoff für seinen Roman "Widerfahrnis" geehrt.

Mit Material von dpa

insgesamt 1 Beitrag
th.siebert 12.09.2017
1. Korrekturen
Schade, dass diese sehr interessante Übersicht über die Bewerber für den Deutschen Buchpreis zwei Fehler enthält: 1. "die letzten Sechs" - "sechs" wird hier kleingeschrieben. 2. Es ist irritierend, dass die [...]
Schade, dass diese sehr interessante Übersicht über die Bewerber für den Deutschen Buchpreis zwei Fehler enthält: 1. "die letzten Sechs" - "sechs" wird hier kleingeschrieben. 2. Es ist irritierend, dass die "letzten Sechs" einer Liste die besten Chancen auf den Preis haben sollen. Ich weiß zwar, was gemeint ist, aber das sollte man anders formulieren.

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