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20.01.2012
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Legendäre Blues-Sängerin

Etta James ist tot

AP

Etta James: die Billie Holiday des Rhythm'n'Blues

Die Straße, das Heroin, der Blues: Etta James kannte die düsteren Seiten des Lebens - verwandelte ihren Schmerz aber in strahlende Rhythm'n'Blues-Songs, die auch im Mainstream-Radio gespielt wurden. Jetzt verstarb sie im Alter von 73 Jahren in Kalifornien.

Hamburg/Los Angeles - Ein behütetes Zuhause hatte sie nicht. Ihre Mutter war bei ihrer Geburt minderjährig, den Vater lernte sie nie kennen. Etta James wuchs bei ihren Großeltern und bei Pflegeeltern auf; früh lernte sie, sich selbst durchzuschlagen. Schon im Alter von 13 Jahren sang sie an Straßenecken oder mit ihrer Band, dem Mädchen-Trio The Creolettes, in kleinen Clubs. Dort entdeckte sie 1952 auch der (am 17. Januar verstorbene) große Westcoast-Bandleader Johnny Otis, der sie unter ihre Fittiche nahm.

Bald war sie für ihren energievollen Gesang bekannt, mit der Ära des Doo-Wop und des Rock'n'Roll lief sie zu großer Form auf. Ihren ersten Hit hatte sie mit der frühen Rock'n'Roll-Single "Roll With Me Henry" - für den sie 2008 schließlich mit einem Grammy geehrt wurde. Aufgrund ihres rauen, aber geschmeidigen Timbres wurde James in der Branche als "Billie Holiday des Rhythm'n'Blues" gefeiert.

Für das legendäre Blues-Label Chess veröffentlichte Etta James ab Ende der fünfziger Jahre einige Hits, etwa "The Wedding", "Something's Got a Hold On Me" (beide 1962) oder "Pushover" (1963). Doch obwohl sich endlich der kommerzielle Erfolg einstellte, konnte sie nie ganz die Dämonen der Vergangenheit abschütteln. Jahrelang war sie schwer heroinsüchtig; in ihren düstersten Tagen stach sie die Nadel auf der Suche nach einer Vene in ihre Stirn. Mit ihrem Ehemann Artis Mills wurde sie 1969 wegen Heroinkonsums verhaftet, er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, sie zum Drogenentzug.

Durch die Disco-Phase in den siebziger Jahren konnte die Blues-Sängerin nicht mehr an den Breitenerfolg ihrer frühen Tage anknüpfen. Aber stets durfte sie sich der Bewunderung erfolgreicher Kollegen sicher sein. Ende der siebziger Jahre wurde sie zum Beispiel von den Rolling Stones zu ausgiebigen Touren eingeladen.

Die Bedeutung von Etta James für die schwarze Musik wurde vielfach von ihren jüngeren Kollegen hervorgehoben. In dem Musikfilm "Cadillac Records" aus dem Jahr 2008 wird sie von dem R&B-Superstar Beyoncé Knowles verkörpert. Es geht darin um die frühen Jahre der Blues-Legende, in der sie sich von der Straßen-Sängerin zu einer der ersten weiblichen schwarzen Stimmen hocharbeitete, die auch im Mainstream-Radio Gehör fanden. In einem Interview zur Bewerbung des Films sagte Beyoncé: "Sie ist immer Etta geblieben. Sie hat sich nicht verbiegen lassen, von niemandem. Wenn sie afro-amerikanischen Künstlerinnen wie mir nicht den Weg bereitet hätte, hätten wir niemals die gleichen Möglichkeiten wie jetzt."

Wie ihr Manager bekanntgab, verstarb die große Blues-Pionierin und Schmerzkünstlerin Etta James am Freitag nach einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Riverside, Kalifornien. Sie wurde 73 Jahre alt.

cbu/AP

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