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24.02.2012
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Dreißig Jahre "Da Da Da" von Trio

Von wegen Blödrocker!

Von
DPA

Stephan Remmler, Peter Behrens und Kralle Krawinkel alias Trio: Brilliante Außenseiter

Vor dreißig Jahren erschien der Welthit "Da Da Da" der deutschen Provinzband Trio. Zum Jubiläum erscheint eine DVD-Dokumentation, die an den Geniestreich erinnert.

24-mal "Da" und 18-mal "aha" in knapp dreieinhalb Minuten: Trios "Da Da Da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha" ist ein deutscher Pop-Klassiker, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Im Gegenteil, mit zunehmender Distanz wird klar, was für ein Geniestreich dieser Song der drei Exoten aus der Provinz war.

Allein die Zahlen, die diesen Triumph illustrieren, sind eindrucksvoll: Mehr als 13 Millionen weltweit verkauft, in mehr als 30 Ländern rauschte das Lied in die Charts. Ungezählt sind die Coverversionen, von Herbert Grönemeyer über Elastica bis hin zu Christina Aguilera. Obendrauf kommen all die Werbeeinsätze bei VW, Pepsi oder Microsoft. "Da Da Da..." in allen Variationen!

Eine ungewöhnliche Geschichte in lässigem Ton

Zum 30-jährigen Jubiläum des "Da Da Da..."-Dauerbrenners ist nun die Trio-Doppel-DVD "...und dann kannst du mich von vorne sehen" erschienen. Die bietet Trio in Bestform bei einem Rockpalast-Konzert 1982 in Hamburg sowie die Dokumentation "Da Da Da - Die Geschichte eines Hits". Der Film von Hannes Rossacher erzählt in angemessen lässigem Ton die ungewöhnliche Geschichte von Stephan Remmler (Gesang), Gert "Kralle" Krawinkel (Gitarre) und Peter Behrens (Schlagzeug). Von deren Beat-Ursprüngen in der Provinz bis hin zum Start von Trio in Großenkneten. Dem Film hilft, dass alle drei Beteiligten sich zur Sache befragen ließen. Dazu kommen Interviews unter anderem mit Dieter Meier (Yello), der einst den "Da Da Da..."-Videoclip drehte, und dem Beatles-Kumpel Klaus Voormann, der den Hit produzierte.

Rückblickend wird vor allem deutlich, mit welcher Brillanz Trio zu Werke gingen und dass sie als Musiker bis heute sträflich unterschätzt werden. Entgegen vieler Behauptungen waren Trio weder "Blödrock" (Mike Krüger etc.) noch Teil der "Neuen Deutschen Welle", sie glänzten vielmehr als schwer greifbare Außenseiter. Ihr kunstvoll reduzierter Ga-Ga-Rock'n'Roll trug eher den Geist von Zappa, Talking Heads und Jacques Tati. Im Film erinnert sich Stephan Remmler, wie der Trio-Sound erarbeitet wurde, wie überflüssiger Schnickschnack wegrasiert wurde, bis nur noch Gesang, Schlagzeug und Gitarre blieben, also ein Sound, der auch in diesem Jahrtausend nicht antiquiert klingt. Dazu kam der Anarcho-Humor: Peter Behrens, der Schlagzeuger, agierte stets mit unbewegt grimmiger Miene, und wenn Krawinkel zu lange Gitarre spielte, überbrückten Remmler und Behrens die Zeit gern mal mit einer Partie Tischtennis auf der Bühne.

Der Film erzählt aber auch vom Druck des Erfolgs: Wie das coole Trio aus Großenkneten sich vom globalen Bestseller eben doch aus der Ruhe bringen ließ und ihre lässige Harmonie aus den Fugen geriet. Die Folgen waren Entfremdung, Trennung, Versöhnung, schlechte Platten, ein überflüssiger Film und schließlich das Ende der Band.

Weil ihr großer Hit die Autoren vermögend gemacht haben dürfte, genießen Remmler und Krawinkel längst ihren Ruhestand an sonnigen Flecken der Erde. Nur Peter Behrens, der Schlagzeug-Clown, schrieb nie mit und ist heute nicht so gut mit Tantiemen versorgt. Aber auch ihm bleibt immerhin die Erinnerung, an einem deutschen Klassiker beteiligt gewesen zu sein.

Forum

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insgesamt 5 Beiträge
1. Gähn...
patberlin 24.02.2012
Nein,das war kein Geniestreich, das war ein Schlager. Lassen wir es doch darauf belassen, man hört das Ding morgens um 3 in einem billigen Imbiss beim letzten Bier. Damit hat das Ding seine Schuldigkeit getan. Ich gehe heute [...]
Nein,das war kein Geniestreich, das war ein Schlager. Lassen wir es doch darauf belassen, man hört das Ding morgens um 3 in einem billigen Imbiss beim letzten Bier. Damit hat das Ding seine Schuldigkeit getan. Ich gehe heute Abend entweder zu Tom Kopman oder zum Artemis-Quartett. Da geht es um Beethoven, Haydn, Debussy :)
2.
Leto2.0 24.02.2012
Da hat wohl jemand den Casio VL-1 vergessen...
Zitat von sysopDPAVor dreißig Jahren erschien der Welthit "Da Da Da" der deutschen Provinzband Trio. Zum Jubiläum erscheint eine DVD-Dokumentation, die an den Geniestreich erinnert. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,816868,00.html
Da hat wohl jemand den Casio VL-1 vergessen...
3.
osus 24.02.2012
Artemis-Quartett... gähn. Dann doch lieber Trio im Billigimbiss.
Zitat von patberlinNein,das war kein Geniestreich, das war ein Schlager. Lassen wir es doch darauf belassen, man hört das Ding morgens um 3 in einem billigen Imbiss beim letzten Bier. Damit hat das Ding seine Schuldigkeit getan. Ich gehe heute Abend entweder zu Tom Kopman oder zum Artemis-Quartett. Da geht es um Beethoven, Haydn, Debussy :)
Artemis-Quartett... gähn. Dann doch lieber Trio im Billigimbiss.
4. Pop goes the brain
Zappapa 24.02.2012
Ein schwarzes Quadrat? Das soll Kunst sein? Da sehe ich mir doch lieber Rembrandt, Rubens oder Leonardo an. ;)
Zitat von patberlinNein,das war kein Geniestreich, das war ein Schlager. Lassen wir es doch darauf belassen, man hört das Ding morgens um 3 in einem billigen Imbiss beim letzten Bier. Damit hat das Ding seine Schuldigkeit getan. Ich gehe heute Abend entweder zu Tom Kopman oder zum Artemis-Quartett. Da geht es um Beethoven, Haydn, Debussy :)
Ein schwarzes Quadrat? Das soll Kunst sein? Da sehe ich mir doch lieber Rembrandt, Rubens oder Leonardo an. ;)
5. yooh
geotie 25.02.2012
Da hat jemand Erfolg und schon wird mit aller Macht hochgelobt. Ich finde, das Lied ist so blöde, da ist es schon wieder gut. Ich mag es, aber das war es.
Da hat jemand Erfolg und schon wird mit aller Macht hochgelobt. Ich finde, das Lied ist so blöde, da ist es schon wieder gut. Ich mag es, aber das war es.

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