24.02.2012
Dreißig Jahre "Da Da Da" von Trio
Von wegen Blödrocker!
Von Christoph Dallach
Stephan Remmler, Peter Behrens und Kralle Krawinkel alias Trio: Brilliante Außenseiter
24-mal "Da" und 18-mal "aha" in knapp dreieinhalb Minuten: Trios "Da Da Da ich lieb dich nicht du liebst mich nicht aha aha aha" ist ein deutscher Pop-Klassiker, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Im Gegenteil, mit zunehmender Distanz wird klar, was für ein Geniestreich dieser Song der drei Exoten aus der Provinz war.
Allein die Zahlen, die diesen Triumph illustrieren, sind eindrucksvoll: Mehr als 13 Millionen weltweit verkauft, in mehr als 30 Ländern rauschte das Lied in die Charts. Ungezählt sind die Coverversionen, von Herbert Grönemeyer über Elastica bis hin zu Christina Aguilera. Obendrauf kommen all die Werbeeinsätze bei VW, Pepsi oder Microsoft. "Da Da Da..." in allen Variationen!
Eine ungewöhnliche Geschichte in lässigem Ton
Zum 30-jährigen Jubiläum des "Da Da Da..."-Dauerbrenners ist nun die Trio-Doppel-DVD "...und dann kannst du mich von vorne sehen" erschienen. Die bietet Trio in Bestform bei einem Rockpalast-Konzert 1982 in Hamburg sowie die Dokumentation "Da Da Da - Die Geschichte eines Hits". Der Film von Hannes Rossacher erzählt in angemessen lässigem Ton die ungewöhnliche Geschichte von Stephan Remmler (Gesang), Gert "Kralle" Krawinkel (Gitarre) und Peter Behrens (Schlagzeug). Von deren Beat-Ursprüngen in der Provinz bis hin zum Start von Trio in Großenkneten. Dem Film hilft, dass alle drei Beteiligten sich zur Sache befragen ließen. Dazu kommen Interviews unter anderem mit Dieter Meier (Yello), der einst den "Da Da Da..."-Videoclip drehte, und dem Beatles-Kumpel Klaus Voormann, der den Hit produzierte.
Rückblickend wird vor allem deutlich, mit welcher Brillanz Trio zu Werke gingen und dass sie als Musiker bis heute sträflich unterschätzt werden. Entgegen vieler Behauptungen waren Trio weder "Blödrock" (Mike Krüger etc.) noch Teil der "Neuen Deutschen Welle", sie glänzten vielmehr als schwer greifbare Außenseiter. Ihr kunstvoll reduzierter Ga-Ga-Rock'n'Roll trug eher den Geist von Zappa, Talking Heads und Jacques Tati. Im Film erinnert sich Stephan Remmler, wie der Trio-Sound erarbeitet wurde, wie überflüssiger Schnickschnack wegrasiert wurde, bis nur noch Gesang, Schlagzeug und Gitarre blieben, also ein Sound, der auch in diesem Jahrtausend nicht antiquiert klingt. Dazu kam der Anarcho-Humor: Peter Behrens, der Schlagzeuger, agierte stets mit unbewegt grimmiger Miene, und wenn Krawinkel zu lange Gitarre spielte, überbrückten Remmler und Behrens die Zeit gern mal mit einer Partie Tischtennis auf der Bühne.
Der Film erzählt aber auch vom Druck des Erfolgs: Wie das coole Trio aus Großenkneten sich vom globalen Bestseller eben doch aus der Ruhe bringen ließ und ihre lässige Harmonie aus den Fugen geriet. Die Folgen waren Entfremdung, Trennung, Versöhnung, schlechte Platten, ein überflüssiger Film und schließlich das Ende der Band.
Weil ihr großer Hit die Autoren vermögend gemacht haben dürfte, genießen Remmler und Krawinkel längst ihren Ruhestand an sonnigen Flecken der Erde. Nur Peter Behrens, der Schlagzeug-Clown, schrieb nie mit und ist heute nicht so gut mit Tantiemen versorgt. Aber auch ihm bleibt immerhin die Erinnerung, an einem deutschen Klassiker beteiligt gewesen zu sein.