22.05.2012
Eurovision Song Contest
Wer schalla-la-la-lat denn da?
Es ist das wohl größte nicht-sportliche Medienereignis Europas: Wenn am 26. Mai beim 57. Eurovision Song Contest in Baku die LED-Wände und Windmaschinen anspringen, werden das etwa 120 Millionen Menschen in ganz Europa an den Fernsehbildschirmen verfolgen. In Deutschland fand der Grand Prix spätestens seit Lena Meyer-Landruts spektakulärem Sieg im Jahre 2010 zu altem Glanz zurück, nachdem sich die deutschen Teilnehmer jahrelang nur auf die hinteren Plätze sangen. In diesem Jahr ruhen nun die deutschen Hoffnungen auf dem singenden Industriemechaniker Roman Lob, der von den Zuschauern der Castingshow "Unser Star für Baku" zum ESC-Vertreter gekürt wurde.
Als Teilnehmer für das "Big Five"-Land Deutschland muss sich der 21-Jährige neben seinen Kollegen aus Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien nicht in den Halbfinals beweisen, sondern ist für die große Show am Samstag gesetzt - genau wie Aserbaidschan als Gastgebernation. 36 teilnehmende Länder von Island bis Georgien und Finnland bis Portugal zittern hingegen dem ersten ESC-Auftritt in Baku am 22. bzw. 24 Mai entgegen. Pro Halbfinale werden zehn Acts in die Schlussrunde am Samstag gewählt - für alle anderen ist der ESC vorbei, bevor er richtig begonnen hat.
Die Vorfreude auf das glitzernde Skurrilitäten-Kabinett wird allerdings durch die politische Lage im Gastgeberland Aserbaidschan getrübt. Das dortige Regime steht seit langem massiv in der Kritik, Menschenrechte zu verletzen und demokratische Prinzipien zu missachten. Im vergangenen Jahr wurden viele Millionen Euro in Sanierungsarbeiten der Hauptstadt Baku gesteckt, um Europa pünktlich zum Grand Prix eine prächtige Stadt mit Blümchen, Marmor und leuchtenden Kristallhallen zu präsentieren. Doch der schöne Schein trügt: In Aserbaidschan werden Journalisten von Mitarbeitern eines staatlichen Ölkonzerns zusammengeschlagen, Demonstrationen aufgelöst und Menschen aus ihren Häusern vertrieben, um Platz zu schaffen für die große Show.
Die künstlerische Bandbreite ist wie jedes Jahr riesig: Während die Österreicher versuchen, die Zuschauer mit einem Rap-Song über wackelnde Hinterteile zu überzeugen, und die schwedische Künstlerin Loreen ihren mystischen Dance-Song "Euphoria" mit wunderlichen Capoeira-Bewegungen aufzupeppen versucht, liefern sich Omas aus Russland und ein Schlagersenior aus Großbritannien einen Wettbewerb, wer den ältesten Künstler auf die Bühne schickt.
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