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30.11.2012
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Live in Concert

Kreator kam, Berlin bebte

Von Arno Frank

SPIEGEL ONLINE und tape.tv haben hier ein Konzert von Kreator in Berlin übertragen - das nun leider vorbei ist. Falls Sie vor Ort oder bei uns mit dabei waren: Hoffentlich hat's Spaß gemacht! Falls Sie's verpasst haben oder noch mal sehen wollen, finden Sie bei uns einen Mitschnitt.

Kreator live! SPIEGEL ONLINE und tape.tv haben den Auftritt der Ruhrgebiets-Söhne im Huxleys Neue Welt in Berlin übertragen. Sehen Sie hier der Mitschnitt des Konzerts.

Für Nutzer von Mobilgeräten:
Falls Sie den Stream hier nicht sehen können, klicken Sie bitten auf diesen Link!

Es ist schon seltsam, dass es ausgerechnet und ausschließlich zwei der wohl gegensätzlichsten populären Musikstile des 20. Jahrhunderts am Ende ins Museum geschafft haben - der Ambient und der Thrash-Metal. War die Kunst der dezenten musikalischen Möblierung seit ihrer Erfindung durch Brian Eno bereits ausstellungsfähig, dauerte es bei der Volldröhnung des stets diabolisch aufgelegten Metal ein wenig länger.

1999 dann ließ der Künstler Matthew Barney den Ausnahmeschlagzeuger Dave Lombardo von Slayer für seinen "Cremaster"-Zyklus gegen einen Bienenschwarn antreten - spätestens dieses grandiose Duett aus schrubbender Double-Bass-Drum und dem Summen flirrender Insektenflügel vermittelte eine Ahnung davon, dass das Genre hochkulturfähig sein könnte.

Zehn Jahre später ist vor allem die aggressive Spielart des Thrash-Metal längst in den Feuilletons angekommen. Das Genre mit seinen zahllosen Verästelungen und ruht auf nur vier Platten, die allesamt 1986 veröffentlicht wurden und heute kanonisch sind: "Reign In Blood" von Slayer, "Master Of Puppets" von Metallica, "Peace Sells … But Who's Buying" von Megadeth, allesamt aus den Vereinigten Staaten - und "Pleasure To Kill" von Kreator. Aus Essen. Im Ruhrgebiet.

Fotostrecke

Kreator: Thrash - Made in Germany
Gegründet wurde die Gruppe vom italienischstämmigen Gitarristen und Sänger Miland "Mille" Petrozza noch als Schülerband. 1983 - es regierte damals noch die "New Wave Of British Heavy Metal" mit Bands wie Iron Maiden - wurde das erste Demo eingespielt, zwei Jahre später erschien das Debüt "Endless Pain". Und seitdem geht es mit Kreator wenn auch nicht nicht immer geradeaus, so doch konstant bergauf.

Konservativer als Wagner-Fans

Was etwas bedeuten will in einer Szene, die treuer ist als die von Bob Dylan, kritischer als die von Radiohead und konservativer als die von Richard Wagner. Der Metal-Fan hat's nicht so gerne, wenn sich die Dinge ändern. Treue ist sein zentraler Wertbegriff, er lebt sie selbst und fordert sie streng ein. Wer ihn einmal enttäuscht, wie das Metallica spätestens mit ihrer Hinwendung zum Bluesrock auf "Load" in Kauf nahmen, der wird ihn kaum jemals wiedergewinnen können.

Auch Kreator schlugen im Laufe ihrer Karriere mehrere Haken. Zwar gab's keinen Sprechgesang, keine Elektronik, keinen folkloristischen Mittelalterquatsch. Aber mal tendierten sie zum Hardcore, mal zum Industrial, mal gerieten ihre Alben allzu melodisch für den herkömmlichen Headbanger, der bekanntlich schroffe Energie im Verein mit handwerklichem Können und damit ultraschnelle Nackenbrecher bevorzugt.

Auch zahlreiche Besetzungswechsel nahm die Gefolgschaft schulterzuckend hin, steht im Zentrum von Kreator doch wie festgeschraubt immer Mille Petrozza. Der wirkt seit den Anfangstagen kaum gealtert, was an seinen veganen Ernährungsgewohnheiten liegen mag. Nur die beiden parallelen Zornesfalten direkt über der Nasenwurzel haben sich mit der Zeit immer tiefer eingegraben.

Nach den moderaten Irrfahrten der neunziger Jahre gerieten Kreator, wie auch die Weggefährten von Sodom oder Destruction immer weiter "ihr Ding" machend, ab 2000 in ein ruhigeres Fahrwasser. Weil immer mehr Musik aus dem Internet geladen wird, muss der physische Tonträger künstlerisch aufgewertet werden? Das war er im Metal von Anbeginn aller Zeiten. Mit Platten lässt sich kein Geld mehr verdienen, der Künstler muss touren? Für Gruppen wie Kreator ist es ehrliche Maloche, auf der Bühne zu stehen.

Nach gefeierten Erfolgen aus allen Kontinenten regte sich plötzlich auch in der Heimat so etwas wie Sympathie, und zwar nicht nur bei den üblichen Verdächtigen. Popdiskurs-Zeitschriften wie "Spex" widmeten sich dem Phänomen. Die Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit und führte mit "Hordes Of Chaos" 2009 zur Zusammenarbeit mit dem Produzenten Moses Schneider (Tocotronic, Kante, Fehlfarben). Der Experte für analog-warmen Wohlklang motivierte seine Schützlinge regelmäßig, ihre Live-Qualitäten auch im Studio zu nutzen. Kreator klangen, man muss es so sagen, selten so dicht und wuchtig wie auf diesem Album.

In die gleiche Kerbe schlägt die aktuelle Platte, "Phantom Antichrist", die nach einer ähnlichen Methode aufgenommen wurde. Besser wird's nur da, wo diese Gruppe in ihrem Element ist - auf der Bühne. Zu sehen hier - beim Mitschnitt des Konzerts im Huxleys Neue Welt in Berlin von SPIEGEL ONLINE und tape.tv.

Forum

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insgesamt 13 Beiträge
1.
bigboom 30.11.2012
Huch, aus Deutschland, mit englischen Texten und Weltspitze!? Ja, so isses und das ist auch gut so und sollte vielmehr als normal betrachtet bzw. angestrebt werden. Sogar in Rezensionen aus UK kann man lesen, dass Kreator mit [...]
Zitat von sysopHeilemaniaAus dem Ruhrpott an die Spitze der globalen Metal-Szene: Kreator werden in einem Atemzug mit Slayer und Metallica genannt. Am Samstag zeigen sie im exklusiven Live-Stream von SPIEGEL ONLINE und tape.tv, dass sie auch nach 30 Jahren längst noch nicht reif fürs Museum sind. http://www.spiegel.de/kultur/musik/kreator-im-livestream-bei-spiegel-online-a-870010.html
Huch, aus Deutschland, mit englischen Texten und Weltspitze!? Ja, so isses und das ist auch gut so und sollte vielmehr als normal betrachtet bzw. angestrebt werden. Sogar in Rezensionen aus UK kann man lesen, dass Kreator mit ihrem aktuellen Album "Phantom Antichrist" alles in den Schatten stellen, was die "Big Four" (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) in den letzten zehn Jahren fabriziert haben. Im Ausland hat Musik aus Deutschland einen guten Ruf. Warum fällt es uns Deutschen nur so schwer, unsere eigene Musikszene ernstzunehmen und dementsprechend zu supporten? Woher dieser latente Minderwertigkeitskomplex?
2.
Varkii 01.12.2012
Dass die deutsche Musikszene nicht ernst genommen wird betrifft aber auch tendenziell die Mainstream-Pop-Kultur. In der Metalszene werden deutsche Bands seit eh und jeh respektiert. Zu den ganz großen weltweit gehören auch [...]
Zitat von bigboomHuch, aus Deutschland, mit englischen Texten und Weltspitze!? Ja, so isses und das ist auch gut so und sollte vielmehr als normal betrachtet bzw. angestrebt werden. Sogar in Rezensionen aus UK kann man lesen, dass Kreator mit ihrem aktuellen Album "Phantom Antichrist" alles in den Schatten stellen, was die "Big Four" (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) in den letzten zehn Jahren fabriziert haben. Im Ausland hat Musik aus Deutschland einen guten Ruf. Warum fällt es uns Deutschen nur so schwer, unsere eigene Musikszene ernstzunehmen und dementsprechend zu supporten? Woher dieser latente Minderwertigkeitskomplex?
Dass die deutsche Musikszene nicht ernst genommen wird betrifft aber auch tendenziell die Mainstream-Pop-Kultur. In der Metalszene werden deutsche Bands seit eh und jeh respektiert. Zu den ganz großen weltweit gehören auch Blind Guardian. Und eigentlich muss man auch Helloween und Gamma Ray zu den Großen dazuzählen. Und die genießen wie gesagt alle weltweite Anerkennung. Und auch bei den Nachwuchsbands tun sich einige hervor, die aufsteigen...hier seien mal Equilibrium genannt und die singen auf deutsch. ;)
3.
Battlemonk 01.12.2012
viele musiker aus deutschland vkn in deutschland sehr gut nur leider sind es meistens die falschen...
Zitat von bigboomHuch, aus Deutschland, mit englischen Texten und Weltspitze!? Ja, so isses und das ist auch gut so und sollte vielmehr als normal betrachtet bzw. angestrebt werden. Sogar in Rezensionen aus UK kann man lesen, dass Kreator mit ihrem aktuellen Album "Phantom Antichrist" alles in den Schatten stellen, was die "Big Four" (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) in den letzten zehn Jahren fabriziert haben. Im Ausland hat Musik aus Deutschland einen guten Ruf. Warum fällt es uns Deutschen nur so schwer, unsere eigene Musikszene ernstzunehmen und dementsprechend zu supporten? Woher dieser latente Minderwertigkeitskomplex?
viele musiker aus deutschland vkn in deutschland sehr gut nur leider sind es meistens die falschen...
4.
nachtmahr79 01.12.2012
Im Metal ist die Verkehrsprache nun mal Englisch, ich kenne auch keinen Metaller, der daran was auszusetzen hätte. Und Headbanger sind treu und unterstützten ihren Musikstil, sonst würde eine derart kleine Sparte wie [...]
Zitat von bigboomHuch, aus Deutschland, mit englischen Texten und Weltspitze!? Ja, so isses und das ist auch gut so und sollte vielmehr als normal betrachtet bzw. angestrebt werden. Sogar in Rezensionen aus UK kann man lesen, dass Kreator mit ihrem aktuellen Album "Phantom Antichrist" alles in den Schatten stellen, was die "Big Four" (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) in den letzten zehn Jahren fabriziert haben. Im Ausland hat Musik aus Deutschland einen guten Ruf. Warum fällt es uns Deutschen nur so schwer, unsere eigene Musikszene ernstzunehmen und dementsprechend zu supporten? Woher dieser latente Minderwertigkeitskomplex?
Im Metal ist die Verkehrsprache nun mal Englisch, ich kenne auch keinen Metaller, der daran was auszusetzen hätte. Und Headbanger sind treu und unterstützten ihren Musikstil, sonst würde eine derart kleine Sparte wie Thrash kaum überleben können. Die meisten Metaller, die ich kenne haben neben ihrer Sammlung auf Festplatte auch noch ein Regal voll mit den dazugehörigen Original-CDs.
5. Da schüttelte ich schon als Teenager meine Birne!
bigjes 01.12.2012
Yes, Kreator ist immer ein Konzert wert! Danke SPON sie mal wieder erkleben zu dürfen. Das letzte Liveerlebnis mit den Jungs ist schon etwas her...
Yes, Kreator ist immer ein Konzert wert! Danke SPON sie mal wieder erkleben zu dürfen. Das letzte Liveerlebnis mit den Jungs ist schon etwas her...

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