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11.12.2012
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Russische Operndiva

Galina Wischnewskaja ist tot

Corbis

Ihre Bewunderer nannten sie die "Maria Callas der Sowjetunion". Dabei lag Galina Wischnewskaja mit den Kommunisten im Kreml stets über Kreuz und wurde 1978 sogar ausgebürgert. Nun ist die Sopranistin und Witwe von Mstislaw Rostropowitsch im Alter von 86 Jahren verstorben.

Moskau - Dmitrij Schostakowitsch schrieb ihr eine Sinfonie auf den Leib, Mstislaw Rostropowitsch heirate sie sogar: Galina Wischnewskaja galt als bedeutendste russische Sopranistin. Am Dienstag ist die "Maria Callas der Sowjetunion" im Alter von 86 Jahren in Moskau gestorben.

Wischnewskajas Karriere begann noch während des Zweiten Weltkriegs als Operettensängerin in ihrer Heimatstadt Leningrad. Ihren Durchbruch feierte sie Anfang der fünfziger Jahre dann am Moskauer Bolschoi-Theater. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges trat sie in den sechziger Jahren in der Metropolitan Opera und der Carnegie Hall in New York auf.

In der Sowjetunion war Wischnewskaja gleichzeitig Dissidentin und Aushängeschild des Kulturbetriebs. Nach eigener Darstellung war sie seit ihrer Kindheit Anti-Kommunistin. Anfang der siebziger Jahre beherbergten Wischnewskaja und ihr dritter Ehemann, der weltberühmte Cellist Mstislaw Rostropowitsch, mehrere Jahre lang den Schriftsteller Alexander Solschenizyn in ihrem Wochenendhaus.

Der Kreml drangsalierte das Paar daraufhin: "Mein Mann durfte nicht mehr in Moskau und Leningrad spielen. Man schickte ihn in die Provinz, damit er dort vor Bären auftritt", erinnerte sich die Sängerin noch im vergangenen Jahr in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "1974 wanderten wir aus. Mein Mann hätte sich sonst aufgehängt oder wäre zum Alkoholiker geworden."

Beerdigung am Freitag

Wischnewskaja und Rostropowitsch ließen sich in Paris sowie den USA nieder. Vier Jahre nach ihrer Ausreise erkannte ihnen Moskau die sowjetische Staatsbürgerschaft ab. 1982 verabschiedete sich Wischnewskaja mit ihrer Paraderolle als Tatjana in "Eugen Onegin" in Paris von der Opernbühne. Erst nach der politischen Wende in der Sowjetunion durfte sie 1990 wieder in ihrer Heimat auftreten.

2007 war die Sopranistin noch einmal als Schauspielerin auf der Kinoleinwand zu sehen: In Alexander Sokurows Drama "Alexandra" verkörperte sie die Titelheldin - eine alte Frau, die nach Tschetschenien reist, um ihren dort als Soldat stationierten Sohn zu besuchen.

Mehrere bedeutende Komponisten des 20. Jahrhunderts widmeten ihr Stücke: Benjamin Britten dachte Wischnewskaja den Part der Sopranistin in seinem "War Requiem" zu. Dmitrij Schostakowitsch schrieb ihr die Sopranstimme seiner 14. Sinfonie auf den Leib. Der französische Komponist Marcel Landowski widmete ihr gleich eine ganze Oper, die 1996 in Lyon erstmals aufgeführte "Galina".

Russlands Regierungschef Dmitrij Medwedew sprach den Angehörigen der Verstorbenen sein Beileid aus. Die Trauerfeier soll am Donnerstag in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale stattfinden. Die Beerdigung ist für Freitag auf dem Prominenten vorbehaltenen Neujungfrauen-Friedhof geplant. Dort liegt auch der 2007 verstorbene Rostropowitsch.

syd/dpa

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