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18.01.2013
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"Django Unchained"-Soundtrack

Spiel mir ein Lied von Morricone

Von Christoph Dallach
Fotos
DPA

Lange versuchte Quentin Tarantino, sich von Ennio Morricone, dem Großmeister wehmütiger Filmmusik, eine Melodie komponieren zu lassen. Dieser Wunsch ging nun für den Film "Django Unchained" in Erfüllung. Bleibt die Frage, ob Tarantino das verbotene Wort benutzte.

Um Ennio Morricone auf die Palme zu bringen, muss man ihn nur auf "Spaghetti-Western" ansprechen. Dann explodiert der sonst dezente Römer, der weltberühmt ist für Melodien, die er, nun ja, für Spaghetti-Western wie "Eine Handvoll Dollar", "Mein Name ist Nobody" oder "Spiel mir das Lied von Tod" komponierte. Dann schimpft der, von seinen Verehrern gern "Maestro" genannte Künstler, dass er überhaupt nicht wisse, was diese Spaghetti-Western überhaupt sein sollen. Und fügt hinzu, dass er für Hunderte Filme Musiken schrieb und nur wenige davon Western waren.

Es wäre interessant zu wissen, wie Quentin Tarantino mit Morricone über eben diese Western sprach. Ob der Amerikaner so gut vorbereitet war, dass er taktvoll den strittigen Begriff vermied? Oder war der Italiener gegenüber seinem Verehrer aus Hollywood großzügig? Egal. Fest steht, dass Ennio Morricone für Quentin Tarantinos Spaghetti-Western "Django Unchained", der gerade in den Kinos angelaufen ist, eine Original-Komposition beisteuerte. Womit sich für den Morricone-Verehrer Tarantino ein lang gehegter Wunsch erfüllte. Der Regisseur hatte bereits mehrfach versucht, den 84-Jährigen zu engagieren. Zuletzt für "Inglorious Basterds". Morricone lehnte damals ab, weil ihm der Zeitplan zu hektisch war, und Tarantino behalf sich, wie zuvor bei "Kill Bill I" und "II", mit ein paar alten, gebrauchten Morricone-Nummern.

Ehren-Oscar

Der "Django Unchained"-Soundtrack ist eine Art cooler Spaghetti-Western-Mix-CD. Er bietet alte Nummern von Genre-Könnern wie Luis Bacalov und Riz Ortolani, neue Tracks von Rick Ross, John Legend und Anthony Hamilton, sowie lässig eingestreute Dialog-Fetzen. Aber der Coup bleibt der neue Ennio-Morricone-Song "Ancora Qui". Der ist eine dieser wehmütigen Balladen, die Morricone schon immer lässig aus dem Ärmel schüttelte, gesungen und mitkomponiert von der Italienerin Elisa.

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"Django Unchained": Spaghetti-Western, leider etwas verkocht
Ennio Morricone ist einer der wichtigsten und erfolgreichsten Filmmusikkomponisten aller Zeiten. Für mehr als fünfhundert Filme lieferte der Römer Melodien, dazu kommen zahlreiche Avantgarde- und Poparbeiten. Es waren auch seine effektvollen Kompositionen, angereichert mit Pistolen-Schüssen und Peitschen-Knallen, die die Filme seines ehemaligen Mitschülers Sergio Leone, wie "Zwei glorreiche Halunken" oder "Spiel mir das Lied vom Tod", berühmt machten und bis heute als "definitive" Western-Soundtracks gelten. Aber dass Morricone darauf nicht reduziert werden mag, ist verständlich. Immerhin zauberte er für viele andere Filme mindestens so gute Melodien, so wie für "Clan der Sizilianer", "Es war einmal in Amerika" oder "Mission". Dass Ennio Morricone nie regulär für eine Filmmusik mit einem Oscar ausgezeichnet wurde (im Gegensatz zu Phil Collins!), ist ein grotesker Witz. Da half auch nicht der, angeblich auf Drängen von Robert De Niro, 2008 nachgereichte Ehren-Oscar.

Das Problem liegt vielleicht darin, dass der stolze Römer Ennio Morricone stets ablehnte, nach Hollywood umzuziehen. Ja, er weigert sich sogar, Englisch zu sprechen. Und behauptete sogar einst, dass er sich bei Aufträgen aus den USA weniger Mühe gebe. Eine Diva eben. Vermutlich wird ihn der Tarantino-Auftrag trotzdem gefreut haben.

Und vielleicht durfte der Amerikaner ja sogar ungestraft "Spaghetti-Western" sagen.

Forum

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insgesamt 22 Beiträge
1. Spaghetti?
metalazzy 18.01.2013
Wo ist denn das ein Spaghetti-Western? Weder sind maßgeblich Italiener an dem Film beteiligt, noch geht es um Italo-Amerikaner, nicht einmal um Hispanics. Mich würde es an Morricones Stelle auch mehr als anpiepen, wenn [...]
Zitat von sysopLange versuchte Quentin Tarantino, sich von Ennio Morricone, dem Großmeister wehmütiger Filmmusik, eine Melodie komponieren zu lassen. Dieser Wunsch ging nun für den Film "Django Unchained" in Erfüllung. Bleibt die Frage, ob Tarantino das verbotene Wort benutzte. Soundtrack zu Quentin Tarantino's Django Unchained - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/soundtrack-zu-quentin-tarantino-s-django-unchained-a-878196.html)
Wo ist denn das ein Spaghetti-Western? Weder sind maßgeblich Italiener an dem Film beteiligt, noch geht es um Italo-Amerikaner, nicht einmal um Hispanics. Mich würde es an Morricones Stelle auch mehr als anpiepen, wenn ein Film automatisch zum Spaghetti-Western würde, nur weil ich die Musik dafür komponiere.
2. Na na, besser hinschauen
h.pylori 18.01.2013
Das Bild C. Eastwood/M. Koch stammt aus dem Film "Für eine Handvoll Dollar". Aber dafür hat der Meister auch die Musik gemacht.
Das Bild C. Eastwood/M. Koch stammt aus dem Film "Für eine Handvoll Dollar". Aber dafür hat der Meister auch die Musik gemacht.
3. Morricone
gordito255 18.01.2013
Wegen Morricone werde ich mir den Film doch ansehen. Viele Filme habe ich mir nur wegen seiner Musik angeschaut. Von Tarantino bin ich eher nicht so begeistert.
Zitat von sysopLange versuchte Quentin Tarantino, sich von Ennio Morricone, dem Großmeister wehmütiger Filmmusik, eine Melodie komponieren zu lassen.
Wegen Morricone werde ich mir den Film doch ansehen. Viele Filme habe ich mir nur wegen seiner Musik angeschaut. Von Tarantino bin ich eher nicht so begeistert.
4. grob fahrlässig
alijak 18.01.2013
1. drittes foto in der fotostrecke ist nicht aus "the good, the bad and the ugly" (zwei glorreiche halunken). 2. 'spaghetti western' bezeichnen in italien gedrehte western, somit fällt "Once upon a time in the [...]
1. drittes foto in der fotostrecke ist nicht aus "the good, the bad and the ugly" (zwei glorreiche halunken). 2. 'spaghetti western' bezeichnen in italien gedrehte western, somit fällt "Once upon a time in the west" (Spiel mir das Lied vom Tod) genauso wie jetzt auch "Django Unchained" überhaupt nicht in diese kathegorie. diese filme nennt man "american western", gerade weil sie entgegen der tradition der spaghetti western in amerika gedreht wurden. wenn hier also jemand ennio morricone auf die palme bringen könnte, ist es wohl eher dieser artikel.
5.
loeweneule 18.01.2013
Für mich wiederum ist Tarantino ein würdiger Nachfolger von Sergio Leone (der zwar nicht den Ur-Django gemacht hat, aber einige meiner Lieblingsfilme), wenn noch Maestro Morricone hinzukommt, dürfte der Film für mich ein großes [...]
Zitat von gordito255Wegen Morricone werde ich mir den Film doch ansehen. Viele Filme habe ich mir nur wegen seiner Musik angeschaut. Von Tarantino bin ich eher nicht so begeistert.
Für mich wiederum ist Tarantino ein würdiger Nachfolger von Sergio Leone (der zwar nicht den Ur-Django gemacht hat, aber einige meiner Lieblingsfilme), wenn noch Maestro Morricone hinzukommt, dürfte der Film für mich ein großes vergnügen werden.

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