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26.02.2013
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Erstmals seit 1999

Weltweiter Musikmarkt wächst wieder

REUTERS

Sängerin Carly Rae Jepsen: Ihr "Call Me Maybe" war die bestverkaufte Single 2012

Einen "sauer verdienten Erfolg" nannte die Präsidentin des Branchenverbands das Plus von 0,3 Prozent, über das sich die Musikindustrie nach zwölf Jahren Umsatzschwund freut. Verantwortlich seien vor allem digitale Kanäle, unter denen besonders Streaming-Dienste rasant wachsen.

London/Hamburg - Nach Jahren des Umsatzrückgangs ist die Erleichterung groß bei den Branchenverbandssprechern und Plattenfirmenbossen: Um 0,3 Prozent stieg 2012 der globale Umsatz mit Musikaufnahmen gegenüber dem Vorjahr - das erste Jahr mit einem Umsatzzuwachs seit 1999. Seither brachen die CD-Verkäufe rapide ein, die vor 13 Jahren noch fast komplett verantwortlich waren für einen weltweiten Gesamtumsatz von 27,8 Milliarden Dollar.

Bei einer Pressekonferenz des internationalen Fachverbands IFPI in London freute sich nun dessen Chefin Frances Moore über einen Umsatz von 16,5 Milliarden Dollar im Jahre 2012: "Dies ist ein sauer verdienter Erfolg einer Branche, die innovativ war, gekämpft und sich über ein Jahrzehnt lang verändert hat."

Während CD-Verkäufe in den meisten Märkten weiterhin stark rückgängig sind (minus fünf Prozent weltweit), verzeichnen digitale Vertriebskanäle große Wachstumsraten, die die Verluste des physischen Tonträgerhandels auszugleichen beginnen. Insgesamt stiegen die Umsätze in den digitalen Bereichen um 9 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar - ein Anteil am Gesamtmarkt von 34 Prozent. In manchen Ländern, wie zum Beispiel Indien, Norwegen, Schweden und den USA, übersteigt der Anteil dieser "neuen" Formen von Einnahmen der Plattenfirmen schon den aus dem herkömmlichen Verkauf.

Innerhalb dieses digitalen Bereichs sind wiederum drei Kanäle zu unterscheiden:

"Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger, der bei Sony Music Entertainment das internationale Geschäft leitet. "Die Wahrheit aber ist, dass die Digitalisierung die Musik rettet." Er sehe in den Zahlen den Beginn einer globalen Wachstumsgeschichte, zumal die Leute "Smartphones mehr zum Musikhören als zum Telefonieren" nutzten, so Berger.

In einem eigenen Statement zu den IFPI-Zahlen schlägt der Präsident des deutschen Bundesverbands Musikindustrie, Dieter Gorny, allerdings warnende Töne an. Er sieht weiterhin "die illegale Nutzung von Musik im Netz" als "größte Wachstumsbremse" an und fordert für den Bundestagswahlkampf von der Politik eine Debatte um einen "Digital New Deal". Genaue nationale Umsatzzahlen gab der Bundesverband bisher noch nicht bekannt, Gorny spricht von einem "vorsichtigen Trend zur Marktstabilisierung".

Am erfolgreichsten waren oft die lokalen Musiker. So waren in Italien, Spanien und Schweden acht der zehn meistverkauften Alben von einheimischen Künstlern, in Deutschland waren es sieben. Weltweit am häufigsten verkauft wurde 2012 ein Album aus dem Jahre 2011, nämlich Adeles "21"; es folgen "Red" von Taylor Swift und die Alben "Up All Night" und "Take Me Home" der Teenie-Band One Direction. Deutlich älter dürften die Käufer der Nummer sieben in dieser Liste gewesen sein, dem Album "Rod Stewart" von Rod Stewart.

12,5 Millionen Mal wurde 2012 die erfolgreichste Single verkauft, nämlich "Call Me Maybe" von der kanadischen Sängerin Carly Rae Jepsen. Auf den Plätzen folgen "Somebody That I Used to Know" von Gotye und "Gangnam Style" von Psy.

feb/Reuters/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
1.
Mach999 26.02.2013
---Zitat--- "Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger, der bei Sony Music Entertainment das internationale Geschäft leitet. [...]
---Zitat--- "Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger, der bei Sony Music Entertainment das internationale Geschäft leitet. ---Zitatende--- Wenn der Herr Berger mit "allgemein" sich und die anderen Top-Verwalter der Musikindustrie meint, mag das stimmen. Wer sich damals schon seriös damit beschäftigt hat, kann Bergers Einschätzung definitiv nicht teilen. Aber die Musikverwalter seines Schlages waren ja lange nur daran interessiert, jegliche Innovation zu verhindern, statt sich auf die geänderte Situation einzustellen. Es hat Jahre gedauert, bis die ersten legalen Download-Plattformen aufgebaut worden sind.
2.
silberstern 26.02.2013
Naja vor dem Hintergrund der Umsatzeinbrüche ist es schon verständlich, dass die MI solange gemauert hat. Da sind einige Milliarden mehr rumgekommen.
Zitat von Mach999Wenn der Herr Berger mit "allgemein" sich und die anderen Top-Verwalter der Musikindustrie meint, mag das stimmen. Wer sich damals schon seriös damit beschäftigt hat, kann Bergers Einschätzung definitiv nicht teilen. Aber die Musikverwalter seines Schlages waren ja lange nur daran interessiert, jegliche Innovation zu verhindern, statt sich auf die geänderte Situation einzustellen. Es hat Jahre gedauert, bis die ersten legalen Download-Plattformen aufgebaut worden sind.
Naja vor dem Hintergrund der Umsatzeinbrüche ist es schon verständlich, dass die MI solange gemauert hat. Da sind einige Milliarden mehr rumgekommen.
3.
twan 26.02.2013
Ich denke, dass ist so zu kurz gedacht. mMn wäre der Umsatzeinbruch ab 99 ja so nicht geschehen, wenn direkt nach aufkommen von Napster die MI ihre eigene legale Downloadplattform eingerichtet hätte. Hätte man x Jahre vor [...]
Zitat von silbersternNaja vor dem Hintergrund der Umsatzeinbrüche ist es schon verständlich, dass die MI solange gemauert hat. Da sind einige Milliarden mehr rumgekommen.
Ich denke, dass ist so zu kurz gedacht. mMn wäre der Umsatzeinbruch ab 99 ja so nicht geschehen, wenn direkt nach aufkommen von Napster die MI ihre eigene legale Downloadplattform eingerichtet hätte. Hätte man x Jahre vor Jobs einen Shop eröffnet und den populär bekommen, wäre man diese x-Jahre eher in das Wachstum gekommen. Jetzt sich hinzustellen, nachdem Apple(halt ich nichts von der Firma, ist aber Tatsache) die ganze Arbeit gemacht und zu sagen es war ein schwerer Kampf oder so ähnlich klingt ziemlich albern.
4.
räbbi 26.02.2013
"Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger Die Musik töten - Dolchstoß oder wie? Erde an Ede, Erde an Ede...deine Industrie ist [...]
"Zu Beginn der digitalen Revolution hieß es allgemein, die Digitalisierung wird die Musik töten", sagte Top-Manager Edgar Berger Die Musik töten - Dolchstoß oder wie? Erde an Ede, Erde an Ede...deine Industrie ist nicht der Nabel der Welt. ;) Imho sollte man erstmal berücksichtigen dass es noch andere Ursachen für den Umsatzrückgang gab. So grob um 99 erschienen für die breite Masse Dinge auf dem Markt wie Handy, DVDs, Internet. Plötzlich so viele Möglichkeiten sein Taschengeld zu verbraten, neben der guten alten Musik-CD. Jetzt wo die Musikindustrie halbwegs im 21. Jh angekommen ist, wird's auch langsam wieder. Auch wenn die guten alten Zeiten vorbei sind. Die Deutschen sind hier aber schnarchnasig wie immer - in den USA werden inzwischen beispielsweise youtube-klicks bei den Single-Charts mit berücksichtigt - bei uns wird dagegen geblockt. Eine Hit-Single vorbei an der Industrie - ja wo kämen wir denn da hin. Völlig undenkbar.
5. Wachstum?
tarlas 26.02.2013
Wachstum vielleicht in Dollar gerechnet. In Euro war das doch wohl eher ein Minus. Aus Währungsschwankungen ein Plus zu zaubern das kann nur die Musikindustrie.
Wachstum vielleicht in Dollar gerechnet. In Euro war das doch wohl eher ein Minus. Aus Währungsschwankungen ein Plus zu zaubern das kann nur die Musikindustrie.

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