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Kultur

Festliche Klassik

Wenn das Blech glänzt und Streicher vibrieren

Zu Weihnachten brillieren meist Bläser und samtige Streicher. Ein wenig gegensteuern kann man mit historischen Mozart-Aufnahmen von Hans Rosbaud und strahlenden Fanfaren mit Matthias Höfs.

Dörte Ebermann
Von
Sonntag, 16.12.2018   10:26 Uhr

Weihnachtsmusik? Feines Blech, na klar. Aber es muss nicht immer Barockes von Bach, Vivaldi oder Torelli sein. Um etwa die Familie während der Bescherung akustisch zu erfrischen, kann man zur CD "Kind Of Gold" (Berlin Classics) vom Trompeter Matthias Höfs greifen, der mit schmetternden Fanfaren, einem ungewöhnlichen Programm und kompetenten Kollegen in die Vollen geht.

Richard Strauss, Igor Strawinski, Leos Janácek liefern für den Bescherungs-Kick spektakuläre, oft witzig-charmante Werke, dazu schütteln Itaru Sakai und Wolf Kerschek die musikalischen Weihnachtserwartungen kräftig durch. Keine Atmosphäre-Beschallung, zuhören ist angesagt. Auch den kurzen Stücken, es wurde ein echtes Gegenprogramm zum tönenden Feiertagseinerlei.

Matthias Höfs, 1965 in Lübeck geboren, seit 2000 auch Professor an der Musikhochschule Hamburg, wirkte in vielen Ensembles und Orchestern mit. Bis zu seiner Lehrberufung war er erster Solo-Trompeter beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Sein breites Repertoire und die stilistische Vielfalt des Spiels prägten seine eigenen Produktionen von 1995 bis heute.

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Strauss, Strawinsky und Jazz

Auf "Kind Of Gold" interpretieren Matthias Höfs und sein vielköpfiges Ensemble, zu dem neben den Trompeten auch Posaunen, Tuben und Pauken gehören, vor allem Fanfaren und die Experimente, die Komponisten mit dieser Form erdachten. Was bei Richard Strauss ("Festmusik der Stadt Wien") und selbst bei Igor Strawinskis Ausflügen ins Feiertägliche durchaus einen heimeligen Mainstream-Sound verbreitet,

Komponist Wolf Kerschek jedoch, der hier "The Trumpet Shall Sound" und "Space Heroes" beisteuert, spielt in seiner Musik mit dunklen, suchenden Klangtupfern, von denen er zu Jazz-Reminiszenzen und zeitgenössisch-eruptiven Momenten aus der Filmmusik-Klaviatur gelangt: Man beginnt immer mehr, den Klang förmlich zu sehen.

Kein Wunder, Kerschek, der auch Piano, Vibraphon und Marimba beherrscht und darüber hinaus mit Studiotechnik vertraut ist, kann als stilistischer Tausendsassa raumgreifend beeindrucken. Ein wenig plakativ und effektverliebt, aber nie langweilig. "The Trumpet Shall Sound": Musik zum Konzentrieren. Und ein Multitalent, mit dem die weitere Beschäftigung lohnt.

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Kontraste: Festliches von Höfs und Rosbaud

Ein dickes, zeitlos gültiges Mozart-Paket serviert die "SWR Classics"-Reihe im Rahmen ihrer Hans-Rosbaud-Edition: Auf neun CDs werden maßgebliche historische Einspielungen des österreichischen Dirigenten (1895-1962), der 1948 bis 1962 das SWF Symphonieorchester Baden-Baden leitete, in klangtechnisch voll befriedigender Aufbereitung zusammengefasst. Rosbaud war keineswegs nur der Gralshüter der Klassik, er war Wegbereiter der avantgardistischen Donaueschinger Musiktage, bis heute ein international bedeutendes Festival für Avantgarde.

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Gulda erinnert an Gould

Nicht nur Rosbauds bekannt strenge und akribisch werktreue Interpretationen können bis heute begeistern, auch die hier beteiligten Solisten lohnen das Wiederhören. Allein die drei Klavierkonzerte auf CD Nummer zwei sind jedes für sich ein Kleinod, ermöglichen sie doch einen Vergleich vom jungen Friedrich Gulda (Nr. 14 Es-Dur), der technisch brillanten Monique Haas (Nr. 21 C-Dur) und dem im Finalsatz geradezu wild aufspielenden Robert Casadesus (Nr. 23 A-Dur).

Guldas fingerfertiger Rausch, der fast schon an spätere Rasanz vom Mozart-Verächter Glenn Gould gemahnt, kontrastiert wunderbar mit der innigen, makellosen Durchleuchtung der französischen Virtuosin Monique Haas (1909-1987), die dem Dirigenten fast ein wenig enteilt. Ihr Anschlag und das kühle Feuer ihres Ausdrucks beeindrucken bis heute. Vielleicht die besten Aufnahmen der Box.

Hans Rosbauds Interpretationen der bekannten Sinfonien lassen trotz seiner übertreibungsfreien Lesart greifen dennoch alle Emotionen und Stimmungskontraste mitreißend auf: Mozarts schäumender Witz und Mozarts Biss ergänzen sich zu einem zeitlos gültigen Bild. Eine dankenswerte Edition, gerade auch für Liebhaber, die schon fast alles haben.

insgesamt 3 Beiträge
In-Golf 16.12.2018
1. Also wenn Mozart, dann Karl Böhm und die Berliner Symphoniker.
Und zu Weihnachten das Requiem von 1791 (Mozart/Süßmayr), Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernchor, Dirigat ebenfalls Böhm.
Und zu Weihnachten das Requiem von 1791 (Mozart/Süßmayr), Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernchor, Dirigat ebenfalls Böhm.
cremuel 17.12.2018
2.
Wenn einen Satz mit "Also wenn Mozart..." anfängt, dann kann nichts Gescheites mehr hinterherkommen. Das fragliche Orchester heißt übrigens nicht "Symphoniker". Und was das mit Rosbaud zu tun haben soll? [...]
Zitat von In-GolfUnd zu Weihnachten das Requiem von 1791 (Mozart/Süßmayr), Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernchor, Dirigat ebenfalls Böhm.
Wenn einen Satz mit "Also wenn Mozart..." anfängt, dann kann nichts Gescheites mehr hinterherkommen. Das fragliche Orchester heißt übrigens nicht "Symphoniker". Und was das mit Rosbaud zu tun haben soll? Aber ok, Sie hatten den Namen noch nie gehört, wollten aber trotzdem was Symphonisches beisteuern.
helisara 19.12.2018
3.
Geben Sie doch Bruno Walter, Rafael Kubelik und Erich Kleiber eine Chance. Das Requiem zu Weihnachten? Besser die Krönungsmesse. Und die "Weihnachtsmusik" schlechthin wurde von Bach komponiert.
Zitat von In-GolfUnd zu Weihnachten das Requiem von 1791 (Mozart/Süßmayr), Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernchor, Dirigat ebenfalls Böhm.
Geben Sie doch Bruno Walter, Rafael Kubelik und Erich Kleiber eine Chance. Das Requiem zu Weihnachten? Besser die Krönungsmesse. Und die "Weihnachtsmusik" schlechthin wurde von Bach komponiert.

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