Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

"Einfach widerwärtig"

Außenminister Maas nennt Echo-Verleihung an Rapper beschämend

"Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient": Außenminister Maas fand jetzt deutliche Worte für die Echo-Würdigung der Rapper Farid Bang und Kollegah.

AFP

Heiko Maas

Freitag, 13.04.2018   18:03 Uhr

Im Album der Rapper Kollegah und Farid Bang finden sich Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Die beiden umstrittenen Musiker wurden dennoch für das Werk "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet.

SPD-Außenminister Heiko Maas hat die Preisverleihung der Musikwirtschaft nun scharf kritisiert. "Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient, sie sind einfach widerwärtig", schrieb er. "Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend." Ähnlich äußerte sich Peter Maffay bei "Bild.de". Die Auszeichnung erfolgte am 12. April, an dem vor allem Israel an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden erinnert.

Maas würdigte auch den Auftritt von Toten-Hosen-Sänger Campino bei der Preisverleihung. "So wie #Campino müssen wir uns schützend vor jüdisches Leben stellen - jeden Tag und überall", schrieb er. Campino hatte gesagt, Provokation sei zwar ein wichtiges Stilmittel. Bei einer frauenfeindlichen, homophoben, rechtsextremen oder antisemitischen Form sei aber eine Grenze überschritten.

Antisemitismus-Beauftragter: Kunstfreiheit missbraucht

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bezeichnete die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen". Gerade erst entstehe in Deutschland die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen". Mitten in diese Debatte falle nun diese Auszeichnung von Musik, "die jene Phänomene zu befördern vermag". Mit "ihren menschenverachtenden Botschaften" erreichten die beiden Rapper Millionen meist junger Menschen.

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnete die Texte als "hervorragendes Fallbeispiel" für Bildungsarbeit - gewissermaßen als Beispiel für "So nicht". Gleichzeitig teilte er die Kritik an den Texten und die Sorgen um ihre Breitenwirkung: "Wenn Jugendidole wie Kollegah und Farid Bang antisemitische Texte rappen, hat das selbstverständlich eine besondere Kraft und Wirkung auf Jugendliche."

Farid Bang: "Wir sind die Gewinner"

"Wir sprechen hier nicht über politische Meinungen, sondern wir sprechen über Musik, über Kunst. Es ist natürlich ein dehnbarer Begriff und natürlich ist uns bewusst, dass wir eine bestimmte Grenze überschritten haben", hatte Farid Bang vor der Gala gesagt. "Die Absicht dahinter war niemals negativ, sondern höchstens vielleicht ein bisschen fahrlässig", versuchte er, sich zu rechtfertigen.

Weder am roten Teppich noch auf der Bühne ließ sich das Duo auf eine inhaltliche Debatte ein. Nach Kritik von Toten-Hosen-Sänger Campino sagte Kollegah: "Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen." Später warf er Campino vor, sich als moralische Instanz aufgespielt zu haben. Farid Bang sagte dem Sender Vox: "Wir feiern heute, und wer sich jetzt noch aufregen will, dass wir den Echo bekommen haben, der soll es machen. Wir sind die Gewinner."

So etwas verletzte nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien, sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. "Das missbraucht die Kunstfreiheit und ist inakzeptabel." Einer Veranstaltung wie der Echo-Preisverleihung sei das nicht würdig.

apr/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP