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Kultur

Wegen Preis für Kollegah und Farid Bang

Nächster Künstler gibt Echo zurück

Der Skandal um die Echo-Vergabe weitet sich aus: Nach dem Notos Quartett gibt auch der für sein Lebenswerk geehrte Klaus Voormann den Preis zurück. Er sieht sich hinters Licht geführt.

Getty Images
Montag, 16.04.2018   17:21 Uhr

In der kommenden Woche feiert der Musiker und Grafiker Klaus Voormann seinen 80. Geburtstag. Den Echo für sein Lebenswerk, vergangenen Donnerstag aus den Händen von Wolfgang Niedecken entgegengenommen, hatte er als ganz besonderes Geburtstagsgeschenk angesehen. Vor allem hatte ihn gefreut, dass nicht die Verkaufszahlen, sondern seine künstlerische Leistung gewürdigt wurde.

Doch diese Auszeichnung entpuppt sich "nun als große Enttäuschung", wie Voorman in einem Statement schreibt, in dem er die Rückgabe des Preises bekannt gibt. Voormann gilt als einer der besten Bassisten seiner Ära. Er arbeitete mit John Lennon, Lou Reed und Manfred Mann zusammen. Für das Beatles-Album "Revolver" zeichnete er das Cover.

Er habe sich mit der Entscheidung ganz bewusst Zeit gelassen, habe die Texte des umstrittenen Albums von Farid Bang und Kollegah gelesen, um sich so eine fundierte Meinung bilden zu können. Mit der Rückgabe des Preises wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen."

Vergangenen Donnerstag hatten die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah für ihr Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" einen Echo erhalten. Darauf finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Zum Ende der Gala feierten sie sich mit einem für die Show geschriebenen Song auf der großen Bühne.

Das hatte bereits im Vorfeld und während der Veranstaltung für harsche Kritik gesorgt. Außenminister Heiko Maas bezeichnete die Preisvergabe anschließend als beschämend. Der Bundesverband der Musikindustrie als Veranstalter kündigte eine Überarbeitung des Konzepts an.

Kritik an "martialischer Performance"

Am Wochenende gab dann das im vergangen Jahr mit dem Echo-Klassik-Nachwuchspreis ausgezeichnete Notos Quartett aus Protest seinen Preis zurück. Am Montag folgte nun Klaus Voormann.

In seinem Statement geht Voormann hart mit der Musikindustrie ins Gericht, weil diese nicht nur den Preis verliehen, sondern den Rappern auch noch "eine martialische Performance" bei der Gala ermöglicht habe. "Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen zu lassen, indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat - und das, obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben -, zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung", schreibt er.

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Echo-Verleihung: Nach dem Glitzer kommt der Skandal

Ähnlich äußerte sich der Sänger Peter Maffay nur wenig später auf seiner Facebook-Seite. Er fordert einen Rücktritt der Verantwortlichen: "Zur Tagesordnung jetzt überzugehen, geht nicht. Es muss eine Aufarbeitung geben."

Die Verleihung sei gerade angesichts der deutschen Vergangenheit eine "Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land", so Maffay. Zudem habe sich der Echo zu einem reinen Vermarktungsmodell entwickelt. "Es geht um Geld, um Marktanteile und um Selbstdarstellung. Die Künstler selbst sind nur noch Statisten."

brs/dpa

insgesamt 100 Beiträge
Tylenol 16.04.2018
1. Weiter so
Gut so. Es müssen noch viele folgen. Ich verstehe nicht, warum keiner der Preisträger auf offener Bühne abgelehnt hat. Auf den Boden in Scherben mit dem Skandalpreis und einen Aufruf zum Verlassen des Saals. Das wäre eine gute [...]
Gut so. Es müssen noch viele folgen. Ich verstehe nicht, warum keiner der Preisträger auf offener Bühne abgelehnt hat. Auf den Boden in Scherben mit dem Skandalpreis und einen Aufruf zum Verlassen des Saals. Das wäre eine gute Reaktion gewesen. Aber für das gute Gewissen der Kulturschaffenden im Saal reicht es ja vielleicht demnächst einen antirassistischeb Sticker zu tragen. Tut keinem weh, man schadet sich nicht und man ist auf der richtigen Seite. Von niemandem, der oder die dort genüsslich im Saal saßen und später dann auf der Party Schampus verköstigt haben möchte ich noch irgendein Moralgefasel hören. Eure Chance war da. Verpasst!
f-rust 16.04.2018
2. nicht nur Echo-Verleiher,
sondern auch der übertragende TV-Sender sollten zur Verantwortung gezogen werden.
sondern auch der übertragende TV-Sender sollten zur Verantwortung gezogen werden.
sol7 16.04.2018
3. Und wer war es?
Vielleicht kann Spon endlich mal aufklären, wer die Mitglieder der Jury sind, statt zum 5ten Mal halbgare Artikel zu dieser Sache zu veröffentlichen.
Vielleicht kann Spon endlich mal aufklären, wer die Mitglieder der Jury sind, statt zum 5ten Mal halbgare Artikel zu dieser Sache zu veröffentlichen.
deglaboy 16.04.2018
4. Es geht hier wie anderswo...
immer nur um drei Dinge: Geld, Geld und nochmal Geld. Egal wie, so what?
immer nur um drei Dinge: Geld, Geld und nochmal Geld. Egal wie, so what?
butzibart13 16.04.2018
5. Alle Achtung
Klaus Voormann ehemalig bei Manfred Mann hat mit seinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen. Man hat ihn in der Tat hinters Licht geführt. Ein begnadeter und reflektierender Musiker.
Klaus Voormann ehemalig bei Manfred Mann hat mit seinem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen. Man hat ihn in der Tat hinters Licht geführt. Ein begnadeter und reflektierender Musiker.
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