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Kultur

Mörderpärchen im Kino

Diese Killer haben den "Tatort" inspiriert

Ein junges Pärchen mordet sich durch Köln - und schwärmt von Bonnie und Clyde. Der "Tatort" am Sonntag zitierte gekonnt die Kinogeschichte. Hier die bösesten Killerduos, von den "Honeymoon Killers" bis zum "Doberman".

WDR/ Thomas Kost
Von
Montag, 29.02.2016   09:43 Uhr

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Komm, wir machen es so, wie wir es im Kino gesehen haben! Im ungewohnt poppig und explizit inszenierten "Tatort" aus Köln liebten und schossen sich das Plattenbaukind Adrian (Rick Okon) und die reiche Tochter Laura (Ruby O. Fee) durch die Stadt - und zitierten dabei berühmte Antihelden der Filmgeschichte.

Immer wieder wurde auf Bonnie und Clyde angespielt, das Gangsterpärchen, das Anfang der Dreißigerjahre durch Raubüberfälle berühmt wurde und durch Arthur Penns Gangsterballade aus dem Jahr 1967 zum Mythos.

Im wahren Leben wie im Film wurde das Pärchen auf der Flucht in ihrem Ford von den Maschinenpistolen der sie verfolgenden Polizisten zersiebt. Angesichts dieses Endes schlägt der Junge im "Tatort" seiner Freundin vor, sich doch lieber an Mickey und Mallory aus Oliver Stones "Natural Born Killers" von 1994 zu halten. Die sind nämlich mit dem Leben davon gekommen.

Im Kino findet also jeder, was er braucht, um der eigenen Geschichte die richtige Richtung zu geben. Hier fünf weitere Filme mit Killerpaaren, die den filmhistorischen Resonanzraum des Zitat-"Tatort" mitgeprägt haben.

1. "Pierot le fou" (1965)

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Belmondo und Karina in "Pierot le fou": Wunderschön zitiert

1965 war der große Jean-Luc Godard seiner Zeit mal wieder mindestens 30 Jahre voraus. Postmodernes Popkino? Er hat es erfunden, ohne es so zu nennen. Für "Pierot le fou" schickte er Jean-Paul Belmondo als gelangweilten Wohlstandsdandy mit Anna Karina auf einen Roadtrip Richtung Südfrankreich, wo Kugeln und Zitate gleichermaßen durch die Luft fliegen. Dazu gibt es Gedanken über Faulkner, Van Gogh und Browning. "Pierot le fou" zeigt: Killer couple movies waren auch immer schon Zitatgewitter. Mitten drin dann, auf einer extrem langweiligen Party, gibt der US-Regisseur Sam Fuller während eines Cameo-Auftrittes seine inzwischen berühmte Maxime zum Besten: "Ein Film ist wie ein Schlachtfeld. Liebe, Action, Hass, Gewalt. Mit einem Wort: Gefühl." Ein Glaubenssatz, der im Besonderen für Filme mit Killer-Pärchen gilt.

2. "The Honeymoon Killers" (1969)

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Stoler und Lo Bianco in "The Honeymoon Killers": Schlicht und effizient

Wer zeigen will, wie hässlich und kalt die Welt ist, braucht hässliche Darsteller und kalte Bilder. So wohl die Idee von Regisseur Leonard Kastle, als er 1969 die Regie des Projekts übernahm, für das zuvor Martin Scorsese im Gespräch gewesen war. In diesem schlichten, aber effizienten Schwarzweißfilm tut sich ein Heiratsschwindler (Tony Lo Bianco) mit einer übergewichtigen Krankenschwester (Shirley Stoler) zusammen, um alleinstehende Frauen auszurauben und zu ermorden. Reales Vorbild für "The Honeymoon Killers" war das als "Lonely Heart Killers" bekannt gewordene Paar, das 1951 nach zwölf Morden in Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde. Der Film war bei der Erstauswertung ein Flop, inzwischen wird er ehrfürchtig von einer Generation von Trash-Fans an die nächste weitergegeben.

3. "Badlands" (1973)

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Spacek und Sheen in "Badlands": Liebe ist genügsam, Liebe ist grausam

Die poetischste Variante zum Thema Liebe auf der Flucht. Der 25-jährige Kit (Martin Sheen als James-Dean-Lookalike) bringt im Streit den Vater seiner 15-jährigen Freundin Holly (Sissy Spacek) um. Das Haus wird abgefackelt, im Wald bauen sie sich ein Baumhaus. Liebe ist genügsam, Liebe ist grausam: Als Behörden die Verfolgung aufnehmen, fliehen die beiden und hinterlassen eine Blutspur. Regisseur Terrence Malick ("Tree of Life") ist bekannt dafür, dass er seine Figuren nicht erklärt und erst recht nicht nach ihrer Moral fragt; in seinem Debüt gab er sich ganz der gefährlichen Dynamik der amour fou hin. Wahrscheinlich der Film, der die Verantwortlichen des Kölner "Tatort" am stärksten inspiriert hat.

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Bellucci und Cassel in "Doberman": Haarspray und Knarren für alle!

4. "Doberman" (1997)

Unter den Rock, durch die Wand: Die Kamera in diesem forciert geschmacklosen Bildgewitter imitiert sowohl Spannerblicke als auch die Flugbahn von Waffengeschossen. Die ultrabrutale Romanze zwischen einem Gewaltverbrecher und einer taubstummen Schönheit - mit viel Haarspray und Kunstblut inszeniert - wurde in Deutschland von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Die beiden Hauptdarsteller Vincent Cassel und Monica Belucci, die auch im wirklichen Leben ein Paar waren, wurden zu Stars und lieben seitdem den provokanten Auftritt. 2011 traten sie noch mal gemeinsam in dem Vergewaltigungsschocker "Irreversibel" auf, bei dem man ebenfalls besser nicht nach einem tieferen Sinn fragt.

5. "Perdita Durango" (1997)

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Javier Bardem in "Perdita Durango": Fratze des Bösen

Die mexikanische Hardcore-Variante des killer couple movies. Die Prostituierte Perdita (Rosie Perez) und der Kriminelle Romeo (Javier Bardem) tun sich zusammen, legen sich mit Gangsterbossen an und entführen dann ein US-Teenagerpärchen, das sie vergewaltigen. Das Drehbuch stammt von Barry Gifford, der unter anderem auch die Vorlage zu David Lynchs "Wild at Heart" lieferte. Pop? Kunst? Psychoanalyse? Schwer zu sagen, was dieser Sadismusthriller mit Surfsoundtrack eigentlich sein will. Aber Bardem und Perez haben sich als fieseste Fratzen des Bösen einen festen Platz in der Filmgeschichte erekelt.

insgesamt 37 Beiträge
!!!Fovea!!! 29.02.2016
1. Wie immer
langweilig und vor allem verdammt vorhersehbar. 90 Min. Lebenszeitverschwendung, zwangsalimentiert durch den Steuerzahler. Kann die KEF nicht mal hochrechnen, wieviel der ÖR sparen würde, wenn man die Tatorte mal um die [...]
langweilig und vor allem verdammt vorhersehbar. 90 Min. Lebenszeitverschwendung, zwangsalimentiert durch den Steuerzahler. Kann die KEF nicht mal hochrechnen, wieviel der ÖR sparen würde, wenn man die Tatorte mal um die Hälfte reduzieren würde? Man wird mit billigen Inhalten gerade so überschüttet, dass es mir immer schwerer fällt den Unterschied zwischen ÖR und Privat-TV zu erkennen. Und bitte, lasst mich bloß mit den ungeistigen Kommentaren in Ruhe: "Es gibt ARTE und 3SAT o.a.". Ich schreibe den Verfechtern des ÖR auch nicht, schaut Spiegel TV anstatt Dschungelcamp.
Peter Boots 29.02.2016
2. Badlands -- Martin Sheen ist kein James Dean
Martin Sheen in Badlands ist nach dem reelen serial killer Charles Starkweather gestylt, der sich nach Dean gestylt hat. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. http://murderpedia.org/male.S/images/starkweather/stark_160.jpg
Martin Sheen in Badlands ist nach dem reelen serial killer Charles Starkweather gestylt, der sich nach Dean gestylt hat. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. http://murderpedia.org/male.S/images/starkweather/stark_160.jpg
-seltsam- 29.02.2016
3. guter tatort,
aber kein herausragender. dialoge und inszenierung waren nur durchschnitt. nichts kann überschatten, wie überaltert die kommissare schon sind. Als Behrend auf dem dach steht und sein "endet hier und jetzt" spruch [...]
aber kein herausragender. dialoge und inszenierung waren nur durchschnitt. nichts kann überschatten, wie überaltert die kommissare schon sind. Als Behrend auf dem dach steht und sein "endet hier und jetzt" spruch bringt, hat das eine wirkung wie valium. auch Bär reisst keine bäume mehr aus. die besten zeiten sind vorbei und es wäre schade, hörten sie zu spät auf. es wird nicht leicht sie zu ersetzen, denn sie waren ein tolles team und wir haben uns sehr gern an sie gewöhnt. ich glaube aber, es wird zeit für veränderung im kölner tatort.
ed_tom_bell 29.02.2016
4. Lebensentwürfe aus der Traumfabrik
Ich muss gestehen, dass ich die hier vorgestellten Filme alle nicht kenne. Einer der für mich beeindruckendsten Aspekte dieses "Tatorts" war aber sicher, dass er so stylisch, popkulturig begann (dass es mich fast schon [...]
Ich muss gestehen, dass ich die hier vorgestellten Filme alle nicht kenne. Einer der für mich beeindruckendsten Aspekte dieses "Tatorts" war aber sicher, dass er so stylisch, popkulturig begann (dass es mich fast schon abstieß), um dieses Bild dann konsequent zu demontieren und in Tristesse zu ertränken. Eine sicher exemplarische Entwicklung in dieser Gesellschaft der sozialen Schieflage, die hier besonders gelungen verdichtet wurde. Und dabei sogar das Scheitern an beiden Enden der sozialen Leiter zeigte: das des Sprosses aus prekären Verhältnissen, der nichts erreichen, nicht mal eine realistische Richtung erkennen kann, so sehr er sich auch anstrengt, und gar nichts anderes wollen kann als der Realität, in der er lebt, zu entfliehen. Und die der bis zur Neurose verhätschelten, verkorksten Göre, eines bedauernswert rückgratlosen Edelgezüchts aus vermeintlich soliden Verhältnissen, dem sogenannten "guten Hause", das die Realität gar nicht kennen kann, weil sie aus falsch verstandener Mutterliebe immer von ihr ferngehalten wurde. Wenngleich der Aufprall naturgemäß für ersteren härter war. Von Anfang an. Aber man weiß nicht wie es für das Mädchen weiter geht. Und auch nicht was aus der Mutter des Jungen wird. Ein "Tatort" der nachhallt.
HansPa 29.02.2016
5. Nicht zu vergessen
Die musikalische Kopie/Abwandlung von "spiel mir das Lied von Tod" in den Szenen wo Henry Fonda seine eigenen Leute umbringen muss, weil sie ihn töten wollen.
Die musikalische Kopie/Abwandlung von "spiel mir das Lied von Tod" in den Szenen wo Henry Fonda seine eigenen Leute umbringen muss, weil sie ihn töten wollen.

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