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Kultur

"PussyTerror TV"

"Ich habe mir die Scheide gestoßen!"

Carolin Kebekus, die Frau für den Grobwitz, geht mit "PussyTerror TV" in die nächste Staffel. Und kann dabei wie immer keinen Schniedelwitz liegen lassen.

WDR/ Frank Dicks

Carolin Kebekus

Von
Freitag, 17.03.2017   07:43 Uhr

Ach, wenn nur die Schniedeleien nicht wären. Jene tiefsegelnden Arschbomben, deren Platschergespritz man schon von Weitem kommen sieht. Wenn Carolin Kebekus in einer nicht sehr lustigen Parodieeinlage Melania Trump nachahmt und natürlich darauf abzielt, dass sie in ihrem New Yorker Donald-Exil eine Affäre mit einem Sicherheitsbeamten unterhält. "Jack hat Pistole immer geladen für Melania!", sagt die Präsidentengattin mit Billo-Russenakzent. Genital, nicht genial.

Solche innerlichen Augenverdreher hat man auch zum Auftakt der dritten Staffel von "PussyTerror TV" reichlich. Wenn Kebekus statt des stumpfesten "Bachelors" aller Zeiten lieber seine Kandidatinnen disst: "Für welche Nutte entscheidet er sich wohl?" Melania Trump als vom Gatten eigenschnäuzig aufgeblasene Gummipuppe bezeichnet. Oder die Einführung einer "Bundespussy" fordert, die im Falle einer Merkel-Abwahl sicherstellt, dass es in Deutschland für die wichtigen Belange Politik, Wirtschaft und Fußball immer eine Frau gibt, die sich ungebeten einmischt.

Schon klar, das sind die breitbeinigen, beule-eierigen Solidaritätsköder für die männlichen Zuschauer. Wie viel angenehmer der mettigelige Kebekus-Humor daherkommt, wenn er sich zwischendurch zur Abwechslung auf die Seite der Frauen schlägt und zum Beispiel dem polnischen EU-Parlamentarier Janusz Korwin-Mikke eins überbrät, der öffentlich sagte, das Pay Gap zwischen den Geschlechtern gehe schon in Ordnung, denn Frauen seien nun mal kleiner, schwächer und dümmer. Oder wenn Kebekus die Initiative "Heel the World" ausruft, die dafür Sorge trägt, dass keine Frau mehr auf flachen Schuhen daherwatschelt, und darum prophylaktisch schon die weichen, formbaren Füßchen kleiner Mädchen in Form quetscht.

Der Haltungsfaden fehlt

Man kann Kebekus mögen, weil sie die Schmackes-Humorette ist, die wahllos jedem einen Schwinger verpasst. Man kann es aber auch schade finden, dass in "PussyTerror TV" der rote Haltungsfaden fehlt. Oder sich eben über die Beiträge freuen, die sich auf keine Seite schlagen: Die lustige Geburtstagsehrung an H.P. Baxxter, bei der sie Scooter-Hits in Arien und Kunstliedgesang übersetzt. Oder den Poledance-Kurs, den sie in alter "Raab in Gefahr"-Manier zusammen mit Pierre M. Krause absolviert. Er hat seine ulkigen Momente. Zumindest, bis es auch hier wieder extrem absehbar platscht. Natürlich sagt Krause: "Endlich mal eine harte Stange zwischen den Beinen." Natürlich sagt Kebekus: "Aua, ich habe mir die Scheide gestoßen!" Und fantasiert bei Aufbauübungen mit Arme-Strecken: "Ich fasse einem sehr großen Mann an die Eier."

Dann kommt Tim Bendzko, den die Gastgeberin in der zweiten Staffel für seine weinerlich-weisen Texte noch ordentlich veräppelt hatte. Die neue Single, die er nun vorstellen darf, findet Kebekus aber plötzlich echt gut, und zusammen singen sie ihn im Duett mit leicht veränderten Zeilen: "Lasst euch nicht täuschen / Tim Bendzko ist in Wahrheit mein Held." Lame!

Wirklich lustig wird es erst am Ende, als Bendzko und Krause gegeneinander im Gangster-Rap-Quiz antreten und nach drei vorgegebenen Strophen den nächsten Vers raten müssen. Die Absurdität der vorgegebenen Wahlmöglichkeiten ist herrlich, bei jeder Frage kann man sich köstlich darüber amüsieren, dass einer der Brachialreime tatsächlich existiert. Und dass Kollegahs Zeile "Dein Jahreslohn reicht gerade so für mein Kuchengabel-Service" tatsächlich feiner ziseliert ist als die meisten vorangegangenen Gags.

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