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Kultur

Doku über Linksextremismus

ZDF weist AfD-Mann nur als Politologen aus

In einer neuen Doku über Linksextremismus sprach ZDF Info mit einem Politologen über "Gefahr von links". Dass es sich um einen AfD-Politiker handelte, behielten die Macher für sich.

ZDFinfo

AfD-Abgeordneter Hoffmann im Interview

Dienstag, 12.09.2017   17:14 Uhr

"Brennende Barrikaden, Geschäfte werden geplündert - die radikale Linke sorgt für Ängste." Mit diesem Satz beginnt die ZDF-Info-Dokumentation "Radikale von Links - die unterschätzte Gefahr", die am 6. September ausgestrahlt wurde. Autor Rainer Fromm versucht in dem 45-minütigen Beitrag, eine Verbindung von der terroristischen RAF der Siebzigerjahre zu den gewalttätigen Ausschreitungen herzustellen, die Deutschland zuletzt zu den G20-Protesten überrascht hat.

Es soll so der "drastische Anstieg linksextremistischer Gewalttaten" beleuchtet werden, den das Bundesamt für Verfassungsschutz verzeichnet hat. Demnach hat sich die Anzahl linksextremistischer Gewalttaten bundesweit in den letzten zehn Jahren verdoppelt.

Neben dem Leiter des Amtes für Verfassungsschutzes in NRW, Professoren der FU Berlin und der TU Dresden, der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sowie linken Aktivisten und Sprechern kommt auch Karsten Dustin Hoffmann zu Wort, der in einer Einblendung als Politologe bezeichnet wird. Von ihm wird gesagt, dass er über die Wahrnehmung von politischem Extremismus promoviert habe.

Kein Platz für wichtige Info?

"Es gibt zwölfmal mehr Literatur zum Thema rechte Militanz wie zum Thema linke Gewalt", sagt Hoffmann über die Ergebnisse seiner Forschung. Was die Doku nicht erwähnt: Hoffmann sitzt für die AfD im Kreistag in Rotenburg an der Wümme.

Später im Film darf der AfD-Mann nochmals Bedenken äußern. "Ich frage mich, warum da kein gesellschaftlicher Aufschrei kommt, wenn Bands wie Wir sind Helden, Fettes Brot oder Die Beginner in linken Zentren wie der Roten Flora in Hamburg auftreten, denn diese wollen ja unsere Demokratie abschaffen", wundert sich Hoffmann in "Radikale von Links".

ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn begründet gegenüber der "taz" die Nichtnennung von Hoffmanns Parteizugehörigkeit damit, dass die Bauchbinden nicht genügend Platz geboten hätten, um mehrere Funktionen Hoffmanns aufzulisten. Allerdings kommt Hoffmann in der Doku zweimal zu Wort, womit eine zusätzliche Einblendung durchaus möglich gewesen wäre. Hagedorn lenkte gegen über der "taz" auch ein: "Im Fall von Karsten Dustin Hoffmann wäre in der Tat eine zusätzliche Einordnung hilfreich und nötig gewesen."


ZDF Info zeigt die Sendung "Radikale von Links" erneut am Sonntag, 17. September 2017 um 22.30 Uhr

cpa

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