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03.02.2010
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Raabs Eurovision-Castingshow

Talent total

Von Peer Schader
Jury-Präsident Stefan Raab und seine Gast-Kollegen Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen waren bemüht, freundlich und fair mit den Kandidaten umzugehen
DPA

Jury-Präsident Stefan Raab und seine Gast-Kollegen Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen waren bemüht, freundlich und fair mit den Kandidaten umzugehen

Die können ja wirklich singen! Mit "Unser Star für Oslo" beweist Stefan Raab, dass Castingshows mit Begabung statt Krawall funktionieren können. Auch wenn es nur die Auftaktsendung war: Eine Favoritin für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest gibt es schon jetzt.

Nach drei Stunden war sogar Stefan Raab ein bisschen durcheinander. Der Moderator hatte nicht nur seine Jury-Kollegen Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen verabschiedet, sondern auch schon die Zuschauer von "TV total", als ihm die Kollegen im Studio signalisierten: Ne, Momentchen, es geht noch weiter. "Schalten Sie noch nicht ab! Die haben da vorne nur immer so gewunken, ich dachte, die Sendung ist vorbei", rief Raab leicht irritiert in die Kamera und stolperte dann auch noch über seinen Drehstuhl, bevor er weitermachte.

Aber bewältigen Sie erst mal zwei Live-Shows an einem Abend, von der mit einer auch noch eine "nationale Aufgabe" erfüllt werden soll.

Es war ein feiner Auftakt der Raab'schen Kooperation mit der öffentlich-rechtlichen ARD, von der am Dienstag bei der Premiere von "Unser Star für Oslo" jedoch nur ganz am Rande die Rede war. Im Mittelpunkt standen schließlich die zehn bisher unbekannten Sänger, von denen einer vielleicht die Chance hat, Deutschland dieses Jahr beim Eurovision Song Contest in Norwegen zu vertreten. Und weil Raab ein Arbeitstier ist, holte er die Kandidaten gleich nach der Entscheidung ins Nebenstudio, wo er nahtlos mit "TV total" weitermachte.

Zu diesem Zeitpunkt war die eigentliche Arbeit längst erledigt: Die Zuschauer hatten fünf der aus 4000 Bewerbern ausgewählten Talente in die nächste Runde gewählt. Und wenn es nach dem Publikum im "Unser Star für Oslo"-Studio gegangen wäre, könnten sich ProSieben und die ARD die nächsten Auswahlrunden vielleicht sogar sparen, so groß war der Applaus für die 18-jährige Lena aus Hannover. Die lieferte mit ihrer Björk-Stimme und einem eher unbekannten Song der britischen Sängerin Adele den letzten und eindrucksvollsten Auftritt dieses Abends ab, wippte gut gelaunt über die Bühne, obwohl sie bisher nur auf der Schulbühne gesungen hat, und stotterte zum Schluss vor lauter Begeisterung ins Mikrofon: "Ich freu' mich so, so - hart!"

Danke für die Flapsigkeiten

Es war einer dieser Momente, die erahnen lassen, was Raabs Idee ist: Jungen Sängern eine Plattform zu geben, auf der sie vor Millionen ein Talent beweisen können, von dem sie bisher selbst noch gar nicht wussten, dass sie es besitzen. "Du hast Star-Appeal", lobte Gast-Juror Müller-Westernhagen die Abiturientin Lena. Catterfeld hatte schon während des Auftritts begeistert mitgeschnippt. Und Raab meinte bloß: "Das hat mich echt gekickt!" Dabei hatte die 18-jährige bei den Proben noch den Tipp bekommen, sich besser einen Song auszusuchen, den die Zuschauer daheim kennen. Und gekontert: "Nö, dann scheid' ich eben aus."

Allem Lob zum Trotz gibt es dafür noch reichlich Gelegenheit. Am kommenden Dienstag treten zehn weitere Herausforderer an, und Lenas Kontrahenten aus der Premierensendung werden es ihr bis zum Finale am 12. März auch nicht leicht machen. Sportstudent Cyril kam mit seiner Akustikgitarrenversion von "Hotel California" weiter, die 22-jährige Meri zog auf der Bühne erst mal die unbequemen Schuhe aus, um tanzen zu können, Germanistikstudentin Kerstin hatte sich eine Ballade von Evanescence herausgesucht, und Verkäuferin Katrin sang "Nobody Knows" von Pink.

Das Schönste aber war, dass Raab sein Versprechen eingehalten hat, ausschließlich Leute auf die Bühne zu lassen, die wirklich singen können, und ernst mit ihnen umzugehen. Vielleicht sogar ein bisschen zu ernst. Fast pedantisch arbeitete sich die Jury an kleinen Schwächen ab, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, zu großzügig Lob auszuteilen. Vor allem Müller-Westernhagen wirkte dabei so kleinkariert und besserwisserisch, dass man ihm vom Sofa aus gern mal zugerufen hätte, dass es doch auch darum geht, ein bisschen Spaß zu haben. Mit dem hielt sich - für seine Verhältnisse - selbst Raab zurück und analysierte: "Das war stimmlich unsauber in der Intonation", "du hast ein gut kontrolliertes Vibrato", "bei den hohen Falsett-Tönen warst du sehr sauber".

Etwas weniger Musikschulenatmosphäre wäre auch in Ordnung gewesen. Wie gut, dass Moderator Matthias Opdenhövel im Team mit "Eins live"-Radiofrau Sabine Heinrich (die trotz Aufregung eine ordentliche Live-Premiere hatte) ein paar Flapsigkeiten beisteuerte.

"Ich möchte mich nicht mehr schämen"

Das Einzige, was nicht so richtig passte, war das Tempo, mit dem die Kandidaten durch die Show geschleust wurden. Bei zehn Auftritten in knapp zweieinhalb Stunden blieb zwar keine andere Wahl, aber aus "Deutschland sucht den Superstar" oder "Popstars" ist es das Publikum eben gewöhnt, bereits die halbe Lebensgeschichte eines Teilnehmers zu kennen, bevor man ihn singen hört: die prägendsten Momente seines Lebens, seine Außenseiterposition in der Schule, den tragischen Tod eines nahen Verwandten, seine Sozialversicherungsnummer.

Dass "Unser Star für Oslo" solche Dokusoap-Elemente nicht nötig hat, ist prima. Aber Raab hat selbst gesagt: Es braucht Zeit, damit die Zuschauer ihren Favoriten auch kennenlernen können. Mit einminütigen Einspielfilmen, in denen alle mal kurz sagen dürfen, dass sie sehr aufgeregt sind, geht das schon mal nicht. Womöglich hätten auch fünf oder acht Kandidaten für die erste Runde gereicht.

Dennoch: Ein Anfang ist gemacht, und bei dem ein oder anderen hat man bereits das Gefühl, sehr gern verfolgen zu wollen, wie er oder sie sich im Laufe der kommenden Wochen entwickelt. Genau das ist es doch, was "Mister Grand Prix", wie Opdenhövel den Jury-Chef bezeichnete, beabsichtigt.

"Ich möchte mich nicht jedes Mal schämen, wenn ich den Eurovision Song Contest sehe", erklärte Müller-Westernhagen später in "TV total", warum er seine Abneigung gegen Castingshows überwunden und sich in den Jurysessel gesetzt hat, auf dem ihm in den kommenden Wochen unter anderem Xavier Naidoo, Jan Delay und Sasha folgen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sein Wunsch zumindest in diesem Jahr in Erfüllung geht.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 109 Beiträge
1. Wermutstropfen
birnstein 03.02.2010
Die Sendung war angenehm unterhaltsam und es waren wirklich Talente - gewohnt ist man ja was anderes. Einziger Wermutstropfen ist dieser unsägliche Matthias Opdenhövel, der mit seinem Gequatsche eher in andere Shows, die ich mir [...]
Die Sendung war angenehm unterhaltsam und es waren wirklich Talente - gewohnt ist man ja was anderes. Einziger Wermutstropfen ist dieser unsägliche Matthias Opdenhövel, der mit seinem Gequatsche eher in andere Shows, die ich mir lieber nicht ansehe, passt.
2. ...
Currie Wurst 03.02.2010
Auch wenn ich das nicht gesehen habe: mit Stefan Raab ist es wie mit Uli Hoeneß. Beide kann man nicht wirklich mögen, weil sie immer wieder unangenehme Ausraster produzieren. Aber mit ihren kreativen Denkansätzen nötigen sie [...]
Auch wenn ich das nicht gesehen habe: mit Stefan Raab ist es wie mit Uli Hoeneß. Beide kann man nicht wirklich mögen, weil sie immer wieder unangenehme Ausraster produzieren. Aber mit ihren kreativen Denkansätzen nötigen sie mir auch wieder Respekt ab. Und wenn Raab als Anti-Bohlen Erfolg hat, gönne ich ihm das auf ganzer Linie. Allein sein Auftritt als Gildo Horn-Produzent beim Schlagerfestival war eine herrliche Nummer.
3. .
frubi 03.02.2010
Castingshow = guck ich nicht. Zudem haben die Idioten von Pro7 den Dienstag Abend mit den Simpson und "Two and a half Man" geklaut. Das ist unverzeilich. So gut diese Castingaffen beim Raab auch sein mögen.
Zitat von sysopDie können ja wirklich singen! Mit "Unser Star für Oslo" beweist Stefan Raab, dass Castingshows mit Begabung statt Krawall funktionieren können. Auch wenn es nur die Auftaktsendung war: Eine Favoritin für den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest gibt es schon jetzt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,675644,00.html
Castingshow = guck ich nicht. Zudem haben die Idioten von Pro7 den Dienstag Abend mit den Simpson und "Two and a half Man" geklaut. Das ist unverzeilich. So gut diese Castingaffen beim Raab auch sein mögen.
4. Raab hat´s einfach drauf
mischamai 03.02.2010
Da zeigt sich wieder einmal,was Stefan Raab anfasst hat Hand und Fuß.Irgendwie eine unterhaltsame Sendung wie man sich eine richtige Casting Show vorstellt.Es ist ja auch verwundert wie er immer wieder neue Talente herzaubert die [...]
Da zeigt sich wieder einmal,was Stefan Raab anfasst hat Hand und Fuß.Irgendwie eine unterhaltsame Sendung wie man sich eine richtige Casting Show vorstellt.Es ist ja auch verwundert wie er immer wieder neue Talente herzaubert die wie aktuell Lena ganz bestimmt noch lange von sich reden macht. Einziges Problemchen,der doch etwas sehr gelangweilte und humorlose Westernhagen,der doch so oft Coolness mit Langeweile verwechselt und sehr weit weg ist von "Sexy" aus alten Zeiten.
5. !!
lemming51 03.02.2010
Nur so viel: Lena lässt hoffen, dass es diesmal nicht ganz hinten endet !
Nur so viel: Lena lässt hoffen, dass es diesmal nicht ganz hinten endet !
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