11.10.2010
Kunstprovokateur
Banksy zeigt die "Simpsons"-Hölle
Von Ole Reißmann
Banksy-Interpretation: Ätzende Produktionsbedingungen, beißende Kritik
In einer großen Halle sitzen Dutzende Zeichner, das Licht flackert, etliche haben Verletzungen an den Händen: So stellt sich der britische Graffiti-Künstler Banksy die Produktion einer "Simpsons"-Folge vor. Zu sehen gab es den brutalen Sweatshop, in dem neben Arbeitern und Kindern auch ein Pandabär und ein Einhorn gequält werden, zur besten Sendezeit - in der neuesten "Simpsons"-Episode, die am Sonntagabend in den USA ausgestrahlt wurde.
Selbstkritische Kapitalismuskritik, ausgerechnet auf dem Kommerzsender von Rupert Murdochs Medienimperium? Die "Simpsons"-Macher hatten den Kunstprovokateur Banksy eingeladen, den typischen Vorspann der Serie umzugestalten. So beginnt das Intro der Folge "MoneyBart" zunächst recht harmlos, ein paar mehr Graffities sind in Springfield zu sehen. Erst nachdem sich die "Simpsons"-Familie wie immer vor dem heimischen Fernseher versammelt hat, folgt das eigentliche Banksy-Werk.
Darin ist zu sehen, wie Animationen, T-Shirts und Stoffpuppen (aus dem Fell niedlicher Kätzchen!) unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden. Das ist natürlich wahnsinnig übertrieben, beinhaltet aber, wie bei den "Simpsons" üblich, einen wahren Kern: Die bunte Erfolgsserie profitiert vom Graubrot der modernen Arbeitsteilung, dem Outsourcing in Billiglohnländer.
Tatsächlich finden nur die kreativen Prozesse der "Simpsons"-Produktion in den USA statt, für die Animationen sind seit dem Serienstart 1989 Firmen in Südkorea zuständig. Dort wird mit großem Personaleinsatz zu einem Bruchteil der Kosten am Computer gezeichnet und koloriert. Beim Merchandise dürfte es ähnlich aussehen; was an Kinderspielzeug in den Läden steht, kommt häufig aus China und anderen asiatischen Ländern.
Dass nun in der Serie die Produktionsbedingungen kritisiert werden, unter der sie entsteht, passt zum Sarkasmus - und Zynismus - der "Simpsons": Immer wieder parodierte die Serie das Mediensystem, den Haussender Fox und die Konsumgesellschaft mit den ihr zugrunde liegenden Mechanismen - Hauptsache, der Witz stimmt.
ore