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13.02.2011
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Thomas Gottschalk

"Der Abschied war für mich völlig logisch"

dapd

Schluss, Aus, Ende: Der Abschied von "Wetten, dass..?" sei für ihn unumkehrbar, sagt Thomas Gottschalk. Beim ZDF will er aber bleiben - wenn die Angebote stimmen. Für sein Erbe in der großen Samstagabendshow laufen sich bereits Kandidaten warm.

München/Halle - Der Teleprompter musste ihm helfen. Als Thomas Gottschalk am Samstagabend vor Millionen TV-Zuschauern seinen Rückzug von der Fernsehshow "Wetten, dass..?" erklärte, bediente sich der sonst so spontane 60-Jährige des technischen Hilfsinstruments. "Ich wollte mich in diesem wichtigen Augenblick nicht darauf verlassen, dass mir die richtigen Worte einfallen", sagte Gottschalk in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Er habe das Ganze "kurz, präzise und ohne Peinlichkeiten" hinter sich bringen wollen.

Dennoch hat ihn seine Erklärung am Samstag persönlich berührt. Weil er wisse, "dass das ein irreversibler Schritt ist". Er wisse, dass die Show für ihn "ein ganz wichtiger Teil" seines Lebens gewesen sei. "Ich habe 'Wetten, dass..?' alles zu verdanken", sagte Gottschalk.

Zwar habe es Versuche gegeben, ihm seinen Rückzug auszureden, aber der Showmaster sah offenbar nur eine Möglichkeit - die des Abschieds: "Die Entscheidung, aufzuhören war für mich völlig logisch", sagte Gottschalk und fügte hinzu, dass er am Mittwoch Samuel Koch in der Schweiz besucht habe, um ihn über seine Entscheidung zu informieren. Am 4. Dezember 2010 war der damals 23-Jährige bei "Wetten, dass..?" schwer verunglückt und hatte dabei Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen erlitten. Koch sei überrascht gewesen: "Der hat überhaupt keinen Grund für mich gesehen, aufzuhören. Er hat nun aber auch wirklich andere Sorgen", so Gottschalk.

Nach dem Unfall wurde die Sendung vielfach kritisiert. Gottschalk erklärte jedoch zunächst, er wolle weitermachen. Er habe zunächst darauf gehofft, dass es dem jungen Mann schnell wieder besser gehe. "Aber irgendwann muss man sich der Realität stellen. Und ich war nicht mehr in einer Show sondern im wirklichen Leben angekommen. Ich konnte das Werkzeug, das dem Showmaster zur Verfügung steht, nicht mehr gebrauchen."

Er freue sich darüber, dass sich das ZDF auch in Zukunft eine Zusammenarbeit mit ihm vorstellen könne, sagte Gottschalk. "Wo das sein könnte, werden wir in Ruhe feststellen."

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Thomas Gottschalk: Von der Supernase zu Mister "Wetten, dass..?"
Inzwischen wird über einen Nachfolger für Gottschalk für "Wetten, dass..?" spekuliert. Bis zum Herbst will ZDF-Programmdirektor Thoma Bellut eine Entscheidung verkünden. Einen Wunschkandidaten für den Posten des Moderators hat Bellut: Thomas Gottschalk. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer weiß, wie das Publikum reagiert", sagte Bellut unmittelbar nach der 193. Ausgabe von Europas größter Unterhaltungsshow in Halle. Aber danach sieht es offenbar nicht aus.

"Ich spekuliere heute nicht über Namen, kann aber sagen, dass ich weder mit Jörg Pilawa noch mit anderen Personen gesprochen habe", sagte Bellut. Die ZDF-Neuverpflichtung Pilawa ("Rette die Million!") gilt als ein möglicher Kandidat für das Erbe des 60-jährigen Gottschalk. Ein ZDF-Sprecher wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht zu den Spekulationen äußern. "Für die Suche nach einem Nachfolger ist ja noch viel Zeit", sagte er.

Pilawa hat wohl tatsächlich die besten Aussichten. Er hatte noch im September der Nachrichtenagentur dpa über seine "Wetten, dass..?"-Ambitionen gesagt: "Es war weder ein Wunsch vom ZDF noch eine Forderung von mir bei unseren Gesprächen. Wenn es bei einer Show in Deutschland momentan keinen Handlungsbedarf gibt, dann ist es 'Wetten, dass..?'".

Die Frage sei, wie der Sender mit dem Erfolgsformat umgehe für den Fall, dass Gottschalk eines Tages abtrete. "Wenn das ZDF die Show eins zu eins fortführen sollte, wäre dies ein Genickschuss für jeden, der sich nach Gottschalk auf das Sofa setzen würde", so Pilawa.

Frank Elstner, der die Sendung erfunden hat und von 1981 bis 1987 moderierte, will sich aus der Diskussion um die Nachfolge heraushalten. "Ich habe die Sendung seit 25 Jahren nicht mehr gemacht und wäre deshalb der falsche Ratgeber, der seinen Senf dazugeben sollte. Ich würde mich freuen, wenn es mit der Sendung weitergeht. Aber das wird das ZDF entscheiden", sagte er dem Online-Portal "Bild.de".

Er bedauerte den Rückzug seines Nachfolgers Gottschalk. "Mir tut es wahnsinnig leid, dass er aufhört. Ich hätte ihn gerne noch viele Jahre bei 'Wetten, dass..?' gesehen", sagte Elstner am Sonntag. "Ich bedauere es sehr, dass es Thomas so zu Herzen geht", sagte Elstner zum schweren Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch.

Das ZDF hat ansonsten noch den Abend-Talker Markus Lanz in seiner Moderatorenriege, doch der hat keine Erfahrung mit großen Samstagabendshows. Für ein ganz neues Gesicht ist die Aufgabe zu groß, also muss es einer der Etablierten sein. Doch auf dem Level von Gottschalk gibt es im deutschen Unterhaltungsgeschäft ansonsten wohl nur noch Günther Jauch und Stefan Raab. Jauch hat allerdings gerade bei der ARD für den Sonntagabend-Talk angeheuert, und Raab ist wohl gänzlich ungeeignet, weil er bei jeder Wette selber mitmachen wollte. Auch der Name Hape Kerkeling wurde in der Vergangenheit schon genannt - der hat immerhin aktuell keine andere regelmäßige Sendung.

Die Suche nach dem neuen Samstags-Schalk wird in diesem Jahr die schwierigste Personalentscheidung beim ZDF. Ungewiss ist auch die Zukunft von Co-Moderatorin Michelle Hunziker. Sie hatte in der Sendung aber direkt nach Gottschalks Anfangsansprache signalisiert, dass sie gerne weitermachen würde. "Die Zusammenarbeit mit ihr soll fortgesetzt werden. Wir werden sie nicht einfach nach Italien ziehen lassen", sagte Bellut.

"Wetten, dass..?" hatte am Samstag - wohl auch dank der vorherigen Gerüchte um einen Rücktritt des Moderators - so viele Zuschauer wie lange nicht und war die mit Abstand meistgesehene Sendung im deutschen Fernsehen. Im Schnitt sahen 10,56 Millionen Zuschauer (32,1 Prozent Marktanteil) die Show zwischen 20.15 Uhr und 23 Uhr. Die Sendung feierte am Samstag ihr 30-jähriges Jubiläum.

dpa/dapd

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