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04.04.2011
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Arte-Doku "Die Letzten ihrer Art"

So geht's dem hässlichsten Affen der Welt

Von Peer Schader
DPA

Auf Besuch bei Todeskandidaten: Vor über 20 Jahren reiste Science-Fiction-Autor Douglas Adams zu bedrohten Tierarten auf der ganzen Welt. Jetzt hat sein Freund Stephen Fry die Reise wiederholt - und berichtet davon in der absolut sehenswerten TV-Doku "Die Letzten ihrer Art".

Es sind nur zwei Kleinigkeiten, die Sie beachten sollten, wenn Sie in Ihrem nächsten Urlaub bedrohte Tierarten in ihrem natürlichen Lebensraum besuchen wollen - zwei minimale Einschränkungen, deren Nichtbeachtung die Lust an diesem Abenteuer ein wenig schmälern könnten.

Erstens: Die wenigsten bedrohten Arten finden sich in unmittelbarer Nähe exquisit ausgestatteter 5-Sterne-Hotels mit Frühstücksbuffet und Internetanschluss. Viele wohnen nicht mal in der Nähe.

Und zweitens: Das Problematische an Tieren, von denen es kaum welche in freier Wildbahn gibt, ist: Man kann sie nicht einfach mal anrufen, um einen Termin zu machen.

Vielleicht hätte es sich Stephen Fry doch noch einmal anders überlegt, wenn ihm jemand gesagt hätte, welchen Strapazen er sich aussetzen muss, um - wortwörtlich - in die Fußstapfen von Douglas Adams zu treten. Vor gut 22 Jahren reiste der britische Science-Fiction-Autor ("Per Anhalter durch die Galaxis") mit dem Zoologen Mark Carwardine um die halbe Welt, um Tiere zu sehen, deren Art kurz vor der Ausrottung stand. Anschließend hat er ein Buch darüber geschrieben: "Die Letzten ihrer Art" (im Original: "Last Chance to See"). 2001 starb Adams nach einem Herzinfarkt - und sein ehemaliger Begleiter wollte sich partout nicht damit abfinden, dass damit die Wiederbesuchspläne der beiden erledigt sein sollten. Also fragte Carwardine einen von Adams' Freunden, ob er ihn begleiten wolle: den Autorenkollegen und Schauspieler Stephen Fry.

Natürlich hat der dieses Angebot nicht ablehnen können: Zwei Jahrzehnte später nachzusehen, was aus den Arten geworden ist, über die Adams sein Buch geschrieben hat. Und wer kann auch widerstehen, wenn er fast 20.000 Kilometer reisen darf, um einen dicken Papageien zu besuchen, der vergessen hat, dass er mal fliegen konnte?

Der hässlichste Affe der Welt - absolut liebenswert

Sechs Teile umfasst die von der BBC vor zwei Jahren ausgestrahlte Serie, die denselben Titel wie das Original aus dem Jahr 1989 trägt, das damals noch als Doku im Radio lief. Und zugegeben: Am Anfang ist nicht besonders viel Tier zu sehen, was - wie gesagt - in der Natur der Sache liegt.

Die Reise nach China stand gar nicht erst auf dem Plan, der Jangtse-Delfin gilt tatsächlich seit Jahren als ausgerottet. Und trotz tagelanger Suche auf dem Amazonas will sich einfach kein Manatee blicken lassen, ein Tier, das an eine Mischung aus Seelöwe und Schlafsack erinnert. Vom Weißen Nashorn in Zentralafrika gibt es keine Spur mehr, und die Suche ist gefährlich, weil ein Besuch im politisch instabilen Kongo nicht empfehlenswert ist. Erst bei ihrer dritten Reise in den Süden Afrikas haben Carwardine und Fry Glück: Eines Nachts bekommen sie auf Madagaskar ein seltenes Aye-Aye zu Gesicht, das zwar als hässlichster Affe der Welt gilt, aber von jedem, der es sieht, dennoch augenblicklich ins Herz geschlossen wird.

Ab und an müssen die Reisenden ein wenig tricksen: Wenn sie in freier Wildbahn nicht erfolgreich sind, besucht dass BBC-Gespann die Arten - oder zumindest Artverwandte - in Tierparks und Naturreservaten und trifft dabei außerdem auf frisch geschlüpfte Wasserschildkröten, sich tot stellende Kiwis, das kleinste Chamäleon der Welt und Schimpansen-Waisen vor der Familienzusammenführung.

Schon deshalb ist die Serie mehr als eine Wiederholung der Ursprungsreise geworden, nämlich zugleich eine abwechslungsreiche Expedition über die Kontinente mit Bildern von Landschaften, in denen man augenblicklich einen "Lost"-Nachfolger drehen könnte. Und leider auch ein Lehrstück über die Zerstörungskraft des Menschen, der auf die ein oder andere Weise immer dafür verantwortlich ist, dass eine weitere Art ausgerottet wird.

So erfolglos die Suche nach den Tieren zunächst sein mag: Es gibt auch gute Nachrichten. Die Population des neuseeländischen Kakapos, dem bereits erwähnten flugunfähigen Papagei, ist in den vergangenen Jahren dank der Umsiedlung auf eine Insel ohne natürliche Feinde gestiegen. Dort sind noch immer zahlreiche Helfer für den Artenschutz im Einsatz, angelockt auch von der "Die Letzten ihrer Art"-Lektüre, wie den Besuchern versichert wird (was Carwardine sichtlich rührt). Auch den Komodowaranen in Indonesien geht es einigermaßen gut. Dafür sind im Laufe der Jahre unzählige andere Arten auf die Liste gekommen.

Verschmutzt, verschwitzt, aber sehr glücklich

Was "Die Letzten ihrer Art" letztlich so sehenswert macht, sind nicht nur die Bilder und die seltenen Tierbegegnungen, sondern auch die persönliche Erzählform der Minireportagen vom anderen Ende der Welt.

Carwardine und Fry sind ein tolles Team - der Zoologe, der begeistert an die Orte zurückkehrt, die er mit Douglas Adams besucht hat, und der ungelenke Komödiant, der für diese Art der Expedition eigentlich völlig ungeeignet ist. Schon auf der ersten Reise fällt Fry unglücklich, bricht sich den Arm und muss mit dem Hubschrauber aus dem Amazonas abgeholt werden. Für die Zeit in Afrika hat er sich gegen alle möglichen exotischen Krankheiten impfen lassen, wird dann jedoch von einer simplen Erkältung ausgeschaltet. Und in Neuseeland entdeckt der 53-Jährige, dass er womöglich eine Allergie gegen die Federn seltener Papageienarten hat. Obwohl Fry schon zu Beginn des Abenteuers am Ende seiner Kräfte zu sein scheint, schöpft er aus den wundersamsten Naturbegegnungen aber immer wieder neue Energie.

Arte zeigt "Die Letzten ihrer Art" erfreulicherweise auch in der HD-Version (sofern zu Hause die entsprechende Empfangsmöglichkeit besteht). Dass der Sender die erste Folge einfach weglässt, damit die Reihe ins Sendeschema der Themenwoche Umwelt- und Naturschutz passt, ist hingegen ärgerlich.

Denn gerade der Auftakt zeigt sehr anschaulich, wie beschwerlich die Reisen sind: Verschmutzt, verstrubbelt, verschwitzt, unrasiert und mit einem dicken Sonnenbrand schippern die Briten auf einem kleinen Boot über den unendlichen Amazonas und Fry stöhnt: "Ich wär so gerne im Hotel mit Klimaanlage und W-Lan-Empfang!" Zumindest bis er nachher im Tierpark einen Manatee mit einem riesigen Babyfläschchen füttern darf - und sämtliche Anstrengungen mit einem Mal vergessen sind.


"Die Letzten ihrer Art", Montag bis Freitag, täglich um 19.30 Uhr bei Arte

Forum

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insgesamt 25 Beiträge
1. Die hässlichsten Affen der Welt?
maipiu 04.04.2011
Das Buch von Douglas Adams habe ich damals gelesen und war auf Anhieb begeistert davon. Niemand schreibt wie Adams. Darum freue ich mich sehr auf die Serie auf ARTE. Die hässlichsten Affen der Welt sind aber meiner Meinung [...]
Das Buch von Douglas Adams habe ich damals gelesen und war auf Anhieb begeistert davon. Niemand schreibt wie Adams. Darum freue ich mich sehr auf die Serie auf ARTE. Die hässlichsten Affen der Welt sind aber meiner Meinung nach wir, die Menschen.
2. Nur zwei Woerter
carois 04.04.2011
Absolut sehenswert! Selbst wenn Arte Stephen Fry nicht im OmU zeigt, wuerde ich mir das nochmal angucken...
Absolut sehenswert! Selbst wenn Arte Stephen Fry nicht im OmU zeigt, wuerde ich mir das nochmal angucken...
3. Hässlich...
stabkoenigin 04.04.2011
Volle Zustimmung! Und nicht nur die hässlichsten, sondern auch die gefährlichsten und die überflüssigsten. Der Mensch ist wohl die einzige Spezies durch deren Aussterben die Welt bereichert würde.
Zitat von maipiuDas Buch von Douglas Adams habe ich damals gelesen und war auf Anhieb begeistert davon. Niemand schreibt wie Adams. Darum freue ich mich sehr auf die Serie auf ARTE. Die hässlichsten Affen der Welt sind aber meiner Meinung nach wir, die Menschen.
Volle Zustimmung! Und nicht nur die hässlichsten, sondern auch die gefährlichsten und die überflüssigsten. Der Mensch ist wohl die einzige Spezies durch deren Aussterben die Welt bereichert würde.
4. Danke SPON
dick_&_durstig 04.04.2011
für den Programmhinweis! Wenn die BBC-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" endlich wieder mal gezeigt wird, erbitte ich auch einen. Douglas Adams gehörte auch zu einer selten gewordenen Spezies.
für den Programmhinweis! Wenn die BBC-Serie "Per Anhalter durch die Galaxis" endlich wieder mal gezeigt wird, erbitte ich auch einen. Douglas Adams gehörte auch zu einer selten gewordenen Spezies.
5. ...
Mastermason 04.04.2011
Bitte gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Ansonsten: Weiter so, arte & SPON. Solche TV-Tipps könnte ich häufiger gebrauchen.
Zitat von stabkoeniginVolle Zustimmung! Und nicht nur die hässlichsten, sondern auch die gefährlichsten und die überflüssigsten. Der Mensch ist wohl die einzige Spezies durch deren Aussterben die Welt bereichert würde.
Bitte gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Ansonsten: Weiter so, arte & SPON. Solche TV-Tipps könnte ich häufiger gebrauchen.

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