24.02.2012
"Germany's Next Topmodel"
Hauptsache Zicke!
Von Daniela ZinserDie beste Szene des Abends: Die verdutzten Gesichter der Jury, als Kenianerin Isabella, 20, "cool, crazy und selbständig", den Laufsteg betrat. Und sich im Vergleich zum Vorcasting verdoppelt hatte. Schuld waren Malaria und ihr afrikanischer Mann. Der fütterte sie fünfmal täglich mit "kleinen Fischen in Milch", damit sie wieder gesund wird. Hat funktioniert. Jetzt ist sie bereit. Für "Cellulite-Werbung", sagte Isabella.
Und die übelste Szene: Mitleiden bei der Modenschau - Sara, 21, "Ich werde von den anderen Kandidatinnen 'The Body' genannt", aus Leipzig geht sich selbst ins Netz. Sie verheddert sich so in ihrem schwarzgrauen Kleid, dass ihr Body minutenlang auf der Stelle treten muss, bis sie sich befreit hat.
Das Wort des Abends? Haare. Mal "verfärbte Wolle", mal Wischmop, mal zu süß für das süße Gesicht, mal traumhaft schön, dann wieder ein Schock, sie wurden vom Friseur verbrannt - und einmal vollführen sie sogar einen "Eiertanz".
Ist schon eine perfekte Zicke zu erkennen? Oh ja! Sara, 21, The Body, "ich bin ein bisschen zickig und sehr zielstrebig", aus Leipzig hat eindeutig das größte Potential. Warum? Darum: "Ich trage ein enges Shirt, damit ich meine Titten gut zeigen kann." Und: "Jedes Mädchen, das hier hergeht und sagt, es ist nicht irgendwie mediengeil, das lügt."
Oder ein perfektes Schäfchen? Luisa, 17, "hilfsbereit und freundlich", aus Ostfriesland. Die Jury lobt ihre Naivität, sie fürchtet sich davor, zu nuscheln, und die Familie ist sich sicher: Sie wird Heimweh haben. Bei der Modenschau darf sie dann sogar das Hochzeitskleid präsentieren. "Ein schönes Gefühl", sagt Luisa. "Die ist der Hammer", sagt Heidi.
Welche Model-Aspirantin hat denn das schlimmste Style-Verbrechen begangen? Anelia, 19, "fröhlich und zielstrebig", aus Bayern trägt, oh mein Gott, hautfarbene Strumpfhosen mit Glanz. Die sind das Böse, meint Styling-Messdiener Thomas Rath. Denn sie machen die Beine dick. Und sind was für Omis. Also runter mit den Stützstrümpfen.
Was war der sadistischste Augenblick? Das mit den Strumpfhosen war ja schon peinlich genug, aber dann musste Anelia auch noch ewig dastehen und auf das Urteil warten. Der eine Thomas war nicht berührt, der andere sah Potential, Heidi rutschte hin und her und her und hin. Und wieder zurück. Warten. Ich weiß nicht, ich bin hin- und hergerissen. Her und hin. So spielte Heidi die Zerrissene. Am Ende sollte das Publikum entscheiden. Anelia durfte bleiben.
Wie oft schob sich Frau Klum eigentlich selbst über den Laufsteg? Zwei Mal. Beim Einzug der Raubtiere, im Wildkatzenkleidchen neben den beiden Thomassen. Dann noch einmal in hämischer Absicht, um Fußballerin Laura klarzumachen, dass man beim Gehen idealerweise einen Fuß vor den anderen setzen sollte.
Wie hoch ist der Taschentuchfaktor? Hoch, dank Melek, 20, "ich hatte Krebs", aus Stuttgart. Sie musste bei der letzten Staffel abbrechen, weil bei ihr Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde. Jetzt ist sie wieder gesund, die Haare sind ab, aber "der Traum lebt noch". Per Wild Card kam sie direkt weiter, deshalb sind es diesmal 51 statt 50 Mädchen. Bei ihr wurde die Jury "sehr emotional", heißt: ein Luftkuss, eine Umarmung, ein "deine Haare gefallen mir toll".
Kam Klums Co-Juror Thomas Hayo auch mal zu Wort? Dauernd. Um die Gefühlslagen der Mädchen zu erklären. Er ist für die Tiefenanalyse zuständig: Die da hat Persönlichkeit und die da funkelnde Augen und wieder eine andere ist sogar aufgeregt!
Und wie schlug sich Sidekick 2, Thomas Rath? Außer mit Modetipps fiel er mit seiner Angst vor Nagetieren auf. Denn Zicke Sara hatte Uwe, ihre Ratte, dabei. Das fand der Thomas nun aber wirklich gar nicht gut. Der andere Thomas hatte da weniger Hemmungen und ließ Uwe schön in seinem Schoß schlummern.
Was war der demütigendste Abgang des Abends? Den hatte Seal - er war tatsächlich rausgeschnitten.
Irgendwelche erwähnenswerten Neuerungen am Format? Die Mädchen mussten gleich auf den Laufsteg - und bei einer professionellen Modenschau laufen. Bei der Auswahl davor machten sie per Selbstauslöser ein Foto von sich, um zu zeigen, wie unglaublich fotogen sie sind. Aber am Ende gab es Umschläge statt Fotos. Darin waren Flugtickets nach Thailand für alle, die weiterkommen. Und der Satz: "Nur eine kann GNTM werden" fiel überraschend selten.
Gab es denn wirklich nicht die klitzekleinste Grußadresse an Klums Ex Seal? Da war dieser eine böse Blick, der noch ein paar winzige Grad kälter wirkte...
Mal im Ernst: Gibt es irgendeinen Grund, in die siebte Staffel reinzuschalten? Nein. Aber die achte könnte sich lohnen. Bis dahin soll Isabella aus Kenia sich nämlich halbiert haben und wiederkommen. Diesmal flog sie raus. Aber "das Wichtigste ist: Du bist gesund und gutgelaunt", gab ihr die Jury mit auf den Weg. Ja, klar.