24.02.2012
"Gottschalk Live"-Chef Peichl
"Thomas bringt im Moment nur 40 PS"
Moderator Gottschalk: Schützenhilfe von Markus Peichl
SPIEGEL: Die Quoten sind schlecht, die Kritiken verheerend - glauben Sie, Thomas Gottschalks Vorabendprojekt noch retten zu können?
Peichl: Und ob! Thomas ist wie ein Auto, das locker 300 PS schafft, im Moment aber nur 40 auf die Straße bringt. Jetzt muss die Redaktion an den richtigen Schrauben drehen.
SPIEGEL: Was wollen Sie verändern?
Peichl: Das Problem ist: Es gibt kein klares Konzept. Mal führt er Gespräche, mal kommentiert er das Tagesgeschehen. Mal gibt es Einspielfilme, mal keine. Mal kommen Superpromis ins Studio, mal Unbekannte. Der Zuschauer muss wissen, was ihn erwartet.
SPIEGEL: In den vergangenen Wochen erwartete ihn häufig ein fahrig und unkonzentriert wirkender Moderator.
Peichl: Wir werden dafür sorgen, dass Gottschalk sich im Studio wohlfühlt.
SPIEGEL: Sie haben mit Beckmann, Biolek und Maischberger gearbeitet. Ist Gottschalk Ihr schwerster Fall?
Peichl: Es gibt keine schweren Fälle. Jeder Moderator hat seine eigenen Qualitäten. Man muss nur den richtigen Rahmen schaffen, damit sie zur Geltung kommen. Ich lasse gerade eine DVD zusammenstellen mit gelungenen Momenten der vergangenen Wochen. Damit die Redaktion sieht, dass nicht alles schlecht war.
SPIEGEL: Werden Sie Gottschalk über einen Knopf im Ohr Fragen einflüstern, wie in Talkshows heute üblich?
Peichl: Gottschalk braucht das nicht. In den achtziger Jahren, als ich Chefredakteur des Magazins "Tempo" war, kam ich mal als Gast in seine damalige Radiosendung beim BR. Diese unglaubliche Gabe, alles aus dem Stand heraus witzig zu kontern, hatte damals keiner so wie er. Ich bin überzeugt, dass sie ihm nicht verlorengegangen ist.
SPIEGEL: Ab wann wird man der Sendung Veränderungen anmerken?
Peichl: Bis zur Sommerpause sitzt das Konzept. Ab Herbst wird sich das auf die Quoten auswirken.
SPIEGEL: Was macht Sie so sicher, dass es die Sendung dann noch gibt?
Peichl: Ich bin Österreicher. Wir gelten als Pessimisten, sind aber im tiefsten Innern unerschütterliche Grundoptimisten.
Das Interview führte Alexander Kühn