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25.03.2012
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Umstrittenes Ahmadinedschad-Interview

ZDF-Moderator Claus Kleber bezieht Prügel

AP

"heute journal"-Moderator Kleber: Moralisches Versagen?

Hat Claus Kleber gegen journalistische Grundregeln verstoßen, als er den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad interviewt hat? Hat sich der "heute journal"-Moderator sogar "moralisches Versagen" vorzuwerfen? Die Kritik an ihm nimmt zu.

Berlin/ Hamburg - Wie befragt man als Journalist einen Diktator? Wie kritisch kann man in so einer Situation sein - und wie kritisch muss man sein? Mit diesen Fragen müssen sich derzeit das ZDF und Claus Kleber, Moderator des "heute journal" befassen - notgedrungen.

Denn das von Kleber geführte ZDF-Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ist beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik gestoßen. Zentralrats-Präsident Dieter Graumann sagte der "Bild am Sonntag": "Ich bin sehr enttäuscht, dass ein angesehener deutscher Journalist - und obendrein in einem öffentlich-rechtlichen Sender - derart dreiste Bemerkungen einfach unwidersprochen lässt und so dem notorischen Holocaust-Leugner Ahmadinedschad bereitwillig die Plattform gibt, um sein übles Gift zu verbreiten."

ZDF-Sprecher Alexander Stock teilte am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Dapd mit, Kleber sei ein Kenner der Region und der geopolitischen Zusammenhänge. "Er hat sich auf das Gespräch intensiv vorbereitet und mit Absicht nicht durch Nachfragen eine 'Diskussion' über die Position Ahmadinedschads zum Holocaust angestoßen", betonte Stock. "Diese hätten dem iranischen Präsidenten nur die Gelegenheit geboten, seine bekannten Thesen auszubreiten."

Das Zweite habe das Interview in seinen Sendungen und im Online-Angebot durch eine breite Berichterstattung flankiert, um den Zuschauern eine Einordnung des Gesprächs zu ermöglichen. Darüber hinaus habe es im ZDF ein großes Interview mit dem israelischen Verteidigungsminister, Ehud Barak, gegeben, der auf Ahmadinedschads Drohungen reagiert habe. "Eines der seltenen Interviews mit dem iranischen Staatschef zu führen, ist eine besondere journalistische Herausforderung. Das ZDF hat Verständnis dafür, dass das Ergebnis auch kritisch diskutiert wird", fügte Stock hinzu.

Der in Iran geborene Grünen-Politiker Omid Nouripour sprach der "Bild am Sonntag" zufolge sogar von einem "moralischen Versagen" Klebers. Nouripour sagte der Zeitung: "Kleber hat die blutige Unterdrückung der Proteste gegen das Regime im Iran gar nicht erst thematisiert, was ein schwerwiegender journalistischer Fehler ist." Denn die Menschenrechtsfrage in Iran sei von der Atomwaffenfrage inhaltlich gar nicht zu trennen.

Das ZDF wies auch diese Kritik zurück. In der Langfassung des Interviews seien Klebers Fragen zu Menschenrechten in Iran dokumentiert. In der Kurzfassung des Gesprächs sei diese Passage "wegen der journalistisch gebotenen Fokussierung auf die atomare Bedrohung" nicht enthalten gewesen, teilte der Sender mit.

Das Interview war am 19. März in gekürzter Fassung im ZDF-"heute journal" zu sehen, die rund 45-minütige Langfassung ist in der Mediathek des Senders zu finden.

tdo/dapd

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