Lade Daten...
18.04.2012
Schrift:
-
+

Muslimischer TV-Ermittler

Mit Allah auf Streife

Von Anne Haeming
ZDF

Gläubiger Muslim und leidenschaftlicher Polizist: In der australischen Cop-Serie "East West 101" zerreißt es den Helden zwischen seinem Job und seiner Herkunft. Das Serien-Highlight auf Arte ist ein Krimi, der furios in die Multikulti-Gegenwart führt.

Ein Kiosk wird überfallen. "Beide Täter arabischer Abstammung", gibt der Polizeifunk an die Kollegen auf Sydneys Straßen durch, einer trage einen schwarzen Rucksack, der andere eine blaue Kapuzenjacke. Eine Streife stellt zwei Jungs. Einer der Polizisten wird erschossen.

Der, der den Partner des toten Kollegen noch am Tatort in den Arm nimmt, ist Detective Zane Malik: "Wir werden sie kriegen, diese Typen, wir schnappen sie uns", sagt er. Und meint damit irgendwie auch den Kerl, der vor Jahren den Kiosk seines Vaters überfallen und ihn vor Zanes Augen zum psychischen Wrack geschossen hat. Der Täter konnte fliehen, und genau deswegen wurde Malik, der praktizierende Muslim mit arabischen Eltern, Polizist. Er will Gerechtigkeit - auch im Falle der "arabischen" Jungs, die seinen Kollegen auf dem Gewissen haben.

Diese zwei Kiosküberfälle schieben den Plot der australischen Serie "East West 101", die Arte ab diesem Donnerstag in Doppelfolgen zeigt, auf kluge Weise an. Dass die Produktion bereits vor fünf Jahren in Australien startete, macht nichts: Sie ist ein Lehrstück über die Vorurteile einer multiethnischen westlichen Gesellschaft nach 9/11, in der sich pauschal Hysterie ausbreitet, sobald ein Mann mit Vollbart über die Straße läuft und in der Polizisten arabische Gelehrte auf offener Straße filzen. Selbst Maliks Kinder müssen zur Schule gefahren werden, zu Fuß ist es einfach zu gefährlich.

"Du bist entweder Araber oder Polizist"

Man muss ganz von vorn anfangen, suggeriert schon der Titel: "East West 101" heißt auf Deutsch "Das Einmaleins von Ost und West". Und das versucht Zane Malik Tag für Tag seinen Kollegen einzutrichtern. Die haben es nötig - auch wenn die Mordkommission selbst längst in der multiethnischen Gegenwart angekommen scheint. Sein Partner und Freund heißt Sonny Koa, die Kollegen Helen Callas und Jung Lim. Die einzigen weißen Australier sind Chefin Patricia Wright mit ihrem strengen blonden Dutt und Ray Crowley, ein islamophober Stinkstiefel, der eine rassistische Phrase nach der anderen absondert. "Du bist entweder Araber oder Polizist", zischt er. Tatverdächtige sind für ihn automatisch Maliks "arabische Kumpel".

Kein Wunder also, dass Crowley in der ersten Staffel als Maliks Gegenpol intrigiert, wo er kann. Dass Crowley mit seiner eigenen Familie zu kämpfen hat, entfaltet sich peu à peu parallel zu den eigentlichen Fällen. Auch sie spiegeln das Ost-West-Anliegen des Serienkonzepts, das konstruiert klingt, aber dank Regisseur Peter Andrikidis wunderbar aufgeht: So ist jedes Mal ein anderes Multikultimilieu dran, von Aborigine-Anwälten über serbische Autohändler bis hin zu chinesischen Mafiosi.

Im Mittelpunkt aber steht Zane Malik, der vom australischen Schwiegermutterliebling Don Hany durchdringend gespielt wird - oft wutschnaubend, dann wieder fast Zen-gelassen die Demütigungen seiner Kollegen, ach, der gesamten Gesellschaft, wegsteckend. Ein Kerl, der vor Kraft kaum laufen kann, aber ganz selbstverständlich seinen kranken Vater wäscht.

Don Hany ist gebürtiger Australier, sein Vater Iraner, die Mutter Ungarin. Er ist Mitte 30 und ziert regelmäßig die Cover australischer Magazine, zuletzt spielte er in mehreren Serien parallel. Dennoch ist er das beste Beispiel, dass es an der Offenheit australischer Entscheider wohl doch noch hapert. Denn besetzt wird Hany in der Regel, als ob auf der Casting-Liste fett die Notiz "irgendwas mit Migrationshintergrund" stünde. Er kriegt also Rollen als Tscheche Chris Havel, als Grieche Spiros Georgiades oder als Nik "Der Russe" Radev.

Und nun eben als Zane Malik. Für diese Rolle kehrte Hany extra aus L.A. zurück. Die "East West 101"-Macher wollten ihn unbedingt haben, das war von Anfang an klar. Aber der Schauspieler hatte einen Fehler: Er musste sich einen Vollbart wachsen lassen. Er sah, heißt es, nicht arabisch genug aus.


"East West 101", donnerstags, 20.15 Uhr, Arte.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
1.
kl1678 18.04.2012
---Zitat von spon--- So ist jedes Mal ein anderes Multikultimilieu dran, von Aborigine-Anwälten über serbische Autohändler bis hin zu chinesischen Mafiosi. ---Zitatende--- insofern wäre ein blonder Ermittler ja auch völlig [...]
---Zitat von spon--- So ist jedes Mal ein anderes Multikultimilieu dran, von Aborigine-Anwälten über serbische Autohändler bis hin zu chinesischen Mafiosi. ---Zitatende--- insofern wäre ein blonder Ermittler ja auch völlig undenkbar gewesen, ein Verstoß gegen die multiethnische Grammatik sozusagen.
2.
meinmein 18.04.2012
Um zu zeigen, wie lieb und nett die Anhänger der Friedensreligion sind, muss man ihnen nur einen rassistischen Stinkstiefel gegenüberstellen.
Um zu zeigen, wie lieb und nett die Anhänger der Friedensreligion sind, muss man ihnen nur einen rassistischen Stinkstiefel gegenüberstellen.
3. Multikulti mal wieder
morloc007 18.04.2012
Und das stets immer und immer wieder wiederholen, damit es am Ende auch jeder weiss. Sonderbar, in einem deutschen Magazin etwas über irgendeine australische TV Sendung zu lesen - aber wenns da um Multikulti geht, ist es [...]
Zitat von meinmeinUm zu zeigen, wie lieb und nett die Anhänger der Friedensreligion sind, muss man ihnen nur einen rassistischen Stinkstiefel gegenüberstellen.
Und das stets immer und immer wieder wiederholen, damit es am Ende auch jeder weiss. Sonderbar, in einem deutschen Magazin etwas über irgendeine australische TV Sendung zu lesen - aber wenns da um Multikulti geht, ist es natürlich unabdingbar dieses zu erwähnen, nichtwahr? So wird auch selbstverständlich zusätzlich noch erwähnt, dass der arme Mann mit Migrationshintergrund nur solche Rollen bekommt. Wie gemein aber auch und so garnicht politisch Korrekt, hier dran muss Australien auf jeden Fall noch arbeiten! Das einzig Interessante was ich aus dem Artikel aufschnappen konnte: Selbst Australien hat muslimische Migranten aus dem nahen Osten. Es gibt also quasi kein einziges, westliches Land wo es diese nicht gibt...
4. Mal sehen!
Heinz-und-Kunz 18.04.2012
Nur weil SPON es empfiehlt muß es nicht zwangsläufig schlecht sein. Es könnte durchaus sein, dass die Macher weniger MK-PR machen, als SPON in seiner Bewertung. Wenn es eine Produktion des deutschen ö-r Fernsehen wäre, [...]
Nur weil SPON es empfiehlt muß es nicht zwangsläufig schlecht sein. Es könnte durchaus sein, dass die Macher weniger MK-PR machen, als SPON in seiner Bewertung. Wenn es eine Produktion des deutschen ö-r Fernsehen wäre, wäre Skepsis angebracht, aber Sender, die nicht mit Unmengen von Gebühren gemästet werden achten i.d.R. auf Qualität. Daher werde ich mal einen Blick auf die erste Staffel werfen. Ach ja, wer was Gutes mit einem Moslem als Protagonisten sehen will, der sollte sich ‚Sleeper Cell’ ansehen.
5. Sie vergessen bei Ihrer Anfangskritik...
lensenpensen 18.04.2012
allerdings, dass dieser Artikel mit dem deutschen Sendestart auf arte zusammenfällt. Also geht das von Ihnen gemutmaßte "Darüber wird nur berichtet, weil es irgendwas mit "multi-kulti" zu tuen hat" [...]
Zitat von morloc007Und das stets immer und immer wieder wiederholen, damit es am Ende auch jeder weiss. Sonderbar, in einem deutschen Magazin etwas über irgendeine australische TV Sendung zu lesen - aber wenns da um Multikulti geht, ist es natürlich unabdingbar dieses zu erwähnen, nichtwahr? So wird auch selbstverständlich zusätzlich noch erwähnt, dass der arme Mann mit Migrationshintergrund nur solche Rollen bekommt. Wie gemein aber auch und so garnicht politisch Korrekt, hier dran muss Australien auf jeden Fall noch arbeiten! Das einzig Interessante was ich aus dem Artikel aufschnappen konnte: Selbst Australien hat muslimische Migranten aus dem nahen Osten. Es gibt also quasi kein einziges, westliches Land wo es diese nicht gibt...
allerdings, dass dieser Artikel mit dem deutschen Sendestart auf arte zusammenfällt. Also geht das von Ihnen gemutmaßte "Darüber wird nur berichtet, weil es irgendwas mit "multi-kulti" zu tuen hat" fehl.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter RSS
alles zum Thema Televisionen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten