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22.01.2013
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Stalker-Krimi mit Kati Witt

Ich bin ein Star, holt den da raus

Von Nikolaus von Festenberg
SAT.1

Katarina Witt, die pensionierte Eis-Diva, spielt sich selbst: In dem Sat.1-Thriller "Der Feind in meinem Leben" wird sie bedroht von einem Stalker, gespielt von Matthias Koeberlin. Eine biedere TV-Geschichte, aus deren Bildern aber die verschlingende Sehnsucht des starsüchtigen Mediums spricht.

Es ist, als hätten wir's schon hundertmal so flimmern sehen: Kleiner Polizist mit Kind, Kegel und in den Ketten eines Eigenheimbaus begegnet schöner Frau und verfällt ihr. Zu Heinrich Heines Zeiten wurde mit solchen Verirrungen ("wildes Weh") kurzer Prozess gemacht. Der Fischer auf dem Rhein, der sich in die Blondine Loreley verguckt hat, brettert auf die Felsen. Aus die Maus.

Heute, wo alles nachhaltiger zu sein hat, zieht sich die Schilderung so einer Gefühlsverirrung und ihrer fatalen Folgen viel länglicher dahin. Man versucht das Unerklärliche zu erklären, denn es gibt ein englisches Wort, von dem niemand genau weiß, was es eigentlich bedeutet, aber es besitzt einen therapeutischen Sound, der irgendwie alles sagt: Stalking.

Der Autor und Regisseur Bernd Böhlich - er hat vor allem die Mark Brandenburg mit dem wunderbaren Zweiradpolizisten Krause und der schwangeren Ermittlerin Maria Simon ins "Polizeiruf"-Herz knattern lassen - erweist sich in dem neuen Sat.1-Film als ein listiger Schmuggler.

Es sind die Bilder (Kamera: Gero Steffen), die den Biedersinn des TV-Üblichen aufbrechen, diese nachsingbare Story, dass es nicht gutgehen kann, wenn der verrückt gewordene Polizisten-Schuster nicht bei Muttis Leisten bleibt, und dass einer nur krank sein kann, wenn er wegen eines unerreichbaren Weibes seinen Beamtenstatus riskiert. Und schließlich, dass Therapie am Ende schon alles richtet.

Ausgerechnet der Schutzmann ist ein brunftiger Elch

Die Details der Handlung sind schnell erzählt und ebenso schnell zu vergessen: Polizeimeister Martin Breiter (Matthias Koeberlin) wird mit seinem Kumpel (Martin Brambach) wegen einer Anzeige der Ruhestörung zum Eislaufstar Katarina Witt (Katarina Witt, vom Sender wohl als doppelter Hitberger geplant) gerufen. Und ach, auf der Party begegnet ihm die schöne reife Frau.

Er ist von da an verloren, kauft sich ein schönes Auto, vernachlässigt Familie und Beruf. Mutter Breiter (Valerie Niehaus) macht große sorgenvolle Augen, aber weder sie, noch die Kinder, noch die Polizeikollegen können den faszinierten Mann davon abhalten, wie eine lichtsüchtige Motte das Objekt seiner Begierde zu umschwirren.

Was ihn toll macht, bereitet Katarina der Großen Missbehagen: Sie kennt sich mit Stalkern aus und muss nun erleben, dass ausgerechnet ein angeblicher Schutzmann gegen Stalkerei selber ein solcher brunftiger Elch ist. Dann fällt ein Schuss, der Gendarm kommt in die Klapse, alles wird, so will es das Medium, gut.

Absicht oder nicht, die Stalkerei wird in Böhlichs Filmbildern als die entgleiste Verwandte des Star-Voyeurismus gezeigt. Das Publikum, vertreten durch den kleinen Polizisten, glotzt ohne Aussicht auf wirkliche Nähe auf einen Star und gerät frustriert in die Rolle eines aggressiven Kontrolettos: Wenn ich ihn nicht besitzen kann, so soll er mir nicht weglaufen. Wässeriger bläulicher Glanz fällt auf den bewundernden Polizeidarsteller Koeberlin. Ein imaginiertes Licht für einen, dem es die Sinne verschlägt. Es zeigt - schlagender als tausend Dialogsätze - einen Gefangenen seiner eigenen Projektionen.

Bewunderungsgestört, wie es der Zeitgeist will

Das Zentrum seiner Verzauberung, die Witt als Witt, ist fern und leer. Böhlich hat von den vielleicht gelernten Schauspielkünsten der Eislaufsportlerin - sie nahm für den Film Unterricht - geschickterweise keinen Gebrauch gemacht. Witt bleibt im Film ziemlich sprachlos, sächselt höchstens mal ins Handy und schwingt sich lieber vor der Kamera ein letztes Mal auf die Kufen.

Sie verbreitet optisch eine reife Herbheit und geht cool wie Eis durch die Stalk-Gefahr. In der Phantasie des Bezauberten will und kann sie keine Rolle spielen. Es soll klar werden: Die Tragödie des Stalkers ist seine Einsamkeit. All der kalte Glanz, der schöne Pool vor dem Ausblick zum See, das Hopper-Nighthawks-hafte der kühlen Einrichtung, das südländische dunkle Aussehen der Witt, es ist eine tragische Kopfgeburt, ein Versprechen, dem Enttäuschung und dann Zerstörung folgen müssen, wenn man bewunderungsgestört ist, wie es der Zeitgeist will.

Im Zeitalter der falschen Nähe mit seinen kindischen Camps und den Madenattacken deckt dieser Sat.1-Film mit starken Bildern ein Stück der Todsünde des wollüstigen Verschlingens auf, mit der vor allem die Privaten ihre Geschäfte machen, und uns, die latenten Stalker, in den Bann schlagen. Der kulturkritische Schmuggel gelingt. Immerhin.


"Der Feind in meinem Leben", Mittwoch, 20.15 Uhr, Sat.1.

Forum

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insgesamt 12 Beiträge
1. das alte honecker liebchen
schlagwort 22.01.2013
spielt sich selbst.wer spielt denn honecker im film
Zitat von sysopSAT.1Katarina Witt, die pensionierte Eis-Diva, spielt sich selbst: In dem Sat.1-Thriller "Der Feind in meinem Leben" wird sie bedroht von einem Stalker, gespielt von Matthias Koeberlin. Eine biedere TV-Geschichte, aus deren Bildern aber die verschlingende Sehnsucht des starsüchtigen Mediums spricht. http://www.spiegel.de/kultur/tv/katarina-witt-als-kati-witt-im-sat-1-film-der-feind-in-meinem-leben-a-878185.html
spielt sich selbst.wer spielt denn honecker im film
2. Genossin Witt - immer bereit
luckystarc 22.01.2013
Könnten die Medien uns nicht mal in Ruhe lassen mit diesen alten SED Leuten aus der DDR - Honneckers Mädchen muss man nicht huldigen.
Könnten die Medien uns nicht mal in Ruhe lassen mit diesen alten SED Leuten aus der DDR - Honneckers Mädchen muss man nicht huldigen.
3.
bürger10000 22.01.2013
Klingt total spannend! Kanns kaum erwarten! Mal wieder EIN Highlight! Nur leider habe ich keinen Fernseher, zu schade!
Klingt total spannend! Kanns kaum erwarten! Mal wieder EIN Highlight! Nur leider habe ich keinen Fernseher, zu schade!
4. klingt nach Bambi...
K_Ranseier 22.01.2013
Zumindst optisch ein Highlight. Es hätte auch noch schlimmer kommen können. Stellen Sie sich mal vor Frau Ferres wäre das Drehbuch auf den Leib geschrieben worden. Die hätte dann nicht "sich selbst" gespielt, [...]
Zumindst optisch ein Highlight. Es hätte auch noch schlimmer kommen können. Stellen Sie sich mal vor Frau Ferres wäre das Drehbuch auf den Leib geschrieben worden. Die hätte dann nicht "sich selbst" gespielt, sondern eine Frau die eine Frau darstellt, die eine Schauspielerin darstellt die auch noch Frau Ferres ist...und das auch noch privat!
5. Sat 1
pefete 22.01.2013
ist sich für nix zu schade.
ist sich für nix zu schade.

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