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19.02.2013
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Stasi-Vorwürfe gegen Schmidt-Schaller

ZDF hält an "Soko Leipzig"-Star fest

DPA

Arbeitete als IM der Stasi: "Soko Leipzig"-Darsteller Andreas Schmidt-Schaller

Im Fernsehen spielt Andreas Schmidt-Schaller einen Hauptkommissar, im wahren Leben war der "Soko Leipzig"-Star früher ein Stasi-Mitarbeiter. Die DDR-Opfer-Hilfe fordert nun die Absetzung der Krimireihe. Das ZDF will jedoch an Star und Serie festhalten.

Berlin/Mainz/Hamburg - Das ZDF gerät wegen eines Schauspielers mit Stasi-Vergangenheit unter Druck. Andreas Schmidt-Schaller, Hauptdarsteller der Krimi-Reihe "Soko Leipzig", war in den sechziger Jahren inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Deswegen fordert die DDR-Opfer-Hilfe nun, die Krimireihe abzusetzen.

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom Montag zufolge gab Schmidt-Schaller unter dem Decknamen IM "Jochen" Informationen über die Leipziger Theaterschule an die Stasi weiter - angeworben worden sei er 1967. Der "Bild"-Zeitung sagte Schmidt-Schaller: "Ich dachte damals wirklich, ich bin auf der richtigen Seite. Ich hielt die DDR für das bessere Land. Hinzu kam die Angst, dass meine Mutter die Arbeit verliert, wenn ich nicht mitmache."

Schmidt-Schallers Anwältin Julia Bezzenberger bestätigte am Dienstag die Aussagen ihres Mandanten, legte aber Wert auf die Feststellung, der Schauspieler habe die Zusammenarbeit mit der Stasi 1971 eingestellt. "Ich hoffe, meine Kollegen und Zuschauer können mir diesen Fehler verzeihen", sagte der TV-Star.

Roland Schulz, der stellvertretende Vorsitzender der DDR-Opfer-Hilfe, ist dazu offensichtlich nicht bereit. Er bezeichnete es als Zumutung für ehemals politisch Verfolgte der SED-Diktatur, "wenn frühere Spitzel gebührenfinanziert an vorderster Front beschäftigt würden." Er führte weiter aus: "Was für die Moderatoren und Redakteure öffentlich-rechtlicher Sender in Bezug auf die Stasi-Problematik galt und gilt, muss auch für die Schauspieler gelten, die über den Sender beschäftigt werden". Dabei sei unerheblich, ob Produktionsfirmen die Sendung herstellen. "Entscheidend ist die Ausstrahlung im Programm. Und die muss jetzt ein Ende haben."

Das ZDF sieht hingegen keinen Handlungsbedarf. Eine Sprecherin des Mainzer Senders sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe "keinen Anlass für Konsequenzen hinsichtlich des Einsatzes von Andreas Schmmidt-Schaller in der Soko Leipzig". An eine Absetzung der Krimireihe sei nicht gedacht.

sbr/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
1. was der clown denn?
viceman 19.02.2013
ich meine nicht schmidt-schaller, ich meine den "opfer-verbands-vize"! in einem land, das selbst übelste nazi-schauspieler/regiesseure u.a. nach kurzer schamfrist wieder beschäftigte, sollte eine nunmehr 40 [...]
Zitat von sysopDPAIm Fernsehen spielt Andreas Schmidt-Schaller einen Hauptkommissar, im wahren Leben war der "Soko Leipzig"-Star früher ein Stasi-Mitarbeiter. Die DDR-Opfer-Hilfe fordert nun die Absetzung der Krimireihe. Das ZDF will jedoch an Star und Serie festhalten. http://www.spiegel.de/kultur/tv/sed-opferverband-will-soko-leipzig-absetzen-lassen-a-884375.html
ich meine nicht schmidt-schaller, ich meine den "opfer-verbands-vize"! in einem land, das selbst übelste nazi-schauspieler/regiesseure u.a. nach kurzer schamfrist wieder beschäftigte, sollte eine nunmehr 40 jahre zurückreichende "im -tätigkeit" nicht einmal eine erwähnung wert sein. von den aktuellen verwicklungen von spitzeln und mitarbeitern aus den reihen des verfassungsschutzes und anderen geheimdiensten in die nsu-morde ganz zu schweigen!
2.
Revisionist 19.02.2013
Es gab in der DDR keine Kunsthochschule, kein Theater oder sonstige Kultureinrichtung ohne IM´s. Das war allgemein bekannt und nichts besonderes. Der "Widerstand" beschränkte sich in diesem Bereich ohnehin auf [...]
Es gab in der DDR keine Kunsthochschule, kein Theater oder sonstige Kultureinrichtung ohne IM´s. Das war allgemein bekannt und nichts besonderes. Der "Widerstand" beschränkte sich in diesem Bereich ohnehin auf Ausreiseanträge, also nichts Staatsgefährdendes.
3. Scheinhelliger Westen
martin-kö 19.02.2013
Während Teile des Verfgassungsschutz die NUS-Morde gedeckt haben, dem braunen Herren Gelder in riesigen Mengen zugesteckt haben, um angebliche Interna zu erfahren, hecheln unsere westlichen Medien in großer Aufmachung hinter [...]
Während Teile des Verfgassungsschutz die NUS-Morde gedeckt haben, dem braunen Herren Gelder in riesigen Mengen zugesteckt haben, um angebliche Interna zu erfahren, hecheln unsere westlichen Medien in großer Aufmachung hinter irgendwelchen Stasi-Machenschaften hinterher, ohne dass es eine Differenzierung gibt. Sollen doch die Besserwisser aus dem Westen einmal in dem engmaschigen Netz eines totalitären Staates gelebt haben, dann würden sie nicht so leichtfertig über andere urteilen. Wo sind denn eigentlich die sog. Aufklärer, die in den eigenen westlichen Reihen nachden Stasi-Spitzeln suchen? Was ist mit Strauss, Mischnik, Wehner etc. etc.?
4. So, jemand der mal IM war...
sappelkopp 19.02.2013
...soll also nicht mehr arbeiten dürfen? Jedenfalls nicht als Schauspieler. Aber dürfte er Pizza ausfahren? Oder kommt dann auch ein "Opfer-Verband"? Und keiner sollte mehr Pizza von ihm annehmen? Hey, der hat [...]
Zitat von sysopDPAIm Fernsehen spielt Andreas Schmidt-Schaller einen Hauptkommissar, im wahren Leben war der "Soko Leipzig"-Star früher ein Stasi-Mitarbeiter. Die DDR-Opfer-Hilfe fordert nun die Absetzung der Krimireihe. Das ZDF will jedoch an Star und Serie festhalten. http://www.spiegel.de/kultur/tv/sed-opferverband-will-soko-leipzig-absetzen-lassen-a-884375.html
...soll also nicht mehr arbeiten dürfen? Jedenfalls nicht als Schauspieler. Aber dürfte er Pizza ausfahren? Oder kommt dann auch ein "Opfer-Verband"? Und keiner sollte mehr Pizza von ihm annehmen? Hey, der hat vor 42 Jahren die Zusammenarbeit aufgekündigt. Wie lächerlich ist das denn? Allein schon die Wortwahl "an vorderster Front"... Wenn der Mann in der Politik wäre oder ein hohes Amt in der öffentlichen Verwaltung innehätte, aber Schauspieler? Lasst ihn spielen und gut ist!
5. Entschuldigung annehmen
corney 19.02.2013
In Anbetracht der Tatsache, dass Schmidt-Schaller sich entschuldigt hat für seine 4jährigen Dienste als IM, sollte man es auch dabei belassen. Die Forderung, die Soko Leipzig deshalb abzusetzen, finde ich recht unpassend, zumal [...]
In Anbetracht der Tatsache, dass Schmidt-Schaller sich entschuldigt hat für seine 4jährigen Dienste als IM, sollte man es auch dabei belassen. Die Forderung, die Soko Leipzig deshalb abzusetzen, finde ich recht unpassend, zumal das eine nichts mit dem anderen zu tun hat.

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