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Kultur

"Bachelor in Paradise"

Rumoren an der Betaste-Börse

Es geht um Macht, es geht um den Markt, und es geht um abschmelzende Schleckprofite: Schon in der zweiten Folge wandelt sich "Bachelor in Paradise" zum BWL-Telekolleg.

RTL
Von
Donnerstag, 17.05.2018   14:37 Uhr

Gute Güte, gäbe das ein Gepinkele! Man muss wirklich dankbar sein, dass RTL am Ende dann doch der sicherlich sehr großen Versuchung widerstanden hat, "Bachelor in Paradise" mit Hunden statt mit Menschen zu drehen. Niedlicher wäre diese Variante sicher geworden, aber eben auch deutlich urinlastiger. Denn, und das ist möglicherweise der einzige Punkt, in dem Menschen Hunden etwas voraus haben: Zumindest markieren Zweibeiner ihr Revier nicht, indem sie es tatsächlich physisch anpieseln.

Abgesteckt, in Besitz genommen, als Meins-meins-MEINS! erklärt wurde in der zweiten Folge des jetzt schon überaus gelungenen neuen Trashformats allerhand (Lesen Sie hier eine Kritik zum Auftakt). Eine hübsche Telekolleg-Miniatur zum Thema Liebeskapitalismus wurde da aufgeführt, ein Lehrstück darin, was passiert, wenn man Gefühle nach Marktgesetzen reguliert: Lieber nicht festlegen, obwohl man sich eigentlich gut findet, lieber mal an der Betaste-Börse spekulieren, was sonst noch anderswo an Schleckprofit und Rummach-Rendite drin wäre.

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Bacherlor in Paradise: Telekolleg in Sachen Liebeskapitalismus

Dumm nur, wenn plötzlich eine Inflation den Markt erschüttert, weil die Zentralbachelorbank zu viel frisches Kapital in das System pumpt. Mit einem Schwapper Bachelor-Ursuppe wird Paul Janke ins Paradies gespült, der haarschaumgeborene, gefühlt erste und für viele immer noch einzig legitimer "Bachelor"-Balzbock, bohlengebissiger denn je.

Man denkt bei seinem Anblick seit Langem mal wieder daran, wie sich Wale ernähren: Mit stets halboffenem Mund, die obere Kauleiste blinkend freigelegt, pflügt Paul durch die verpaarungsbereite Warenauslage wie ein hungriger Bartenwal, der hereinströmendes Plankton durch seine Hornplatten filtert. Und nimmt gleich mal Pam zu seinem ersten Date mit, an der doch eigentlich letztes Mal schon Philipp das Beinchen hob (zur Sicherheit noch einmal der Hinweis: rein metaphorisch).

So sitzen Paul und Pam bei ihrem Date also auf einem Felsen mit Aussicht, man wartet noch darauf, dass sie gleich ein Bon-Jovi-Musikvideo drehen, während daheim im Paradies der Markt rumort: Die Nachfrage nach Blaublitzaugen und Propermännchen steigt nämlich gewaltig, und die Philippmittel werden knapp.

Während Pam sich nämlich im fahlen Schein des Jankegebisses sonnt, macht sich als nächste Carina an Philipp ran. Er berichtet ihr beim Anbändelungsanbahnungs-Smalltalk, er sei ein riesiger Asienfan, was für all jene Zuschauer ein köstlicher kleiner Spaß ist, die seinerzeit dabei waren, als die kulturgeschockte Schlichtmadame Carina mit Bachelor Daniel in Vietnam eine Bootsfahrt durchlitt.

Auch Caro findet Philipp gut, schließlich ist er "'n richtig krasser Charaktermensch", und weil sie außerdem im Besitz einer Datecard ist, neben ausreichender Bebusung die stabilste Währung im Paradies, nimmt sie den Vielbebalzten mit zum nächsten Tagesausflug. Zuhause wird einem spätestens da klar, dass man mit einem falschen Produktversprechen geködert wurde, wie es halt im Kapitalismus so üblich ist. Das hier ist nicht "Bachelor in Paradise". Das ist Bachelor in Konfirmandenfreizeit. Und warum sieht Domenico inzwischen eigentlich aus wie Johnny Depp, der Harry Potter spielt?

In die Röhre schaut derweil Ex-Bachelor Oliver, der Caro damals im Finale aussortierte und sie in der vergangenen Staffel noch überaus eklig um seine möglicherweise wieder aufwärmbare Gunst buhlen ließ. Er überschätzte sein Bachelorkapital allerdings empfindlich, auch deshalb, weil mit Neu-Kandidat Sebastian ein fast identischer, allerdings deutlich günstigerer Nachbau auf den Markt kommt: Sebastian sieht quasi genauso aus wie Oliver, zeigt sich aber Caro gegenüber deutlich weniger spröde und weist obendrein dieselben Prollo-Sonderfunktionen auf wie das Original: "Schöne Tittensuppe", sagt er mit Blick auf den Pool.

Datecard-Investorin Caro hat also überraschenderweise zur Abwechslung selbst die Fäden in der Hand. "Sie ist jetzt die, die den Bachphilippelor Oliver Sanne korbt", lästert Carina schon auch ein wenig ehrfürchtig. "Und die, die ihren Freundinnen den Kerl nimmt." Also bitte für kommende Trashformate notieren: Caro jetzt immer mit den ergänzenden Kürzeln DDDBOSK/DDIFDKN versehen, und das Ganze bitte nicht mit DSGVO verwechseln.

Es könnte alles so schön laufen für sie - doch dann verzettelt sich Caro mit verfrühten Monopolisten-Fantasien. "Meinst du, von den anderen spricht mich noch eine an?", fragt Philipp bei ihrem Date im unvermeidlichen Infinity-Pool. "Wär' besser, wenn nicht", gibt Caro Don-mäßig zurück und zurrt den Gürtel ihres weißen Waffelpiqué-Bademantels noch etwas fester. Ganz beeindruckt sei er, sagt Philipp, weil er "so eine selbstsichere, selbstbewusste Frau" an seiner Seite habe - um sich ein halbes Stündchen später von genau dieser Frau über Gebühr unter Druck gesetzt zu fühlen, weil sie von ihm klare Wettbewerbsbeschränkungen gegenüber Pam und Carina fordert.

Leider haben die drei Frauen die Gesetze des Marktes nicht ansatzweise verstanden: In dieser Folge sind sie mit der Rosenvergabe dran, können also entscheiden, welcher Mann bleibt und welcher fliegt - und balzen trotzdem weiter um Philipps Gunst. Nur Oliver ist angeschmiert. "Dass sie jetzt die Macht hat, das regt mich so'n bisschen auf. Das ist nicht die Caro, die ich kennengelernt habe", sagt er und findet es völlig normal, sich ein System zurückzuwünschen, in dem die Frau komplett von seinen Launen abhängig ist. Ein Zimmerchen weiter sitzt Pam schnurrend zu Philipps Füßen. Und "Bachelor in Paradise" ist plötzlich gar nicht mehr lustig, sondern schrecklich traurig.

Zur Autorin

insgesamt 10 Beiträge
YoRequerrosATorres 17.05.2018
1. Toll ist das...
...es ist super-unterhaltsam und echt echt. Weil die Protagonisten ja gar kein Talent zum Schauspielern haben (und damit die Zweitkarriere verwehrt bleibt), erfreuen wir uns auf eine primitive Weise. Schön ist das...
...es ist super-unterhaltsam und echt echt. Weil die Protagonisten ja gar kein Talent zum Schauspielern haben (und damit die Zweitkarriere verwehrt bleibt), erfreuen wir uns auf eine primitive Weise. Schön ist das...
dasfred 17.05.2018
2. Voll krasse Charaktere
Bin noch am lachen. Der BachelorInnen Report ist wieder grossartig. Kann es leider nicht selbst sehen, da ich zu der Zeit die Konkurrenz bei ONE aufzeichnen muss (sorry). Aber die Bilder, die Frau Rützel in mir erzeugt, können [...]
Bin noch am lachen. Der BachelorInnen Report ist wieder grossartig. Kann es leider nicht selbst sehen, da ich zu der Zeit die Konkurrenz bei ONE aufzeichnen muss (sorry). Aber die Bilder, die Frau Rützel in mir erzeugt, können das mit Sicherheit aufwiegen. Bei den Auswirkungen, die die Rützel Kolumne auf mein Humor Zentrum hat, bin ich definitiv suchtgefährdet.
spiegelfrauchen 17.05.2018
3. Gut gerützelt ;-)
Lesespass vom Feinsten ! Ich bin geneigt, mir die nächste Sendung vom " Bäpschlär " anzuschauen .
Lesespass vom Feinsten ! Ich bin geneigt, mir die nächste Sendung vom " Bäpschlär " anzuschauen .
timber_ulf 17.05.2018
4. Erschütternd!
Das solch Sendeformate noch zur Primetime Einschaltquoten generieren... Wurde mittlerweile die natürliche Auslese ausgehebelt?
Das solch Sendeformate noch zur Primetime Einschaltquoten generieren... Wurde mittlerweile die natürliche Auslese ausgehebelt?
heinz.murken 17.05.2018
5. Mir reicht es
mich an den Rützel’schen Ergüssen zu erfreuen und in ausreichend kurzen Abständen daran erinnert zu werden, welche(n) Sender ich nie, nie, nie gucken werde. So hoffe ich nur bei jedem Neuen Rützel nicht den letzten aus [...]
mich an den Rützel’schen Ergüssen zu erfreuen und in ausreichend kurzen Abständen daran erinnert zu werden, welche(n) Sender ich nie, nie, nie gucken werde. So hoffe ich nur bei jedem Neuen Rützel nicht den letzten aus Versehen verpaßt (überlesen) zu haben. Rützel, you made my day again !

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