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Kultur

"Let's Dance" bei RTL

Hufe, Krämpfe, Flachwitze

Bevor nächste Woche die 12. Staffel von "Let's Dance" startet, wurden in der Kennenlernshow die Promi-Profi-Paare zusammengeführt. Und erste Ahnungen geweckt, wohin es in dieser Saison humortechnisch gehen könnte.

TVNOW/ Robert Grieschek
Von
Samstag, 16.03.2019   08:56 Uhr

Treffendste Prominenz-Erklärung: "Ich bin der Schmonzettenmann", stellte sich Schauspieler Jan Hartmann vor und fasste so seine Tätigkeit für rosafiltrige Schmachtstücke wie "Sturm der Liebe" und "Kreuzfahrt ins Glück" wunderbar zusammen.

Sängerin Ella Endlich versuchte es mit einem leicht mäuseligen "mich kann man kennen aus der DSDS-Jury".

Getoppt wurden die beiden nur noch von Barbara Becker - sie gab eine sachlich richtige, aber trotzdem etwas sonderbare Personenstandsbeschreibung ab, die so sperrig klang wie ein Beispielsatz aus einer Grammatikfibel, die gerade die Apposition als besondere Form des Attributs erklärt: "Boris Becker, der berühmte Tennisspieler, ist der Vater meine Kinder."

Später gefiel Becker noch durch eine sehr plausible Begründung, warum sie sich so über den ihr zugeteilten Profitänzer Massimo Sinato freue: "Er hat einen tollen Hund."

Schlimmster Moderationskrampf: Sängerin Kerstin Ott stellte für ihre Teilnahme die Bedingung, dass sie mit einer Frau tanzen möchte. Die nach wie vor stets hochgradig aufgescheucht und aufgesetzt wirkende Moderatorin Victoria Swarovski befragte sie schmerzlich steif, warum das so sei: "Möchtest du kein Kleidchen anziehen?"

Also musste Ott in ihrem Vorstellungsfilmchen eben selbst erklären, dass sie mit einer Frau zusammenlebe und es ihr schwer fallen würde, die Emotion und Leidenschaft, die eben zum Tanzen gehöre, mit einem männlichen Tanzpartner glaubhaft verkörpern zu können.

Im Laufe der Sendung wurde dann noch zweimal nachgehakt, ob sie sich denn wirklich sicher sei, dass sie echt nicht doch mit einem Mann tanzen wolle; Frauke Ludowig moderierte den Umstand, dass in dieser Staffel erstmals eine Frau mit einer Frau tanzen würde, in ihrer "Extra"-Vorschau halb atemlos als "Sensation" an. Es ist doch nur ein kleiner Knacks im binären Geschlechterklischee, bitte einfach mal alle darüber hinwegkommen.

Schmalzbaron der Staffel: Thomas Rath. Der Modedesigner schatzifizierte alles und jeden und schwülstelte "Let's dance" so ausufernd zur emotionalen Himmelfahrt, dass man sich schon beim Zuschauen fühlte, als habe er einen mit einem Bottich Melkfett eingerieben.

Souveränster Walzierer: Der gehörlose Kampfkunstmeister und Schauspieler Benjamin Piwko kann die Musik zu seinen Tänzen nicht hören und muss sich seine Choreografien rein visuell bei seiner Tanzpartnerin abschauen. Das gelang ihm sehr gut, besser noch aber war sein extrem souveräner Auftritt drumherum.

Ein Gebärdensprache-Dolmetscher unterstützt ihn in seiner Kommunikation mit Jury und Moderatoren, und das alles wirkte so selbstverständlich, wie Piwkos Teilnahme eben auch sein sollte.

In den USA gewann das gehörlose Model Nyle DiMarco 2016 die Tanzshow "Dancing with the Stars" - wie weit es Piwko bei "Let's Dance" bringen wird, ist die spannendste Frage der diesjährigen Staffel.

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RTL: Auf der Tanzfläche

Burdecki des Tages: Weil nach wie vor ungeklärt ist, ob die amtierende Dschungelkönigin Evelyn Burdecki eher Natural Born Schussel oder doch gescriptetes Doofinchen ist, stehen nicht nur ihre tänzerischen Leistungen unter besonderer Beobachtung: Wird sie auch unter körperlicher Höchstbelastung ihren im Dschungelcamp durchaus beachtlichen Output an Drollismen halten können?

Mindestens eine typische Einfaltseinlassung gelang ihr in der Auftaktsendung: Ihr Kleid sei eben gerissen, beklagte sie nach ihrem Tanz, weil sie sich mit den "Hufen" drin verfangen habe.

Flachsack des Tages: Oliver Pochers Humorverständnis pflückt immer noch die tiefsthängenden Faultrauben: Er machte wohlfeile "Bodyshaming"-Witze, zeigte dazu den eigenen Plauzbauch - und zielte doch penetrant auf Mitkandidat Lukas Rieger: Nimmermüde machte er sich über die schmale Figur des 19-jährigen Sängers lustig.

Als Motsi Mabuse erklärte, Pochers Körperhaltung beim Tanzen habe sie an einen schleichenden Dieb erinnert, antwortete er mit Verweis auf die Herkunft mancher Profitänzerinnen: "Ich weiß nicht, wie Diebe gehen, aber wir haben hier von den allerbesten Russinnen gelernt."

Das Studiopublikum johlt, beim Zuschauen tut all das weh. Wenn man bei mehreren Gags das starke Gefühl hat, dass sich nach diesen Scherzen wahrscheinlich nicht einmal Mario Barth bücken würde, ist das vielleicht nicht das allerbeste Zeichen.

insgesamt 46 Beiträge
palef 16.03.2019
1. Frau Ratzel, wortgewandt, zum Thema...
...Recycling-TV, begleitet von Dosenbier....
...Recycling-TV, begleitet von Dosenbier....
hexenbesen.65 16.03.2019
2. Wie die Leute das machen,
es scheint IMMER "falsch" zu sein... Kerstin Ott wurde wahrscheinlich mehrfach gefragt, damit es hinterher nicht heist: "Na klar, die ist Lesbisch, also MUSS sie ungefragt mit einer Frau zusammen tanzen "... [...]
es scheint IMMER "falsch" zu sein... Kerstin Ott wurde wahrscheinlich mehrfach gefragt, damit es hinterher nicht heist: "Na klar, die ist Lesbisch, also MUSS sie ungefragt mit einer Frau zusammen tanzen "... Und im Vergleich zu ihrer ersten Moderation hat Victoria Swarowski schon ne passable Leistung gebracht. Live ist eben Live und durch die Aufregung verhaspelt man sich gern. (Ich erinnere mich mit grausen an eine "Live-Sendung" mit einer Kolumen-Schreiberin--die im schriftlichen ganz gut ist--aber Live war sie zum davon laufen) Und die "Flachwitze"..soll Pocher schon gleich aus den Vollen Schöpfen ? Und so wie es aussieht, verstehen er und Llambi sich ganz gut. Mal sehen, wie es weiter geht ..
House_of_Sobryansky 16.03.2019
3. Nächster AUfruf
Oh rühren Sie nicht an die Wunde, die die Content-Lieferantin ganz ohne drag gezeigt hat. Allein, dass wir alle es wissen und stets vor uns sehen, ist eine so fürchterliche Nemesis, wie sie der Verhebung entspricht. Heute [...]
Zitat von hexenbesen.65es scheint IMMER "falsch" zu sein... Kerstin Ott wurde wahrscheinlich mehrfach gefragt, damit es hinterher nicht heist: "Na klar, die ist Lesbisch, also MUSS sie ungefragt mit einer Frau zusammen tanzen "... Und im Vergleich zu ihrer ersten Moderation hat Victoria Swarowski schon ne passable Leistung gebracht. Live ist eben Live und durch die Aufregung verhaspelt man sich gern. (Ich erinnere mich mit grausen an eine "Live-Sendung" mit einer Kolumen-Schreiberin--die im schriftlichen ganz gut ist--aber Live war sie zum davon laufen) Und die "Flachwitze"..soll Pocher schon gleich aus den Vollen Schöpfen ? Und so wie es aussieht, verstehen er und Llambi sich ganz gut. Mal sehen, wie es weiter geht ..
Oh rühren Sie nicht an die Wunde, die die Content-Lieferantin ganz ohne drag gezeigt hat. Allein, dass wir alle es wissen und stets vor uns sehen, ist eine so fürchterliche Nemesis, wie sie der Verhebung entspricht. Heute versucht sie es mit der Apposition, der Beistellung. Immerhin bringt mir dies im Zusammenhang mit Barbara und Boris die Halluzination der Nachttischchen, die wohl beigestellt waren: Nächster Aufruf das Los 324, Nachttisch Boris. Poliertes Messing, edles weißes Marmorsubstitut, Kamera (defekt), Geheimfach!
Vanessa Sparrow 16.03.2019
4.
Glauben Sie wirklich, bei Pocher gäbe es da ein "Volles", aus dem er schöpfen könnte? Bei dem ist Niveau doch wirklich die blaue Dose mit der weißen Schrift.
Zitat von hexenbesen.65es scheint IMMER "falsch" zu sein... Kerstin Ott wurde wahrscheinlich mehrfach gefragt, damit es hinterher nicht heist: "Na klar, die ist Lesbisch, also MUSS sie ungefragt mit einer Frau zusammen tanzen "... Und im Vergleich zu ihrer ersten Moderation hat Victoria Swarowski schon ne passable Leistung gebracht. Live ist eben Live und durch die Aufregung verhaspelt man sich gern. (Ich erinnere mich mit grausen an eine "Live-Sendung" mit einer Kolumen-Schreiberin--die im schriftlichen ganz gut ist--aber Live war sie zum davon laufen) Und die "Flachwitze"..soll Pocher schon gleich aus den Vollen Schöpfen ? Und so wie es aussieht, verstehen er und Llambi sich ganz gut. Mal sehen, wie es weiter geht ..
Glauben Sie wirklich, bei Pocher gäbe es da ein "Volles", aus dem er schöpfen könnte? Bei dem ist Niveau doch wirklich die blaue Dose mit der weißen Schrift.
w.weiter 16.03.2019
5. Wie immer,
ein angenehmer, sehr wortgewandter Beitrag. Chapeau. Ich möchte jedoch einen Teil der "2nd Unit" der 12. Staffel dieser TV-Schau hervorheben. Die Fotos der Teilnehmer*innen sind äußerst gelungen. Ob man die [...]
ein angenehmer, sehr wortgewandter Beitrag. Chapeau. Ich möchte jedoch einen Teil der "2nd Unit" der 12. Staffel dieser TV-Schau hervorheben. Die Fotos der Teilnehmer*innen sind äußerst gelungen. Ob man die Teilnehmer*innen mag oder nicht, egal. Alle Teilnehmer*innen wurden respektvoll in Szene gesetzt und abgelichtet. Das ist nicht nur professionell. Das nenne ich "Wertschätzung". Chapeau.

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