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Kultur

Scifi-Netflix-Serie "Lost in Space"

Brisante Familienaufstellung

Retromania als Erfolgsgarant? Netflix bringt das Remake des TV-Serienklassikers aus den Sechzigern "Lost in Space" zurück - mit Humor und Eheproblemen.

Netflix
Von
Montag, 16.04.2018   18:07 Uhr

Das Raumschiff abgestürzt, Mutters Bein gebrochen, ein Kind gefangen im Eis, ein weiteres in einer Gletscherspalte verschollen, und alle Beteiligten wahlweise den Tod durch Wundbrand, Sauerstoffmangel oder Unterkühlung vor Augen. Es läuft nicht rund für Familie Robinson auf ihrer verunglückten Expedition ins All.

Mit einer eindringlich bebilderten Kaskade der Katastrophen macht "Lost in Space" gleich zum Auftakt klar, dass die für Netflix produzierte Neuauflage des amerikanischen TV-Serienklassikers aus den Sechzigern kein lockerer Weltraumspaziergang wird. Sondern eine durchaus einnehmende Synthese aus Science-Fiction und Drama. Natürlich appelliert "Lost in Space" allein schon dank des Titels an die ungebrochene Begeisterung für Formate mit Retrocharme, die Netflix erfolgreich zu kapitalisieren versteht.

Das Remake erspart sich eine Einführung und wirft die Zuschauer gleich mit der Ingenieurin Maureen Robinson (Molly Parker), ihrem militärisch ausgebildeten Ehemann John (Toby Stephens), den ungleichen Teenager-Töchtern Judy (Taylor Russell) und Penny (Mina Sundwall) sowie dem kleinen Will (Maxwell Jenkins) ins Ungewisse. So werden Hintergründe und Motivationen für die interstellare Irrfahrt nach und nach in Rückblenden ersichtlich, während die Prämisse simpel bleibt: In einer nicht allzu fernen Zukunft sind die Robinsons im Verbund mit anderen Raumfahrern auf dem Weg von der Erde zum Sternensystem Alpha Centauri, wo sie als Kolonisten eine neue menschliche Zivilisation aufbauen sollen. Als das riesige Mutterschiff havariert, kann sich die Familie auf das Beiboot "Jupiter 2" retten.

Kein optimistischer Zukunftsglaube

Ihrer Bruchlandung folgt die Erkenntnis, dass sie Tausende Lichtjahre vom Kurs auf einem unbekannten und vermeintlich unbesiedelten Planeten gestrandet sind. So weit, so konventionell. Aber der Reiz der zeitgemäß renovierten Robinsonade gründet ohnehin weniger auf bahnbrechender Originalität als vielmehr auf kurzweiligen Um- und Neudeutungen, die Plot und Figurenzeichnung durchziehen. Komplett verschwunden etwa der optimistische Zukunftsglaube, den die Originalserie noch passend zur damaligen Begeisterung für die Raumfahrtprogramme postulierte. Nun reisen Menschen nicht mehr ins All, weil das Glück in den Sternen liegt, sondern weil selbiges der Erde schlicht ausgegangen ist.

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"Lost in Space": Kein lockerer Weltraumspaziergang

Zur globalen Misere kommen private Konflikte, denn die Robinsons sind längst nicht mehr der idealisierte Familienverbund aus der TV-Vergangenheit: Die Ehe von Maureen und John ist schon lange in der Krise, zwischen der ehrgeizigen Judy und ihrer zurückhaltenden Schwester Penny schwelt die Konkurrenz, und der unglückliche Will hätte aufgrund mangelnder Eignung gar nicht erst ins All fliegen dürfen.

Eine außerirdische Killermaschine?

Die brisante Familienaufstellung wird entscheidend erweitert, als mit dem Mechaniker Don West (Ignacio Serricchio) und der mysteriösen Dr. Smith (Parker Posey) weitere Gestrandete auf dem Planeten auftauchen. Der aufregendste Zuwachs kommt indes in Form eines namenlosen Maschinenwesens, auf welches Will in der Wildnis des Planeten trifft.

Anders als beim ebenso ikonischen wie fürsorglichen Roboter in der Originalserie bleiben Herkunft und Absichten dieses Nachfolgers unklar, was zur Spannung beiträgt: Haben die Robinsons in dem Wesen mit dem leuchtenden Kugelkopf und den furchteinflößenden Fähigkeiten ihren Lebensretter gefunden? Oder holen sie sich womöglich eine außerirdische Killermaschine ins provisorische Heim?

Ob "Lost in Space" über die erste Staffel hinaus Gelegenheit bekommen wird, diese und weitere drängende Fragen zu beantworten, bleibt abzuwarten. Als angenehm geerdete Variation eines vertrauten Scifi-Themas hätte es die Serie zumindest verdient: Ohne zu viel erzählerischen Ballast, dafür mit gelungenen Anflügen von Humor und einer überzeugenden Besetzung gelingt es, das Interesse am Schicksal der Robinsons auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem ersten Start ins All wachzuhalten. Somit fraglos zur Unterhaltung geeignet, und das nicht nur, falls Mensch auf einem verlassenen Planeten strandet.

insgesamt 29 Beiträge
polkupyöränilmapumppu 16.04.2018
1. Bei Folge 8 angelangt
und bin entsetzlich gelangweilt. Die Dialoge sind größtenteils grauenhaft und wirken sehr konstruiert. Die meisten Charaktere sind so hölzern und einseitig gezeichnet, daß sich bei mir kaum Sympathie für irgendeine Figur [...]
und bin entsetzlich gelangweilt. Die Dialoge sind größtenteils grauenhaft und wirken sehr konstruiert. Die meisten Charaktere sind so hölzern und einseitig gezeichnet, daß sich bei mir kaum Sympathie für irgendeine Figur entwickelt. Sie nerven einfach nur. Das technische Setting wirkt auch aus der Zeit gefallen. So sieht die Technik gar nicht nach Zukunft aus. Von den haufenweise vorhandenen Logikfehlern ganz zu schweigen. So sieht es halt aus, wenn die Produzenten auch wirklich alles hineinpacken wollen.
sardor99 16.04.2018
2. Verfranzt
"In einer nicht allzu fernen Zukunft sind die Robinsons im Verbund mit anderen Raumfahrern auf dem Weg von der Erde zum Sternensystem Alpha Centauri... [...] Ihrer Bruchlandung folgt die Erkenntnis, dass sie Tausende [...]
"In einer nicht allzu fernen Zukunft sind die Robinsons im Verbund mit anderen Raumfahrern auf dem Weg von der Erde zum Sternensystem Alpha Centauri... [...] Ihrer Bruchlandung folgt die Erkenntnis, dass sie Tausende Lichtjahre vom Kurs auf einem unbekannten und vermeintlich unbesiedelten Planeten gestrandet sind." Alpha Centauri liegt 4,3 Lichtjahre von der Erde entfernt, sich dann mit dem Sprit tausende Lichtjahre zu verfliegen ist schon ein Ding! Ich habe gerade Folge 1 durchgehalten - mehr reizt mich nicht (als SF-Fan!)!
masaryk 16.04.2018
3. Mittelmaß
Die Serie kommt über ärgerliches Mittelmaß kaum hinaus. Der Plot ist löchrig, die dauernden Probleme schwachsinnig zusammenkonstruiert, die Physik scheint bei den Produzenten auch keinen zu interessiert. Es gibt spannende [...]
Die Serie kommt über ärgerliches Mittelmaß kaum hinaus. Der Plot ist löchrig, die dauernden Probleme schwachsinnig zusammenkonstruiert, die Physik scheint bei den Produzenten auch keinen zu interessiert. Es gibt spannende Familiengeschichten, diese ist es nicht. Dafür sind die Charaktere zu platt, die Konflikte zu komprimiert in eine Familie gepackt. Lediglich die Produktionsqualität und die Effekte sind hervorzuheben. Ich habe nach den ersten folgen entnervt aufgegeben.
pamhalpert 16.04.2018
4. Soap im ScFi-Setting
Kann den Vorrednern nur zustimmen, das ist bestenfalls Durchschnitt. Eigentlich sogar unterdurchschnittlich, wenn man bedenkt, dass es eigentlich nur eine typisch amerikanische Familiensoap ist, in der zwar hin und wieder Probleme [...]
Kann den Vorrednern nur zustimmen, das ist bestenfalls Durchschnitt. Eigentlich sogar unterdurchschnittlich, wenn man bedenkt, dass es eigentlich nur eine typisch amerikanische Familiensoap ist, in der zwar hin und wieder Probleme gewälzt, diese aber binnen wenigstens einer Episode gelöst werden. Echte Konflikte, an dene die Charaktere sich aufarbeiten und ggf. daran reiben/wachsen/zerbrechen, gibt es nicht. Alle sind entweder ausnahmslos gut oder ausnahmslos böse. So bleibt die Show in den Untiefen eines Schreibstils hängen, der mehr an "Eine himmlische Familie" erinnert, als an die grandiosen Fortschritte, die das Fernsehen spätestens seit Breaking Bad gemacht hat. Jeder TV-Schreiberling sollte Breaking Bad als DAS fabulöse Meisterwerk schauen - und Lost in Space als Beispiel dafür, wie man es eben nicht macht. Schade drum, die Geschichte hätte viel Potential gehabt.
ohne_mich 16.04.2018
5. Lieber der Film
Ich bleibe lieber bei dem Film von 1998, ein höchst selbstironisches Meisterstück, was in der deutschen Synchro leider völlig zerstört wurde in dem Versuch, einen ernsten Ton hineinzubringen.
Ich bleibe lieber bei dem Film von 1998, ein höchst selbstironisches Meisterstück, was in der deutschen Synchro leider völlig zerstört wurde in dem Versuch, einen ernsten Ton hineinzubringen.

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