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Kultur

Kramp-Karrenbauer bei "Illner"

"Insofern schätze ich meine Chancen als nicht so schlecht ein"

Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte bei "Maybrit Illner", worin sie sich von Angela Merkel unterscheidet - und dass diese auch mal laut werden könne. Den Wirkungstreffer des Abends setzte aber ein anderer.

ZDF/Svea Pietschmann

Moderatorin Illner (3.v.l.) mit ihren Gästen

Von Klaus Raab
Freitag, 09.11.2018   03:03 Uhr

Debatte um Köpfe, nächste Runde: Moderatorin Maybrit Illner ließ diesmal die Frage diskutieren "Neue Bündnisse, alte Fronten - was folgt auf Merkel?" Mit Annegret Kramp-Karrenbauer war eine Hauptbewerberin um den CDU-Vorsitz zu Gast. Die Runde wurde ergänzt von: Juso-Chef Kevin Kühnert, dem stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki, der stellvertretenden Linken-Vorsitzenden Janine Wissler und dem Publizisten und Politikberater Michael Spreng.

Absetzbewegung des Abends: Kramp-Karrenbauer gilt als Wunschkandidatin von Angela Merkel - und deshalb ist es für sie - anders als für ihre Mitbewerber um den Parteivorsitz, Friedrich Merz und Jens Spahn - etwas komplizierter, sich von Merkel abzusetzen. Bei Illner sandte Kramp-Karrenbauer mehrfach die Botschaft aus, dass sie die Parteikommunikation verbessern wolle: Bestimmte Debatten seien in der CDU "nicht offen genug und nicht proaktiv genug geführt" worden, sagte sie. Sie stehe für einen neuen "Diskussionsstil": Partei first.

Und sie antwortete nur zu gern auf die Frage, ob sie mit Merkel schon gestritten habe: "Oh ja, einige Male." Etwa über die Beendigung der von Kramp-Karrenbauer geführten Schwampel-Koalition im Saarland, die sei "gegen den Willen von Angela Merkel" beendet worden. Die Kanzlerin "kann auch äußerst laut werden am Telefon."

Insgesamt gab sich Kramp-Karrenbauer optimistisch, was ihre Chancen auf den CDU-Vorsitz angeht. Sie wisse, dass die Menschen jemanden wollten, der es ernst mit ihnen meine. "Da kann man rhetorisch vielleicht auch sehr begabt sein - aber man muss es beweisen. Und insofern schätze ich meine Chancen als nicht so schlecht ein."

Verb des Abends: ausmerzen. Benutzt von Kramp-Karrenbauer. Ihre in der "FAZ" formulierte Forderung nach einem strengeren Umgang mit straffällig gewordenen Asylbewerbern, die als Distanzierung von der merkelschen Flüchtlingspolitik gedeutet wurde, "hat nichts damit zu tun, eine Schwäche auszumerzen". Wer es genau nimmt mit den Worten, kann die Botschaft entdecken, dass sie jede Art von Rückabwicklung der merkelschen Politik Friedrich Merz überlassen wolle.

Wirkungstreffer des Abends: Der gelang dann allerdings nicht ihr, sondern Michael Spreng im Verbund mit Kevin Kühnert. So ist das in Talkshows: Man kann zwar all das sagen, was man sich zurechtgelegt hat. Aber dann bleibt trotzdem eine ganz andere Szene besonders haften. Spreng, einst CDU-Berater hatte zu Beginn der Sendung die These zu Protokoll gegeben, Kramp-Karrenbauer möge zwar die "Kandidatin der Herzen" in der CDU sein, Merz aber "der Kandidat der Machtvernunft". Dann sprach er die Politikerin auf ihre Argumentation gegen die Ehe für alle an. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 gesagt, werde die Ehe-Definition geöffnet, seien "andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen".

Einen Einspielfilm der Redaktion dazu gab es nicht - das Thema hatte Spreng ganz allein vorbereitet. Einen "Lackmustest" sah er darin: Wenn sie die Ehe für alle mit Inzucht und Polygamie gleichsetze, "ist das nicht konservativ, sondern reaktionär". Kühnert bekräftigte, nutzte aber den Terminus "befremdet". Kramp-Karrenbauer erwiderte, sie vertrete hier eine Minderheitenposition in der CDU, aber der Lackmustest für sie bestehe darin, ob sie trotzdem ihre Meinung sage. Aber "reaktionär", das saß natürlich. Ihren Kontrahenten Merz nannte Spreng dagegen "konservativ".

Fragebogeninterview des Abends: Das führte Illner mit Kramp-Karrenbauer, die die Hauptrolle hatte. Sie will schließlich Kanzlerin werden - was sie so nicht formulierte, aber den Eindruck, dass sie Parteivorsitzende werden wollen könnte, ohne über die Folgen im Bilde zu sein, verstand sie schon auszuräumen. Unvollständiger Abriss der Positionsabfrage: Ein höherer Spitzensteuersatz "steht im Moment nicht zur Debatte". Der Mindestlohn sei nicht zu niedrig. Ja zu Ankerzentren. Das Wort "Staatsversagen", mit dem Jens Spahn die politischen Vorgänge von 2015 beschrieben hat, nutzte sie trotz mehrmaliger Nachfrage nicht; es sei eine "Ausnahmesituation" gewesen.

Video zur AKK-Kandidatur: Ich bin übrigens auch noch da

Foto: CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die anderen Gäste des Abends: Sie hatten es nicht leicht angesichts des Themas. Könnte nach der Ära Merkel Rot-Rot-Grün wieder interessant werden? Janine Wissler von der Linkspartei sagte, was man sagen muss: Das hänge von Inhalten ab. Vor allem profilierte sie sich im hitzigsten Gesprächsteil des Abends als Vertreterin einer humanen Flüchtlingspolitik. Arme Menschen und Geflüchtete würden gegeneinander ausgespielt. Was für die Restrunde die Einladung war, das Verhältnis der Linken zu Sahra Wagenknecht zu hinterfragen. Wolfgang Kubicki von der FDP antwortete auf die Frage, wen er für den CDU-Vorsitz favorisiere: "Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel."

Und Kevin Kühnert hatte sich dazu natürlich auch einen Satz überlegt: Egal, wer die CDU führe, es gebe eine Regierung mit der SPD, also müsse man auf sie Rücksicht nehmen. Die Sozialdemokraten seien nach dem Motto "Erst das Land, dann die Partei" in die "Koalition reingequatscht worden". Da gelte dann gleiches Recht für alle.



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insgesamt 47 Beiträge
dasfred 09.11.2018
1. Immer mehr Despoten auf der Welt
Aber wir gönnen uns die Annegret, den Wolfgang und den Kevin. Theoretisch könnten die demnächst sogar regieren. Das wäre zumindest ein Zeichen in die Welt, dass es einem Land am besten geht, wenn man seine Politiker weder [...]
Aber wir gönnen uns die Annegret, den Wolfgang und den Kevin. Theoretisch könnten die demnächst sogar regieren. Das wäre zumindest ein Zeichen in die Welt, dass es einem Land am besten geht, wenn man seine Politiker weder ernst nehmen noch fürchten muss. Wir brauchen hier auch nichts ausmerzen. Bisher regelt sich immernoch alles von allein. Der Friedrich hätte gegen die Annegret höchsten den Vorteil, dass der Wähler mit mehr Überzeugung an die Urne geht. Einige für ihn und hoffentlich mehr gegen ihn. Ein Politikberater wie Herr Spreng ist allerdings nur nötig, wenn der Verkäufer wichtiger wird als das Produkt.
hevopi 09.11.2018
2. Sicher ist Frau AKK eine
hochintelligente Persönlichkeit, die sich nur leider auf die falsche Seite geschlagen hat. Nach diesem ganzen Desaster, verursacht durch Frau Merkel, kann ich mir einfach nicht vorstellen, das jemand ein "weiter so" [...]
hochintelligente Persönlichkeit, die sich nur leider auf die falsche Seite geschlagen hat. Nach diesem ganzen Desaster, verursacht durch Frau Merkel, kann ich mir einfach nicht vorstellen, das jemand ein "weiter so" realisieren möchte. Wir werden Jahre brauchen, um aus diesem politischen Desaster endlich rauszukommen, aber auch eine Persönlichkeit, die klare Kante zeigt.
echoanswer 09.11.2018
3. Akk
steht für weitere Stagnation, weiteres Ignorieren der Bürger, weiter unerträglicher Lobbyismus und Betrug am Steuerzahler. Wer bitte will diese Schlaftablette? Außer dem Berliner Lobbyfilz. Diese Politik straft der Bürger [...]
steht für weitere Stagnation, weiteres Ignorieren der Bürger, weiter unerträglicher Lobbyismus und Betrug am Steuerzahler. Wer bitte will diese Schlaftablette? Außer dem Berliner Lobbyfilz. Diese Politik straft der Bürger weiter ab. Im Gegensatz zu Politikern sind die Bürger nicht dumm, allenfalls träge.
miklerk 09.11.2018
4. Politik ist auch Unterhaltung
Wer nach dieser Illner-Runde in AKK nicht die Wiedergängerin von A. Merkel sieht, dem ist nicht mehr zu helfen. In dem roten Kleidungsstück sah AKK so aus, als sei ihr der Merkel-Blazer noch zwei Nummern zu groß. Aber der [...]
Wer nach dieser Illner-Runde in AKK nicht die Wiedergängerin von A. Merkel sieht, dem ist nicht mehr zu helfen. In dem roten Kleidungsstück sah AKK so aus, als sei ihr der Merkel-Blazer noch zwei Nummern zu groß. Aber der Style war schon so., dasss man sich hier nicht umgewöhnen muss. Zumindest optisch sah. K. Kühnert daneben richtig blaß aus. AKK hat viel., sehr viel geredet. Es war teilweieermüdend und anstrengend ihr zuzuhören. Für den Zuschauer wären kürzere, prägnante und abgrenzende Aussagen und Bemerkungen einfach angenehmer und leichter zu identifizieren. Irgendwie wirkte es bei AKK emotionslos, vernünftigend, und wenig begeisternd. Also ein weiterso der letzten gefühlten 20 Jahre. Man wünscht sich als Zuschauer doch mehr Prägnanz, pointierte Aussagen, griffige Formulirungen und kernige Ansagen. Ds würdw es mit Merz , aber keinesfalls mit AKK geben. Politik ist auch Unterhaltung.
Phil2302 09.11.2018
5. Schwierige Argumentation
"Dann sprach er die Politikerin auf ihre Argumentation gegen die Ehe für alle an. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 gesagt, werde die Ehe-Definition geöffnet, seien "andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine [...]
"Dann sprach er die Politikerin auf ihre Argumentation gegen die Ehe für alle an. Kramp-Karrenbauer hatte 2015 gesagt, werde die Ehe-Definition geöffnet, seien "andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen"." Ich erinnere mich an die Aussage von AKK, und weiß bis heute nicht, wie man dagegen argumentieren soll. Ich bin für die Ehe unter Homosexuellen, aber gegen die Ehe unter Geschwistern - begründen kann ich das aber nicht. Die Gründe, die damals (und heute noch) gegen die Ehe für Homosexuelle genannt werden, die passen auch auf die Ehe unter Geschwistern, und die Argumente, die für die Ehe für Homosexuelle sind, die passen auf auf die Ehe unter Geschwistern. Vielleicht kann ja ein werter Mitforist einmal eine logisch zwingende Argumentation schreiben, mit der man AKK widerlegen kann.
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