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Kultur

ARD-Sonntagskrimi

Der Rostock-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Was tun, wenn man einen überführten Vergewaltiger nicht verknackt bekommt? Der Rostocker "Polizeiruf" mit Charly Hübner als Rechtsstaatsreflexion im Haudraufmodus.

NDR/ Christine Schroeder
Von
Sonntag, 11.11.2018   16:10 Uhr

Das Szenario:

Wenn Beamte das Recht in die eigenen Hände nehmen: König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow ( Charly Hübner) treffen auf einen Familienvater, der 1988 ein Mädchen vergewaltigt und ermordet hat. Die Beweislast ist erdrückend, der Mann gesteht sogar. Doch weil er schon vor 30 Jahren angeklagt und damals freigesprochen wurde, kann er nicht noch einmal vor Gericht gestellt werden.

Der Clou:

Verbrechen aufgeklärt, Täter hinter Gittern, Gerechtigkeit bricht sich Bahn? Eben nicht, hier beginnt der Konflikt mit der schnellen Auflösung des Falles. Die Ermittler, die es mit den Gesetzen selbst nicht immer so ernst nehmen, suchen Wege, den Vergewaltiger und Frauenhasser zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Was-würden-sie-tun?-Debattenstück über die unbefriedigenden Seiten des Rechtsstaats, das von den Verantwortlichen risikofreudig, vielleicht zu risikofreudig, offen gehalten wird.

Der Spruch:

"Deine Strafe ist höher!" Das kriegt Bukow von seinem halbwüchsigen Sohn zu hören, als er diesen wegen seines Fehlverhaltens zurechtweisen will. Der Junge hat eine Geldstrafe wegen Vandalismus aufgebrummt bekommen, Bukow wegen einer Falschaussage. Die Bukows, ein Clan von Kleinkriminellen.

Das Bild:

Bukow hält sich mit Lalala-ich-hör-nix-Mienenspiel die Ohren zu. Sein Vater, Veteran der Rostocker Halbwelt, erzählt ihm von heißer Ware: "Die Halle am Fischereihafen, da habe ich noch eine ganze Ladung aus China liegen. Originale Plagiate, Handtaschen und Schuhe." Obwohl Bukow vorgibt, von den Taschen und Latschen nichts wissen zu wollen, versetzt er sie später, um seine Schulden begleichen zu können.

Fotostrecke

"Polizeiruf" mit Charly Hübner: Auf Kriegsfuß mit dem Recht

Der Song:

"I'm On Fire" von Bruce Springsteen. Der Musiker spielt in diesem "Polizeiruf" eine zentrale Rolle: Das Opfer wurde ermordet, nachdem es von seinem legendären Konzert 1988 in Ostberlin heimgekehrt war. Leitmotivisch zieht sich der Song durch den Krimi - gesungen wird er allerdings von der jungen Sängerin Juliane Schröder. Ein interessanter Dreh, da sich der Springsteen-Song auch als männliche Überwältigungsfantasie deuten lässt; von einer Frau dargeboten, klingt er grausam verstörend.

Die Bewertung:

5 von 10 Punkten. Eine Rechtsstaatsreflexion im Haudraufmodus: Trotz starker, aufwühlender Momente kommt dieser Rostocker "Polizeiruf" viel zu lärmig und launig für sein schwieriges Thema daher.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Polizeiruf 110: Für Janina", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 12 Beiträge
unschärfer 11.11.2018
1. Im Moment gibt es eine Reihe aktueller Fälle....
....wie der von 1988 wegen dem im Polizeirufermittelt wird. Sogenannte Einzelfälle.
....wie der von 1988 wegen dem im Polizeirufermittelt wird. Sogenannte Einzelfälle.
biesi61 11.11.2018
2. Was wollen Sie mit "Sogenannte Einzelfälle" sagen?
Der Rechtsgrundsatz ist absolut richtig. Anders ist Rechtsfrieden nicht zu erreichen. Und es ist gleichzeitig eine klare Aufforderung an die Ermittlungsbehörden, nur vernünftig ausermittelte Fälle zur Anlage zu bringen. Dann [...]
Der Rechtsgrundsatz ist absolut richtig. Anders ist Rechtsfrieden nicht zu erreichen. Und es ist gleichzeitig eine klare Aufforderung an die Ermittlungsbehörden, nur vernünftig ausermittelte Fälle zur Anlage zu bringen. Dann bleiben Fälle wie dieser tatsächlich seltene und bedauerliche Ausnahmen. Noch viel schlimmer, als einen Täter nach Jahrzehnten nicht mehr vor Gericht bringen zu können, ist die Verurteilung Unschuldiger für Taten, die diese niemals begangen haben.
ned divine 11.11.2018
3. Super Film, stimmig und in jeder Hinsicht
nachvollziehbar, gute Darsteller, Top!!! Besser als so ziemlich die meisten Tatorte der letzten Monate, die leider immer schwächer werden. Beste Sonntagabend Unterhaltung- hoffe bald gibt's mehr aus Rostock?
nachvollziehbar, gute Darsteller, Top!!! Besser als so ziemlich die meisten Tatorte der letzten Monate, die leider immer schwächer werden. Beste Sonntagabend Unterhaltung- hoffe bald gibt's mehr aus Rostock?
matteo51 11.11.2018
4. witz
soll das ein witz sein? ich habe den film gerade gesehen und kann nicht glauben, dass dort von ermittelnden Beamten Aservaten mit DNA manipuliert werden, damit der Täter doch noch dingfest gemacht wird? Für eine Tat, dier wohl [...]
soll das ein witz sein? ich habe den film gerade gesehen und kann nicht glauben, dass dort von ermittelnden Beamten Aservaten mit DNA manipuliert werden, damit der Täter doch noch dingfest gemacht wird? Für eine Tat, dier wohl nicht begangen hat..weil man ihn für die Tat, die er wohl begangen hat, nicht schuldig gesprochen hat? Nach dem Motto....es ist doch nur ein Film....na dann...Gute Nacht
kortumsonne 11.11.2018
5. Alles Verbrecher
allen voran die Polizei. Soweit ist zur Themenwoche der ARD absolut kontraproduktiv vorgetragen worden. Der Film an sich war allerdings kurzweilig und differenziert. Aber der Zweck heiligt nicht immer die Mittel!
allen voran die Polizei. Soweit ist zur Themenwoche der ARD absolut kontraproduktiv vorgetragen worden. Der Film an sich war allerdings kurzweilig und differenziert. Aber der Zweck heiligt nicht immer die Mittel!

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