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Kultur

ARD-Sonntagskrimi

Der letzte Meuffels-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Aus dem Krimi-Klammergriff befreit: Matthias Brandt verabschiedet sich als Kommissar Meuffels aus dem "Polizeiruf". Sein letzter Einsatz erzählt auch von der Menschwerdung der Fernsehfigur. Tut weh, tut gut.

BR
Von
Sonntag, 16.12.2018   16:11 Uhr

Das Szenario:

Eure Leichen sind unser Leben. Eigentlich hatten sich Kommissar Meuffels (Matthias Brandt) und seine Lebensgefährtin, die LKA-Beamtin Hermann (Barbara Auer), ja gerade getrennt, aber der Mord an einer Mutter in ihrem Familienauto führt die beiden wieder zusammen. Das Private ist beruflich - mit fatalen Konsequenzen: Der noch immer liebeskranke Meuffels nutzt Leichenfotos und Sexbilder, die zum Fall gehören, um Kontakt zur Ex-Kollegin und -Partnerin aufzunehmen und lässt in seinem Trennungsschmerz zwischenzeitlich seine Professionalität fahren.

Der Clou:

Die Welt ist ein Fernsehkrimi. Regie-Star Christian Petzold inszeniert den Helden in diesem letzten "Polizeiruf" mit Matthias Brandt als klassischen TV-Ermittler - und arbeitet gerade in den zum Genre gehörenden endlosen Autofahrten, epischen Kollegendisputen und ewigen Tatortbesichtigungen ganz neue Facetten der Figur hervor. Auf diese Weise befreit er sie aus dem Krimi-Klammergriff. Gibt es da vielleicht doch eine Welt jenseits des Fernsehkrimis?

Das Bild:

BKA-Beamtin Hermann mit Schlinge um den Hals. Die Ermittlerin ist inzwischen Dozentin an der LKA-Schule, wo sie ihren Schülern beibringt, wie man sich an Tatorten verhält und diese richtig liest. Abends bereitet sie gerne den Unterricht vor und versetzt sich dabei auch schon mal gut gelaunt in die Rolle einer suizidalen Person.

Fotostrecke

Matthias Brandts letzter "Polizeiruf": Liebe geht über Leichen

Der Spruch:

"Das ist ein Tatort. Eine Gewalttat hat da stattgefunden, und ihr trampelt da hinein, versaut alle Spuren, hinterlasst ein DNA-Gulasch." So LKA-Dozentin Hermann zu den Schülerinnen und Schülern, als diese ein von ihr arrangiertes Tötungssetting in Augenschein nehmen.

Der Song:

"It's the Same Old Song" von den Four Tops. Meuffels spielt eine Platte mit dem Song ab, als er mal wieder liebeskrank seine Ex anruft, die hört den Schmachtfetzen durch den Telefonhörer - und legt ihn dann bei sich in der LKA-Schule auf, als sie das Suizid-Arrangement anordnet und sich die Schlinge um den Hals legt. Hardboiled-Cops und Schmuse-Soul - zum Dahinschmelzen!

Die Bewertung:

10 von 10 Punkten. Das stärkste Finale seit dem Abgang von Mehmet Kurtulus als Cenk Batu beim Hamburger "Tatort" vor sechs Jahren. Der Fernsehkrimi als Kunstform, was sollte danach noch kommen? Nach 15 Folgen "Polizeiruf" müssen wir Matthias Brandt ziehen lassen.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

"Polizeiruf 110: Tatorte", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 39 Beiträge
headmiller 16.12.2018
1. Ich wünsch mir zu Weihnachten
die nächsten 4 Advents-Wochenenden 2019 OHNE Krimis im Fernsehen!!! Ich werde auch ganz brav sein! Versprochen!
die nächsten 4 Advents-Wochenenden 2019 OHNE Krimis im Fernsehen!!! Ich werde auch ganz brav sein! Versprochen!
KSA 16.12.2018
2. Die Wahrheit/Wirklichkeit....
ist in D noch selten um 20.15 verhandelt worden, maximal um 19.20, so auch heute nicht, trotz "Lösung aus dem Klammergriff". Auch diese 20.15 bleibt eine Erzählung wie Andere in jeweils unterschiedlichen Gefühlslagen. [...]
ist in D noch selten um 20.15 verhandelt worden, maximal um 19.20, so auch heute nicht, trotz "Lösung aus dem Klammergriff". Auch diese 20.15 bleibt eine Erzählung wie Andere in jeweils unterschiedlichen Gefühlslagen. Diese ist nicht weniger, sie ist aber auch nicht mehr. Menschwerdung geht dann doch viele Wege in der Welt jenseits der Fernsehkrimis... 10 von 10 bleibt dann doch am Ende reine Geschmwckssache
exHotelmanager 16.12.2018
3. Thema verfehlt
Die Aufgabe der Serien "Tatort" und "Polizeiruf 110" ist es nicht, das Leben psychisch kaputter Polizisten zu dramatiseren. Die Tat und ihre Aufklärung als Polizeiarbeit sollte im Vordergrund stehen.
Die Aufgabe der Serien "Tatort" und "Polizeiruf 110" ist es nicht, das Leben psychisch kaputter Polizisten zu dramatiseren. Die Tat und ihre Aufklärung als Polizeiarbeit sollte im Vordergrund stehen.
lordofaiur 16.12.2018
4. So muss Film sein
Sehr schöner Film. Mehr gibts nicht zu sagen.
Sehr schöner Film. Mehr gibts nicht zu sagen.
scharfekante 16.12.2018
5. Typ von gestern, ade!
Brandt in pseudointellektueller Denkerpose, Meuffel saugt schmollend und voller Selbstmitleid an seiner Zigarette, setzt sich fuer gewalttaetige Ehemaenner ein und macht sich arrogant grinsend ueber die unerfahrene junge Kollegin [...]
Brandt in pseudointellektueller Denkerpose, Meuffel saugt schmollend und voller Selbstmitleid an seiner Zigarette, setzt sich fuer gewalttaetige Ehemaenner ein und macht sich arrogant grinsend ueber die unerfahrene junge Kollegin lustig. Der Typ ist ungefaehr so rueckwaertsgewandt wie sein Polit-Bruder im Geiste Friedrich (?) Merz und verschwindet nunmehr ebenso wie jener zu Recht in der Versenkung.
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