Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

"Maischberger" zu Schwarz-Rot

"Hauptsache, Ruck!"

Sandra Maischberger ließ über eine mögliche neue GroKo diskutieren. Dabei verfiel sie in wildes Unterbrechungsgefuchtel - und sorgte gemeinsam mit einem gereizten Oskar Lafontaine für das spannendste Wortduell.

WDR/ Max Kohr

Maischberger-Talk zu "Die Koalition der Verlierer: Drohen uns faule Kompromisse?"

Von
Donnerstag, 07.12.2017   09:39 Uhr

"Drohen uns faule Kompromisse?", will Sandra Maischberger mit Blick auf eine mögliche "Koalition der Verlierer" wissen. Aber niemand weiß es, und es sagt einem auch keiner etwas. Dabei hat die Moderatorin diesmal mit Claus Strunz und Friedrich Küppersbusch zwei recht (und links) profilierte Kollegen eingeladen.

Und doch vergeht die erste halbe Stunde mit länglichen Lesungen im Kaffeesatz der SPD. Was mag der Parteitag ergeben? Werden danach Konvente abgehalten und die Mitglieder befragt? Klaus Wowereit, Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister, weiß es auch nicht, verbreitet aber wortreich Zuversicht.

Von links fordert Oskar Lafontaine "eine Koalition für die Verlierer" der letzten Jahre. Der Linke ist, wie so oft, als intimer Kenner der Partei geladen und sieht heute niemanden in der SPD, der Schulz den "letzten Schubs" (Küppersbusch) zu seinem Sturz geben könnte, so wie er selbst einst einen gewissen Rudolf Scharping von der Schippe springen ließ.

Von rechts bemüht sich Dorothee Bär, das Diadochengeschubse in der CSU als gesunde Entwicklung zu verkaufen. Dennoch sei Angela Merkel keineswegs vorzuwerfen (wie es Claus Strunz tut), dass sie alle potenziellen Nachfolger erfolgreich weggebissen habe. Bär: "Es gibt in der Politik nicht nur eine Bringschuld, es gibt auch eine Holschuld."

Küppersbusch dagegen langweilt die "altbayerische Folklore" im Sinne von: "Altbauer will dem präpotenten Erben nicht den Hof überlassen." Dies wiederum sieht Strunz anders und fragt: "Wer ist denn der Söder der CDU?" Strunz meint, Merkel müsse weg. Linksruck oder Rechtsruck, das ist ihm einerlei: "Hauptsache, Ruck!", das "Gewurschtel" müsse ein Ende haben.

Küppersbusch erkundigt sich maliziös, ob die historischen Überschüsse des Staates auf das Gewurschtel der letzten Jahre zurückzuführen seien. "Uns geht's gut", schätzt auch die Unternehmerin und Merkel-Versteherin Stephanie Bschorr die Lage ein. Lafontaine hört sein Stichwort und blafft: "Wer ist denn uns?" Man müsse "Politik für die vielen machen", wie Labour in England. Es schwebt dem Vertreter einer gespaltenen Linken eine Sammlungsbewegung vor.

Warum denn die SPD ein Abtreten von Angela Merkel nicht zur Bedingung für eine Große Koalition macht, will Küppersbusch wissen. So weit will wiederum Wowereit nicht gehen, stellt aber fest: "Merkel, sie hat's verpasst und wird jetzt", anders übrigens als seinerzeit er, Wowereit, "keinen guten Abgang mehr finden".

Stimmenfang #30 - SPD und das Regieren: Nein! Vielleicht. Ja?

Lafontaine vs Maischberger

So geht's dahin. Wobei die Anwesenheit von immerhin drei fernseherfahrenen Vollprofis es mit sich bringt, dass bisweilen drei akustisch völlig unverständliche Paralleldiskussionen mit sechs Beteiligten laufen, während Maischberger vor lauter Unterbrechungsgefuchtel der Kugelschreiber aus der Hand fällt.

Bezeichnend ein Gefecht auf kurze Distanz zwischen Maischberger und Lafontaine, der auf die Frage nach dem Versagen seiner Partei sichtlich gereizt reagiert. Die Linke würde "systematisch ausgeklammert", auch von den Öffentlich-Rechtlichen. Maischberger: "Hier sitzt niemand häufiger als Ihre Frau Wagenknecht!" Lafontaine versucht es noch einmal: "Welcher Fernsehzuschauer weiß denn eigentlich, dass in Österreich ein Rentner 850 Euro mehr bekommt?" Maischberger: "Unserer, weil wir es ihm oft genug gesagt haben!"

Am Ende wird die Wahl-, Ziel- und Sinnlosigkeit der Debatte vom mit Abstand absurdesten Hintergrundbild der vergangenen Monate kongenial illustriert. Nach der Raute, einem dämonischen Söder und schlammverkrusteten Koalitionären gibt es plötzlich ein bearbeitetes Szenenfoto aus einem alten Mantel-und-Degen-Film zu sehen.

Das Bild zeigt, während im Vordergrund zum x-ten Mal die Chancen einer Großen Koalition erörtert werden, Martin Schulz im Schwertkampf mit Angela Merkel. Was das soll? Niemand weiß es. Und es sagt einem auch keiner was.

insgesamt 50 Beiträge
herr_melin 07.12.2017
1. Uns geht`s gut,
sagen die 10% Profiteure der neoliberalen Politik der letzten 30 Jahre. Geht`s uns gut?, fragen die 40% der abgängig Beschäftigten, die seit den 90-er Jahren kaum einen Reallohnzuwachs zu verzeichnen haben und sie machen [...]
sagen die 10% Profiteure der neoliberalen Politik der letzten 30 Jahre. Geht`s uns gut?, fragen die 40% der abgängig Beschäftigten, die seit den 90-er Jahren kaum einen Reallohnzuwachs zu verzeichnen haben und sie machen trotzdem ihr Kreuz bei denen , die ihnen das eingebrockt haben und weiter einbrocken, nämlich dem neoliberalen Block aus CDU/CSU, SPD, FDP ,Grünen und AFD.
noalk 07.12.2017
2. Wahl-, Ziel- und Sinnlosigkeit der Debatte
Wahl-, ziel- und sinnlos wie die allermeisten TV-Polit-Talk-Runden. Müsste nicht sein, wenn die Damen Will, Maischberger und Illner ihre Gäste nicht immer ausgerechnet dann unterbrechen würden, wenn die was Interessantes sagen [...]
Wahl-, ziel- und sinnlos wie die allermeisten TV-Polit-Talk-Runden. Müsste nicht sein, wenn die Damen Will, Maischberger und Illner ihre Gäste nicht immer ausgerechnet dann unterbrechen würden, wenn die was Interessantes sagen wollen.
herbert 07.12.2017
3. Diese Maischberger Sendungen sind Klamauk pur !!!
Die Maischberger versteht es nicht eine Sendung zu fuehren und sie redet sich um Kopf und Kragen. Zuletzt schreit alles durcheinander und die Maischberger guckt hilflos in die Luft.
Die Maischberger versteht es nicht eine Sendung zu fuehren und sie redet sich um Kopf und Kragen. Zuletzt schreit alles durcheinander und die Maischberger guckt hilflos in die Luft.
Worldwatch 07.12.2017
4. Schlusswort
?Was das soll? Niemand weiß es. Und es sagt einem auch keiner was.? Das umreißt prima den Sinn von 'Sprech-Sendungen' im Fernsehen. Geredet wird viel, gesagt (das ist qualitativ wirklich etwas anderes!) wird kaum etwas. Da [...]
?Was das soll? Niemand weiß es. Und es sagt einem auch keiner was.? Das umreißt prima den Sinn von 'Sprech-Sendungen' im Fernsehen. Geredet wird viel, gesagt (das ist qualitativ wirklich etwas anderes!) wird kaum etwas. Da ist politisches Kabarett unterhaltsamer. Gleichwohl Jürgen Becker auch hierzu -angenehm selbstkritisch, aber völlig richtig- anmerkt, daß es letztlich substanzloses Gequatsche sei, bestenfalls zum Nachdenken anregen möchte und zuvorderst der Unterhaltung dienen solle. Was aber schon mehr bringen könnte, als -auch in Rede stehende- Maischbergersche Sprech-Sendung. Dem Auftrag der Öffentlichrechtlichen Sender zur ?medial-informationellen Grundsicherung der Bevölkerung der Bundesrepublik? dient das alles, wie so vieles in den Programmen des ÖR, jedenfalls (schon lange) nicht (mehr). Und, um Becker hinzuzunehmen, unterhält nicht einmal.
Worldwatch 07.12.2017
5. Bzgl. etwas sagen ...
... wäre schon viel erreicht, wenn und falls Parteien, gewählte Volksvertreter, Fraktionssprecher, ja selbst Minister, Regierung heutzutage etwas sagten, woran sich Bürger politisch orientierten könnten. Anstatt nur zu reden, [...]
... wäre schon viel erreicht, wenn und falls Parteien, gewählte Volksvertreter, Fraktionssprecher, ja selbst Minister, Regierung heutzutage etwas sagten, woran sich Bürger politisch orientierten könnten. Anstatt nur zu reden, Standart-Sprechblasen, Meinungen, Nebel-Ziele und Hohlschwätz abzusondern. Ein ?wird es mit mir nicht geben, machen/wollen wir nicht?, wird innerhalb von nur wenigen Wochen bis Monaten zu ?wird es nun mit mir doch geben, machen/wollen wir doch?. Politik der Beliebigkeit, der andauernden Kehrtwenden; welches Programm auch immer Bürger wählen, schon morgen kann es zum Gegenteil mutieren.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP