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Kultur

Live-Comeback von Stefan Raab

TV egal

Er will nicht mehr im Fernsehen auftreten. Auf die Bühne ist Stefan Raab aber zurückgekehrt: In der Kölner Lanxess-Arena spielt der Moderator drei planlose Stunden. Da hilft auch keine prominente Unterstützung mehr.

DPA
Aus Köln berichtet
Freitag, 19.10.2018   08:41 Uhr

Die Frage war ja, wie lange Stefan Raab es ohne Applaus aushält. Vor knapp drei Jahren moderierte er zum letzten Mal im Fernsehen. Danach zog er sich zurück. Raab entschwand der Öffentlichkeit, da war er noch keine 50 Jahre alt. Es war ein konsequenter Abgang. Von "TV total" zu TV null.

Mit Anzug und Krawatte kehrte Raab in der Lanxess-Arena in Köln nun auf die Bühne zurück. Show-Praktikant Elton schrie noch schnell seine Verdienste für das deutsche Fernsehen ins Mikrofon: "Schlag den Raab", "Bundesvision Song Contest", "Wok-WM", "Turmspringen". Dazu zahlreiche Lieder als Sänger oder Musikproduzent. Ein verdammtes Genie, ein Irrer irgendwie auch.

Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass Raab am Ende seiner TV-Karriere immer lustloser wurde. Das angekündigte Comeback klang daher wie ein Versprechen. In einem Video zum Kartenvorverkauf inszenierte er sich gleich mal als Jesus - frisch auferstanden. Das weckt natürlich Erwartungen. Es muss ja nicht gleich Brecht sein, denkt man, aber dass Raab die konventionellen Regeln einer Bühnenshow etwas bricht, das hoffte man dann schon.

DPA/ Willi Weber/ Allendorf Media

Raab im Saal: Das Grinsen ist noch da.

"Wir haben ja Zeit"

Der erste Auftritt von Stefan Raab nach langer Zeit also. Wie wirkt er? Was wird er abliefern? Kurzer Check: Das breite Grinsen ist noch da. Das Haar ist etwas weniger geworden, dafür hat er im Gesicht zugelegt.

Was er für die 14.000 Zuschauer geplant hat, kann man aber auch nach drei Stunden nicht so genau sagen. Es ist kein Stand-up, auch kein richtiges Konzert, auf Einspieler wie bei seiner TV-Sendung verzichtet er weitestgehend.

Raab schlendert lieber über die Bühne. Plaudert. Harmloses Zeug. Zu Beginn glaubt man an ein nicht enden wollendes Aufwärmprogramm. "Wir haben ja Zeit", sagt Raab irgendwann.

Zwischendurch kommen prominente Gäste willkürlich auf die Bühne und machen Musik: Carolin Kebekus covert Helene Fischer. Stefanie Heinzmann und Max Mutzke singen eine Ballade. Sido, Luke Mockridge, Teddy Teclebrhan. Schließlich spielen Die Toten Hosen "Bonnie & Clyde".

Diese Show will nirgendwo hin

Das Ganze erinnert an die Geburtstagsfeier eines sehr reichen Teenagers, der zwar alles für ein gelungenes Fest gekauft hat, bei dem die Party aber einfach nicht zünden will. Da hilft auch keine Pyrotechnik. Raab moderiert wie beiläufig. Manchmal kommt er im Ablauf durcheinander.

Es ist so: Das Programm "Stefan Raab Live!" hat keine klare Struktur, keine überraschenden Aktionen, keine Wettkämpfe, keinen Ehrgeiz. Die Show will nirgendwo hin. Die prominenten Gäste bleiben blass, bis auf die wenigen Sätze nach ihren Liedern sogar stumm.

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Raabs Karriere in Bildern: Moderator, Erfinder, Rampensau

Selbst eine eher naheliegende Idee, aus seinem Unterhaltungsrepertoire der vergangenen Jahre zumindest eine solide Nostalgie-Show zu zimmern, interessiert Raab nicht. Seine Hits wie "Wadde hadde dudde da" oder "Hier kommt die Maus" schaffen es kaum, auf der Bühne Wärme zu erzeugen. Vielleicht, weil er in seiner Rolle als Moderator noch nie nahbar sein musste. Doch als Künstler ohne Fernsehkameras muss Raab eventuell anders agieren. "Sie können gern schunkeln", ruft er einmal ins Publikum.

Ein kurzer Blick auf die Notizen, die man sich kurz vorher noch gemacht hat: "Fehlt einer wie Raab dem deutschen Fernsehen?", steht da. Das will man von diesem Abend natürlich auch noch wissen. Der Abschied von Raab fühlte sich damals nämlich ein wenig so an, als hätte ein König die Monarchie abgeschafft. Und ein bisschen war es auch so: Der Sender ProSieben teilte Raabs Showimperium auf. Vergab Sendungen und Sendezeiten an andere Moderatoren. Der Erfolg ist bis heute überschaubar.

Dennoch bleibt Raab den aktuellen Stand seiner TV-Tauglichkeit schuldig. Das Problem war ja nie, dass man Raab das alles nicht mehr zugetraut hat. Das Problem war sein Desinteresse. Offenbar konnte Raab sich für seine Shows nicht mehr begeistern. Genau das aber, sein Ehrgeiz und absoluter Wille, hat ihn von vielen Moderatoren unterschieden.

Eventuell ein bisschen egal

Noch immer hat Raab vor allem Lust auf Musik. Das merkt man in Köln. Der Rest ist ihm eventuell ein bisschen egal. Raab war an diesem Abend immer dann am besten, wenn er mit seiner ehemaligen Showband Heavytones sang. Darüber hinaus spielte er Flügel, Saxophon, Gitarre, Schlagzeug, Talkbox. Zum Schluss der Show seine eigene Version von Udo Jürgens' "Aber bitte mit Sahne".

"Ich muss immer Quatsch machen. Das hört auch nicht auf. Ich könnte stundenlang so weiter machen", sagt er kurz vor dem Ende.

Raab hat im Fernsehen alles ausprobiert und ausgereizt. Er hat auch alles erreicht. Seine erste große Bühnenshow wird dagegen wohl nur Hardcore-Fans überzeugen. Etwas mehr Mut wäre schön gewesen. Vielleicht ärgert ihn das ja. Dann hätte Raab etwas, was ihn schnell wieder zurück in die Öffentlichkeit bringt: eine Herausforderung.

insgesamt 50 Beiträge
U. Sielaff 19.10.2018
1. ...gleich kommen die ganzen Hater
und feuern ihren Hass wieder ab. Da freu ich mich schon drauf. Ansonsten würde ich mir schon ein wenig Raab bei Pro7 wünschen. An Elton, Klaas, Joko und Co. hat man sich etwas übersehen.
und feuern ihren Hass wieder ab. Da freu ich mich schon drauf. Ansonsten würde ich mir schon ein wenig Raab bei Pro7 wünschen. An Elton, Klaas, Joko und Co. hat man sich etwas übersehen.
kloppskalli 19.10.2018
2. nicht der Rede wert
.. sieht aufgeblasen aus, wie ne Zecke. Riesen Schaedel, winziges Gesicht. Aber er soll ruhig weiter machen mit seiner banalen 'Show' ... er kann ja noch mal die lustigen 'Lisa Loch' Witze aufwaermen ..
.. sieht aufgeblasen aus, wie ne Zecke. Riesen Schaedel, winziges Gesicht. Aber er soll ruhig weiter machen mit seiner banalen 'Show' ... er kann ja noch mal die lustigen 'Lisa Loch' Witze aufwaermen ..
FrankZimmermann 19.10.2018
3.
Kann ich nicht behaupten. Die kann ich mir noch jahrelang nicht anschauen, gar kein Problem.
Zitat von U. Sielaffund feuern ihren Hass wieder ab. Da freu ich mich schon drauf. Ansonsten würde ich mir schon ein wenig Raab bei Pro7 wünschen. An Elton, Klaas, Joko und Co. hat man sich etwas übersehen.
Kann ich nicht behaupten. Die kann ich mir noch jahrelang nicht anschauen, gar kein Problem.
kloppskalli 19.10.2018
4. "Elton, Klaas, Joko und Co. hat man sich etwas übersehen"
oder frei nach Peter Lustig: UND JETZT ABSCHALTEN .. es muss ja nicht jeden Abend Fernsehen sein. Schon gar nicht PRO 7 / RTL 2 .. vielleicht mal ne Reportage auf den dritten Programmen, oder aus der 'YOUTUBE-Konserve' ... oder [...]
oder frei nach Peter Lustig: UND JETZT ABSCHALTEN .. es muss ja nicht jeden Abend Fernsehen sein. Schon gar nicht PRO 7 / RTL 2 .. vielleicht mal ne Reportage auf den dritten Programmen, oder aus der 'YOUTUBE-Konserve' ... oder Sport :-)
mondxyzz 19.10.2018
5. Man macht sich....
nicht über Schwächere oder vermeintlich Dümmere lustig. Ganz einfach.
nicht über Schwächere oder vermeintlich Dümmere lustig. Ganz einfach.
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