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Leben und Lernen

Arbeitsmarkt

Zahl der Azubis wächst erstmals seit Jahren

Fast 515.000 Menschen haben 2017 eine Lehre begonnen, damit ist der Negativtrend der vergangenen Jahre erstmals gestoppt. Vor allem junge Männer entschieden sich häufiger für eine Ausbildung.

DPA

Azubi in Erfurt

Mittwoch, 11.04.2018   10:18 Uhr

Erstmals seit 2012 ist die Zahl der neuen Auszubildenden in Deutschland wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr schlossen rund 515.000 junge Menschen einen Lehrvertrag ab, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

In den vergangenen Jahren war die Zahl der neuen Auszubildenden stetig gesunken und hatte 2016 mit 510.900 Jugendlichen einen Tiefstand erreicht. Grund waren das hohe Interesse an einem Studium und die tendenziell schrumpfenden Jahrgänge.

Auf Basis der vorläufigen Zahlen entspreche dies einem leichten Plus von einem Prozent im Vergleich zu 2016. Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während sich deutlich mehr junge Männer für eine Ausbildung entschieden, (+3,7 Prozent), ging die Zahl der weiblichen Auszubildenden weiter zurück (-3,3 Prozent).

Als Ursache für die Trendwende vermutet die Behörde die zunehmende Ausbildung von Flüchtlingen, um die etwa das Handwerk wirbt. Belegen lasse sich der Effekt der Zuwanderer aber noch nicht, betonten die Statistiker.

Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) absolvierten Ende September 2017 mehr als 27.500 junge Menschen aus den wichtigsten acht Asylherkunftsländern eine Ausbildung. Das sind 15.400 mehr als ein Jahr zuvor.

Diese Zahlen sind jedoch immer noch gering angesichts der hohen Anzahl der arbeitslosen zugewanderten Menschen: Nach Angaben der Arbeitsagentur suchten von dieser Gruppe etwa 200.000 Menschen unter 25 Jahren Ende 2017 einen Job in Deutschland.

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Foto: SPIEGEL TV

Laut BA entschieden sich viele Flüchtlinge auch wegen finanzieller Verpflichtungen gegenüber Familienangehörigen in ihrem Heimatland eher für einen Job als für eine Lehre. Die aktuellen Zahlen zeigten jedoch, dass inzwischen offenbar mehr junge Geflüchtete die Bedeutung einer beruflichen Ausbildung erkannt hätten, sagte der BA-Sprecher. Umgekehrt sähen auch mehr Unternehmen in jungen Flüchtlingen das Potenzial, die Fachkräftelücke zu verkleinern.

Trotz der steigenden Azubi-Zahlen blieben im vergangenen Jahr fast 50.000 Lehrstellen unbesetzt, obwohl es ausreichend Bewerber gab. Experten machen dafür Passungsprobleme verantwortlich, etwa, weil die angebotenen Ausbildungsberufe nicht den Interessen der Bewerber entsprechen.

koe/dpa

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