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Leben und Lernen

Junge Männer

"Wenn ich eine Frauenjacke tragen will, mache ich das"

Was zeichnet Männlichkeit heutzutage aus? Die britische Fotografin Rosie Matheson sucht in ihren Porträts nach Antworten.

Rosie Matheson
Von
Donnerstag, 09.08.2018   12:56 Uhr

Felix, ein Modell aus London, der Surfer und Student Kyler aus Hawaii oder Jim, der als Musiker arbeitet: Die Fotografin Rosie Matheson hat Dutzende junger - größtenteils britischer - Männer fotografiert und sie gefragt, was Männlichkeit für sie persönlich bedeutet.

Elliott, der gerne Skateboard fährt, stellt fest: "Viele Männer haben das Gefühl, immer böse sein zu müssen, um männlich zu wirken. Ich habe nicht das Bedürfnis, das zu tun, ich kenne mich selbst. Die Gesellschaft will einen aber dazu zwingen, so zu sein."

Nicholas, ein junger Vater aus London, sagt über sich selbst: "Ich bin sehr männlich. Ich bin wie ein richtiges Alphamännchen. Ich denke, männlich zu sein bedeutet, Selbstvertrauen zu haben und stolz auf sich zu sein."

Matheson sieht es als positive Entwicklung, dass viele Männer heutzutage nicht mehr das Bedürfnis haben, stereotypen Vorstellungen zu entsprechen: "Männlichkeit bedeutet für jeden etwas anderes, jeder ist zugleich männlich und weiblich - aber in unterschiedlichem Mischverhältnis."

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Surfer, Trompeter und Handwerker: Porträts junger Männer

Manche der jungen Männer schrieb sie gezielt auf Instagram an, einige wurden ihr von Bekannten vorgeschlagen, die meisten traf sie zufällig - auf der Straße, in der Bibliothek, im Pub. Es sind Studenten dabei, Trompeter oder Skater, die meisten sind zwischen 16 und 26 Jahren alt. "Ich denke, das ist eine Zeit, in der du wirklich viel über dich selbst lernst", sagt die Fotografin.

Viele der Fotos nahm sie draußen auf der Straße auf, oft an Plätzen, an denen sich die Porträtierten gerne aufhalten. "Ich mag es, Menschen in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren, da sie sich dadurch wohler fühlen und sich mehr wie sie selbst verhalten", sagt sie.

Während der Shootings spricht sie viel mit den jungen Männern: Sie fragt, was sie in ihrer Freizeit machen, was sie die Woche über erlebt haben oder was ihre Ziele sind. "Ich versuche, durch die Gespräche eine Vertrautheit zu schaffen und zu erreichen, dass sie sich normal bewegen."

Die Männer werden weder gestylt noch geschminkt - Matheson fotografiert sie in ihrer normalen Alltagskleidung, sie sollen sich so natürlich wie möglich verhalten, so dass ihre Persönlichkeit zum Ausdruck kommen kann. Die Bilder sind weit entfernt von gestellten Bildern aus Magazinen, es sind nachdenkliche und einfühlsame Porträts, die eine weiche Seite der Männer zeigen. "Sie sollen ihre Fassade fallen lassen", sagt die Fotografin, "sie müssen bei den Fotos nichts beweisen."

Video: Was Männer und Frauen wirklich unterscheidet (BBC 2005)

Foto: BBC

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